Warum wahre Werte wieder gefragt sind

Angesichts steigender Inflationsraten und anziehender Renditen rücken Value-Aktien in den Fokus.

Raja Korinek. Die Nachwehen der Finanzkrise von 2008 sind bis heute zu spüren – zumindest im Segment der Value-Aktien. Es geht um Unternehmen, deren wahrer Wert sich im Börsenkurs noch nicht widerspiegelt, obwohl es sich meist um solide Qualitätsaktien handelt. Zu diesem Bereich zählen etwa Banken- aber auch Rohstoff- und zu einem Teil Gesundheitsaktien. Viele solcher Branchenaktien sind seit der Finanzkrise vor rund zwölf Jahren in Ungnade gefallen. Stattdessen lag das Hauptaugenmerk auf Wachstumsaktien – zu denen allen voran Technologietitel zählen. Sie profitierten im Vorjahr besonders kräftig von der Pandemie.

Großes Aufholpotenzial bei Value
Und so legte 2020 etwa der „MSCI Growth Index“ um knapp mehr als 34 % zu. Die drei größten Aktien darin sind Apple (ISIN: US0378331005), Microsoft (US5949181045) und Amazon (US0231351067). Der „MSCI Value Index“ beendete das Jahr hingegen mit einem leichten Minus von 0,38 %. Zu den drei größten Positionen zählen hier Johnson & Johnson (US4781601046), JP Morgan Chase (US46625H1005) und Berkshire Hathaway (US0846707026). Überhaupt hinkt die Wertentwicklung letzteren Indexes dem „MSCI Growth“ Index seit der Finanzkrise um fast 40 % nach.

Doch das Blatt könnte sich heuer wenden. Davon ist Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement der StarCapital AG und Fondsmanager des „StarCapital Equity Value Plus“ (LU0114997082 für Privatanleger, LU0340591105), überzeugt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verweist er auf die steigenden Anleiherenditen, allen voran in den USA. „Solch eine Entwicklung kommt historisch gesehen Value-Aktien zugute, während viele Growth-Titel eher das Nachsehen haben.“

Dazu muss man ein wenig ausholen. Die Renditen sind zuletzt aufgrund der aufkeimenden Inflationsängste gestiegen. Vor allem der neue US-Präsident Joe Biden plant umfangreiche Fiskalpakete, um die Konjunktur in die Gänge zu bekommen. Das wiederum dürfte die Inflation antreiben, weshalb sich in solch einem Umfeld viele Bondinvestoren lieber von ihren Beständen trennen. Und sich angesichts steigender Refinanzierungskosten lieber bei Qualitätsaktien mit soliden Bilanzen einzukaufen.

Rohstoffnachfrage zieht an
Solche dürften etwa in der Rohstoffbranche zu finden sein. Sollte die Wirtschaft tatsächlich anziehen, steigt die Nachfrage nach Rohstoffen. Schon jetzt legten die Notierungen ein gutes Stück zu. Denn Chinas Appetit auf Kupfer, Nickel und Co. wächst wieder kräftig.

Und bei den Banken? Ihnen kommt derzeit besonders zugute, dass die langfristigen Renditen steigen, während das kurzfristige Ende auf historischem Tief verharrt. Schließlich haben die Währungshüter – auch in der Eurozone – klargestellt, dass eine Zinsanhebung noch länger nicht in Sicht ist. Das bedeutet: Für Einlagen müssen Banken ihren Kunden praktisch keine Zinsen zahlen. Demgegenüber können sie für Kredite höhere Zinsen verrechnen. Schlumberger mahnt dennoch, blindlings vor einem Investment in Bankaktien. Nicht überall seien alle Häuser effizient, er erwartet sich deshalb noch Konsolidierungen in der Branche.

Doch wie geht der erfahrene Experte im StarCapital-Portfolio vor? Zu den größten Positionen zählt Autohome (US05278C1071), eine chinesische Online-Plattform für den Autohandel und der -finanzierung. Ebenso zählen die Rohstoffunternehmen Rio Tinto (GB0007188757) und BHP Billiton (GB00BH0P3Z91) dazu wie auch die Aktien der Scandinavian Tobacco (DK0060696300).

Fotos: Adobe Stock/ Costello77

 

 

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