Spannende Resteverwerter

In der Recyclingbranche entsteht durch neue Technologien ein Milliardenmarkt.

Stefan Riedel, München. Strengere Umweltauflagen forcieren den Trend zur Entsorgung und Aufbereitung von Abfällen. So sieht die überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie der EU eine Recyclingquote von 55 % bis 2025 und von 65 % bis zum Jahr 2035 vor.

Längst geht es nicht nur um das Management und die Verwertung von Abfall aus Privathaushalten und um die Aufbereitung von Schadstoffen, welche als Nebenprodukte in der Industrie oder im Bergbau entstehen. Um den Ressourcenverbrauch dauerhaft zu schonen, müssen Werkstoffe, Metalle und Plastik über die Umwandlung in neue Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf eingebunden werden.

Mit der zunehmenden Marktreife von neuen Technologien werden diese für Investoren interessant. „Eines der aussichtreichsten Geschäftsfelder der Zukunft werden neue Batterietechnologien für Elektrofahrzeuge mit weniger Materialverbrauch und mehr Recycling“, erläutert Pieter Busscher, Portfoliomanager bei Robeco. Hier hat die US-Firma Aqua Metals (ISIN: US03837J1016) ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, mit dem sich Bleibatterien zu 100 % recyceln lassen. Über die im Jänner abgeschlossene Allianz mit BASF (DE000BASF111) will die Firma, die 2021 erste größere Umsätze erzielen wird, den Markt aufrollen.

Ein spannendes Zukunftsthema ist für den Robeco-Experten Busscher die Verarbeitung von komplexen Kunststoffabfällen wie Polyprophylen. Firmen wie Quantafuel (NO0010785967), Agilyx (NO0010872468) und Carbios (FR0011648716) arbeiten hier an chemischen Recycling-Verfahren, die sich mehrheitlich noch im Projektstadium befinden, und eignen sich nur als hochspekulative Depotbeimischung. Das MDAX-Unternehmen Aurubis (DE0006766504) verdient dagegen Geld mit dem Einschmelzen und der Verarbeitung von Kupfererz und Kupferschrott. Nach einem zweijährigen Durchhänger steht Aurubis vor einem neuen Umsatz- und Gewinnschub. Dasselbe gilt für Befesa (LU1704650164). Der im SDAX notierte Konzern hat sich auf das Recycling von industriellen Rest-stoffen aus Stahl und Aluminium spezialisiert. Umicore (BE0974320526) aus Belgien recycelt Metalle, Edelmetalle und Rohstoffe aus Elektroschrott und Batterien.

Die Sammel- und Sortiersysteme von Tomra Systems (NO0005668905) für die Leergutrücknahme sorgen in Super- und Getränkemärkten für das Recycling von Pfandflaschen. In diesem Geschäftsfeld besetzt das norwegische Unternehmen als europaweite Nummer Eins eine lukrative Marktnische.

Die jüngsten Gewinnmitnahmen bieten gute Einstiegskurse, denn die langfristigen Wachstumsperspektiven bleiben intakt. „Die Wachstumsraten für Recyclingspezialisten werden nicht an die von Technologieführern im IT-Bereich herankommen, aber die Kostenfrage bei Werkstoffen und Produktionsprozessen sollte den Unternehmen einen selbsttragenden Aufschwung bescheren“, ist Alexander Funk, Fondsmanager bei Ökoworld überzeugt.

Von den Einzelwerten bieten Aurubis und Befesa das beste Chance-Risiko-Profil, während das Wachstum bei Tomra in der aktuellen Aktienbewertung schon weitgehend eingepreist ist. Mit einer breiteren Risikostreuung als bei Einzelaktien können Anleger die Themen Werkstoff-Recycling und Abfallmanagement über einzelne Investmentfonds spielen. Der 2012 aufgelegte „RobecoSAM Smart Materials Equities D“ (LU2145463613) investiert in Technologien, welche zu einer beschleunigten Senkung der CO2-Emissionen beitragen. Dazu zählen das Recycling von Polypropylen und das chemische Recycling, aber auch Technologien für die energetische Gebäudeoptimierung, die Robotik und für die Produktion von Stahl und Aluminium mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Zu den Klassikern unter den Umweltfonds zählt der „Vontobel Clean Technology B“ (LU0384406600). Die Recycling-Positionen umfassen hier führende Unternehmen in der Abfallentsorgung.

Foto: Pixabay / Shirley810

 

 

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