Weltweiter Aufschwung voraus?

Stimmungs- und Frühindikatoren weisen den konjunkturellen Weg.

Michael Kordovsky. In den USA plant die Regierung von Joe Biden ein Drei-Billionen-USD-Programm, das auch Infrastrukturausgaben vorsieht. Das wären Ausgaben von 14,3 % der Wirtschaftsleistung – eine Dimension, die in einem Markt mit eingeschränktem Angebot vor allem von der Rohstoffseite her inflationär wirkt. Aus diesem Grund ist auch die Zinskurve steiler geworden. In Europa hingegen gibt es Kurzarbeitsprogramme und Entschädigungszahlungen an Firmen, die von Corona-Maßnahmen betroffen sind. Allerdings ist die Wirtschaftsdynamik in Europa mit jener der USA und in China nicht zu vergleichen.

US-Frühindikatoren im Aufwind
Eine vorläufige Auswertung der Umfragen bei Führungskräften von US-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, die vom 12. bis 23. März durchgeführt wurden, gelangte zu folgendem Ergebnis: Der „IHS Markit Flash U.S. Composite PMI Output Index“ verzeichnete für März mit 59,1 Punkten (Feber: 59,5 Punkte) noch immer das zweitschnellste Wachstum in sechs Jahren. Wachstumsbremsen kommen nicht von der Nachfrageseite sondern von einem begrenzten Angebot und Lieferengpässen. Generell stiegen nämlich in der Privatwirtschaft die Auftragseingänge so stark wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Dienstleister verkündeten die stärkste Nachfrage seit drei Jahren und die Exportaufträge privater US-Firmen stiegen den dritten Monat in Folge. Die Auftragsbestände im verarbeitenden Gewerbe markierten den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Mai 2007 nachdem die Auftragseingänge die stärkste Dynamik seit Juni 2014 erreichten. Lieferverzögerungen und Knappheit an Rohstoffen und Vorprodukten führten dazu, dass die Input-Kosten im März die stärkste Preissteigerung seit zehn Jahren erreichten.

Eine starke Dynamik herrscht auch in China vor, wo die Weltbank für heuer ein BIP-Wachstum von 8,1 % prognostiziert und 5,4 % im Jahr 2022, verglichenen mit 2,3 % im Jahr 2020. In den beiden Monaten Jänner und Feber stieg die Industrieproduktion im Vorjahresvergleich um 35,1 %, was auf Basiseffekte (Anm. Im 1. Quartal 2020 gab es einen großen Shutdown in China) zurückzuführen ist.

Neue Impulse in Europa
Die vorläufige Datenauswertung von Stimmungsumfragen in der Industrie und im Dienstleistungssektor der Eurozone zeigten: Der „Flash Eurozone Composite Index Produktion“, ein Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft, stieg von 48,8 Punkten im Feber wieder zurück in den Expansionsbereich (mehr als 50 Punkte) von 52,5 Punkte und markierte dabei ein Acht-Monatshoch. Der „Flash Eurozone Index Industrieproduktion“ kletterte im März sogar von 57,6 auf ein Rekordhoch von 63 Punkten (Spitzenwert seit Juni 1997). Angeführt wurde der Aufschwung der Industrie von der Rekordausweitung der Produktion in Deutschland sowie der höchsten Steigerungsrate in Frankreich und in den übrigen Ländern seit Jänner 2018. Der Dienstleistungssektor schrumpfte zuletzt weniger, befindet sich aber mit 48,8 Punkten (Feber 45,7 Punkte) im Kontraktionsbereich. Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen bzw. Lockdowns bremsen hier. Allerdings legte als wichtiger Frühindikator der Eurozone-Auftragseingang im März insgesamt wieder zu und wies das höchste Plus seit Juli vergangenen Jahres aus.

Fazit: Eine raschere Durchimpfung in der EU und gleichzeitige Normalisierung des Geschehens würden in Europa stärkere Wachstumsimpulse geben. Das Konjunkturprogramm der USA wird jedenfalls globale Wirkung entfalten, wovon vor allem der Infrastruktur-Aufbau-Bereich sowie Hersteller von Rohstoffen, Stahl und Baumaterialien profitieren sollten.

Foto: AdobeStock / Tom Wang

 

 

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