Renditechancen mit Rosinenpicken

Marktumfeld wird kniffliger: Chancen gibt es in Schwellenländern und bei Rohstoffen.

Raja Korinek. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries steigen stetig an und übersprangen zuletzt die Marke von 1,7 %. Weiteres Öl ins Feuer goss die Fed bei ihrer Sitzung Mittwoch vor einer Woche. Darin äußerte sie sich zuversichtlich zur US-Konjunkturerholung. Eine erste Zinserhöhung dürfte es dennoch nicht vor 2023 geben. Und damit wird der aufflackernden Inflation vorerst kein Einhalt geboten, ein Umstand, der die Anleihemärkte belastet.

„Unseres Erachtens werden die längerfristigen Renditen im Zuge einer nachhaltigeren Konjunkturerholung weiter steigen“, konstatiert Erwin Busch, Director Asset Management Germany/Austria bei der Credit Suisse Asset Management. Busch war einer der Vortragenden am diesjährigen Österreichischen Fondsforum, das sich auch der Börsen-Kurier anhörte. Busch rät Anlegern deshalb grundsätzlich zu kürzeren Laufzeiten bei Anleihen.

Chancen in den Schwellenländern
Busch sieht zudem Chancen bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern, vor allem aus Asien. Diese Papiere würden vom Wachstum in den Regionen profitieren. Und das Währungsrisiko, das man mit Anleihen in Local Currencies eingeht? Bei der Credit Suisse AM rechnet man eher mit einer US-Dollar-Schwäche. „Ein Umstand, von dem Währungen in den Schwellenländern profitieren“, sagt Busch. In Asien verweist er auf Chancen etwa mit dem chinesischen Renminbi sowie dem südkoreanischen Won. Auch der russische Rubel sowie der brasilianische Real könnten aufwerten. Letztere zwei Währungen profitieren in der Regel von steigenden Rohstoffnotierungen.

Weiters Chancen sieht man beim Schweizer Vermögensverwalter mit Wandelanleihen. Ralph Geiger, er ist Product Specialist bei Credit Suisse Asset Management, meint, auch bei diesen Produkten sei die Rendite zwar mickrig. „Man partizipiert aber vom steigenden Aktienmarkt.“ Grob gesagt, machen Anleger gut zwei Drittel des Aufschwungs mit, aber nur rund ein Drittel der Verluste. Denn Wandelanleihen sind mit einer Option – dem Recht, die Anleihe in die Aktie zu einem fixen Kurs zu wandeln – ausgestattet. Sollte die Option bei einem Crash im schlimmsten Fall wertlos werden, haben Anleger immer noch den Bond, der zu Laufzeitende getilgt wird.

Unterschiedliche Marktrichtungen nutzen
Doch wie könnte es mit der großen Geldflut weitergehen? Für Gerd Gwiss, Partner bei FTC Capital GmbH, stecken die Zentralbanken in der Zwickmühle. „Seit Ausbruch der Covid-19-Krise erleben wir eine gemeinsame geld- und fiskalpolitische Expansion.“ Eine derartige Parallelstrategie habe es selten gegeben. Und führe dazu, dass sich die Zentralbanken völlig in die Hand der Politik begeben hätten, mahnt Gwiss.

Gwiss meint auch, dass im aktuellen Umfeld Managed Futures ihre Stärken ausspielen könnten. Und das aus gutem Grund: Mit Derivaten – sogenannten „Futures“ – wird bei Managed Futures auch auf fallende Bondkurse gesetzt, genauso wie auf Währungskurse, „und auf jede Menge Rohstoff-Futures“, sagt Gwiss. Letzterer Anlageklasse räumt er jede Menge Potenzial ein. Freilich, auch bei Aktien können Managed Futures auf steigende Kurse setzen. Und genauso auch auf fallende Notierungen, was G‘wiss im aktuellen Umfeld für eine gute Eigenschaft hält: „Die Aktienmärkte haben sehr hohe Bewertungen erreicht.“ Wann Positionen eingegangen werden, entscheidet bei Managed Futures aber nicht ein Bauchgefühl. Das tun mathematische Programme, die auf technische Marktsignale reagieren.

Foto: Adobe Stock / Mindscanner

 

 

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