Brennstoffzellen: Kältekur für Anleger

Nach massiven Gewinnen sind Aktien der Branche wieder am Boden der Realität.

Roman Steinbauer. Aktiengesellschaften im Umfeld der Brennstoffzellenforschung waren in jüngster Vergangenheit einer der bevorzugten Sektoren spekulativer Investoren. Perspektiven und das Potential der Dekarbonisierung des Luft-, See- und Straßenverkehrs durch emissionsfreie Mobilitätsantriebe nährten die Hoffnung auf eine technische Revolution innerhalb der nächsten Dekade. Entsprechend wurde die Risikobereitschaft in diesem Segment angeregt. Unmittelbar nach Jahresbeginn setzte abermals ein steiler Kursanstieg dieser Aktien ein; unmittelbar danach folgte allerdings eine breite Abverkaufswelle.

Ausgehebelte Bewertungskriterien
Papiere des favorisierten US-Konzerns Plug Power (ISIN: US72919P2020) legten einen Blitzstart um 110 % hin; ab Feber folgte dann eine Schubumkehr, die die Notiz auf das Ausgangsniveau zurück katapultierte. Meldungen zu Bilanzunregelmäßigkeiten beim New Yorker Brennstoffzellen-Vorreiter (die Bilanzerstellung der Jahre 2018, 2019, 2020 sei zu korrigieren, hieß es) erfassten den gesamten Sektor. Wie ein Weckruf realisierten offensiv orientierte Investoren das gewagte Risikoprofil derartiger im Trend liegender Titel.

Der Raum für Enttäuschungen ist groß, den Erwartungen ist kaum zu entsprechen. Der Konsens von 13 Analysten erwartet für Plug Power weiterhin rote Zahlen und erst für das Geschäftsjahr 2024 ein positives Ergebnis pro Aktie von 0,20 USD (0,17 Euro). Dies in der Annahme, die Umsatzerlöse steigen bis dahin um 130 % auf 1,67 MrdUSD (1,42 MrdEuro). Obwohl die Marktkapitalisierung der Gesellschaft mit 835 Mitarbeitern immer noch enorme 21 MrdUSD beträgt, sprach J.P. Morgan dennoch erneut eine Kaufempfehlung aus.

Gleich einer Sippenhaftung sieht die Chart-Charakteristik des Mitbewerbers Fuel-Cell Energy (US35952H6018) aus Connecticut aus. Trotz eines auf 0,15 USD (0,13 Euro) je Aktie verringerten Verlustes zum (am 31. Jänner beendeten) Jahresviertel fand sich vorerst kein erneuter Käuferüberhang.

Preis/Umsatz-Relationen bis über das Tausendfache
Eine ebenso kalte Dusche setzte es für die schwedische PowerCell (SE0006425815). Erklomm das Papier noch im Jänner eine Notiz von 44 Euro, endete der Energieschub abrupt. Die Notiz der Valoren der Göteborger befindet sich nun 40 % tiefer. PowerCell setzte im Vorjahr (im Lichte von Verbindlichkeiten von 10,7 Mio Euro und eines operativen Verlustes in selbiger Höhe) überschaubare 10,3 Mio Euro um. Wuchsen die Erlöse in 2020 zwar um 54 %, beträgt die Marktkapitalisierung immer noch 11,5 Mrd Euro (52 Mio Aktien ausstehend).

Mitgenommen wurden zudem Anleger der kanadischen Ballard Power (CA0585861085). Für das 1. Quartal wurde erneut ein Ergebnis von -0,05 Euro/Aktie verkündet.

Foto: Plug Power

 

 

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