Rückkehr des Tourismus

Aktienkurse preisen einen Boom ein. Wie plausibel erscheint das?

Michael Kordovsky. Weltweit haben die Regierungen die Wirtschaft heruntergefahren. Es gab weniger Angebot und zwangs-weise wurde über Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit auch die Nachfrage eingeschränkt, ehe Helikoptergelder und staatliche Hilfszahlungen ankamen.

Die Sparquoten sind in den entwickelten Ländern gestiegen, vor allem in der Eurozone. Das Bruttosparen dividiert durch das verfügbare Bruttoeinkommen, so die Definition der Sparquote bei Eurostat, stieg von 12,6 % im vierten Quartal 2019 bis zum vierten Quartal 2020 auf 19,8 %.

Kein Wunder – denn sogar der Konsum wurde drastisch heruntergefahren: Das Absatzvolumen des Einzelhandels fiel im Jänner gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,4 % und im Nicht-Nahrungsmittel-Bereich ohne Motorenkraftstoffe liegt das Minus bei 13,6 %. Auf diese Weise lässt sich gut sparen.

Immer mehr Einwohner zählen die Tage bis zum Ende der Lockdowns. Der nächste Aufschwung kommt und Geldreserven sind genügend vorhanden. Es gibt viel nachzuholen. Das zeigt auch ein kleiner Blick nach England: Seit Montag haben dort die Pubs und Gaststätten wieder offen und am ersten Öffnungstag war laut Branchenanalyst CGA der Verkauf von Bier, Wein und Sekt in den Pubs um 113 % höher als am selben Tag 2019.

Erholung der Luftfahrt
Total ausgeblutet wurden Fluglinien und Hotellerie. Laut International Air Transport Association (IATA) war 2020 das schlechteste Jahr in der Geschichte der Luftfahrt. Die globale Passagier-Nachfrage lag 75,6 % unter dem Vorjahresniveau. Die Kapazität (erhältliche Sitzkilometer) ging 68,1 % zurück. Im Dezember 2020 lag der gesamte Flugverkehr um 69,7 % unter dem Level des Vorjahresmonats. Die Buchungen für zukünftige Flüge lagen im Jänner 2021 70 % unter Vorjahresniveau. Das Basisszenario der IATA sieht heuer eine leichte Erholung auf einen Level von 50,6 % von 2019. Doch sollten die Impfkampagnen greifen und die Lockdowns enden, dann könnte es positive Überraschungen geben. Entsprechend die Börsenkursentwicklung wichtiger Fluglinien: Während die Lufthansa (ISIN: DE0008232125) noch das Tal der Tränen durchschreitet, stieg die Ryanair (IE00BYTBXV33) zwischenzeitlich wieder nahe alter Hochs und liegt per 16. April 76 % im Plus. EasyJet (GB00B7KR2P84) ist bereits 67 % im Plus und verfügt noch über weiteres Potenzial.

Hotelaktien im Aufwind
Ebenfalls stark erwischt hat es die Hotellerie, was eine Statistik des Fremdenverkehrslandes Österreich belegt: Im Kalenderjahr 2020 wurden 97,88 Mio Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben registriert, was einem Rückgang um 54,83 Mio bzw. 35,9 % entspricht (2019: 152,71 Mio Nächtigungen). Die Übernachtungen schrumpften auf den Level der frühen 70er-Jahre und die Zahl der Ankünfte ging im selben Zeitraum um 21,17 Mio bzw. 45,8 % auf 25,03 Mio zurück (ausländische Gäste: -52,7 % auf 15,09 Mio; inländische Gäste: -30,6 % auf 9,94 Mio). Im heurigen Jahr sind nicht nur in Österreich diverse Corona-Mutationen ein Damoklesschwert. Doch die Durchimpfung schreitet in den entwickelten Ländern voran. Der Nachholbedarf bei Reisen ist vorhanden und die Sparquote war zuletzt hoch. Entsprechend ist die Aktienkursentwicklung internationaler Hotelketten. Die Aktien der Hilton Worldwide Holding (US43300A2033) stiegen binnen eines Jahres um

82 % auf ein neues Rekordhoch, jene von Marriott International (US5719032022) stieg im gleichen Zeitraum um 84 % und befindet sich nahe des Rekordstandes. Ebenso setzte der Online-Reiseportalbetreiber Booking Holdings (US09857L1089) zu einer starken Rallye an.

Fazit: Schenkt man den Aktienkursen als vorauseilende Indikatoren Vertrauen, dann könnte der ärgste „Corona-Spuk“ bald vorbei sein und sich ab den Sommermonaten weltweit eine schrittweise Normalisierung der Situation im Fremdenverkehr einstellen.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen