Coface erwartet keine Insolvenzwelle

Der Kreditversicherer verweist auf Korrelation zwischen Durchimpfungsrate und Konjunktursensibilität.

Tibor Pásztory. Der Kreditversicherer Coface veröffentlicht vierteljährlich einen Risiko-Barometer, in dem Länderrisken eingeschätzt werden. Der Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts soll demzufolge heuer bei 5,1 % statt den ursprünglich prognostizierten

4,5 % liegen. Verantwortlich für diese positive Prognose zeigen sich jedoch in erster Linie Schwellenländer, während viele große Volkswirtschaften in Europa mit einer BIP-Schrumpfung in das heurige Jahr gestartet sind.

Die Konjunkturprognosen für die einzelnen Volkswirtschaften zeigen höchst unterschiedliche Werte. Ein Trend erweist sich allerdings als einheitlich: wer schneller impft, verringert sein konjunkturelles Risiko erheblich, da dadurch das Risiko weiterer Lockdowns sinkt. Dies untermauern die Staaten Israel, Chile, Großbritannien oder die Vereinigten Arabischen Emirate, die schneller und bislang weitreichender geimpft haben als andere Länder. Langsamere Staaten wie Frankreich, Spanien oder Italien müssen hingegen ihre Konjunkturprognosen reduzieren.

Als sehr unterschiedlich erweisen sich auch die Konjunkturprognosen innerhalb einzelner Branchen. Weltweit untersuchte Coface dabei 35 Branchen in 20 Ländern. Nicht ganz überraschend habe sich demzufolge die Situation der Pharmabranche erhellt, in die momentan viele Investoren bevorzugt investieren. Zuvor hatte diese ihrer „Corona-Konjunktur“ zum Trotz ebenso an Rohstoffknappheit gelitten wie viele andere Branchen auch.

Ebenso wenig überraschend positiv entwickelt sich auch die Papierindustrie, seit Papier nicht nur benützt wird, um es zu bedrucken oder Wurstsemmeln darin einzuwickeln, sondern auch um Masken daraus zu produzieren. Und dass das Verpackungs- und Kartonagengeschäft boomt, darf ebenso getrost auf den der Corona-Pandemie folgenden E-Commerce-Boom zurückgeführt werden.

Auch die Metallbranche profitiert derzeit von einer Belebung des Maschinenbaus wie auch des Automobilmarktes, die beide Nachholeffekte vorweisen können. Trotzdem blieben diese für Coface-Volkswirtin Christine von Berg Sorgenkinder. Sie hätten sich nämlich bereits vor der Pandemie in einer Rezession befunden.

Insolvenzwelle sieht der Kreditversicherer keine auf die Konjunktur zukommen, sogenannte „Zombie-Firmen“ ausgenommen. Dies werde sich auch nach Beendigung des Schutzschirmes zum 1. Juli nicht ändern, wenn das Motto wieder „Zurück zum Markt“ lauten wird. Dass künftig deutlich mehr auf eine sichere Erhaltung der Lieferketten geachtet werden muss, habe nicht alleine die Pandemie, sondern auch die tagelange Blockade des Suezkanals gezeigt.

Foto: Pixabay / paulbr75

 

 

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen