Eigenkapitalstärkende Maßnahmen gefordert

Von KÖSt-Senkung bis KESt-Befreiung für Langfrist-Aktionäre reichen die Vorschläge.

Manfred Kainz. Es klingt ungewöhnlich optimistisch in diesen Tagen. Wir erleben den „global größten Wirtschaftsaufschwung mit 6,6 % Weltwirtschaftswachstum. Wir sind in einer Hochkonjunktur“, formuliert es der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV) Christian Helmenstein (im Bild links; Aufnahme vor Corona, Anm.). Das müsse Österreich nützen. Und nicht nur das Vor-Coronakrisen-Niveau anstreben, sondern uns „an die Spitze des Konjunkturaufschwungs setzen“. Das brauche eine Industriepolitik, die von den jetzigen strukturkonservierenden Maßnahmen zu strukturmodernisierenden Maßnahmen komme. Dazu zähle ganz zentral Eigenkapitalstärkung.

Partner Kapitalmarkt
Industriellen-Generalsekretär Christoph Neumayer (am Foto rechts) bestätigte auf die Frage des Börsen-Kurier die wichtige Rolle, die die Wiener Börse (in dessen Aufsichtsrat ja auch Vertreter aus der Industrie sitzen und sogar den Vorsitzenden stellen) und der heimische Kapitalmarkt spielen können und sollen: Ein starker Kapitalmarkt sei ein „zentrales Element des Wiederaufschwungs“, so Neumayer. Um ihn zu stärken, schlägt die IV unter anderem die Wiedereinführung einer z. B. zwölfmonatigen Behaltefrist für Aktieninvestitionen vor, ab der dann das Aktienengagement KESt-befreit ist. Weiters brauche es eine Stärkung der kapitalmarktunterlegten Pensionsvorsorge. „Die Wiener Börse ist jedenfalls ein ganz wichtiger Partner in unserem Szenario und unserer Strategie“, um über das Vor-Krisen-Niveau hinaus zu wachsen und zu den Weltmarktführern USA und China aufzuschließen.

Investitionen ankurbeln
„Für das IV-Programm ‚Industriestandort 2025+‘ ist generell ein investitionsfreundliches Klima notwendig“, so der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Knill. Dazu schlägt er konkret die Wieder-Einführung eines Investitionsfreibetrags als steuerlichen Anreiz vor, der für ökologisch sinnvolle Investitionen weiter erhöht werden könnte. Als Eigenkapitalquoten-stärkende Maßnahmen plädiert er einerseits für die Senkung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 21 %, wie es im Regierungsprogramm ja angekündigt war. Das würde starkes Investitionswachstum generieren, die Eigenkapitalbasis verbessern und somit auch die Bonität, was wiederum die Unternehmensfinanzierung erleichtere.

Andererseits fordert IV-Präsident Knill die steuerliche Gleichstellung von Eigenkapital mit Fremdkapital, also dass man auch Eigenkapitalaufwendungen als Betriebsausgaben in Abzug bringen kann.

Volumina
Dringend angebracht wäre weiters eine Senkung der Lohnnebenkosten in Richtung deutsches Niveau. Das dortige liegt mehr als 4 %-Punkte niedriger als das österreichische. Es gebe „Entlastungspotenzial“ bei der Unfallversicherung (die Unfälle sind seit 1990 um mehr als 40 % zurückgegangen, aber die Beiträge nicht) und im FLAF (Familienlastenausgleichsfonds).

Insgesamt wäre eine Senkung der Abgabenbelastung auf 40 % sinnvoll und durchaus machbar. Das sinnvolle Krisen-Gegensteuerinstrument Investitionsprämie wurde von ursprünglich 1 auf 5 Mrd Euro ausgeweitet und schaffe ein – vorgezogenes – Investitionsvolumen von mehr als 55 Mrd Euro, ist die Industrie stolz. „Wenn wir den Aufschwung perpetuieren, kann es dreistellig werden“, ergänzt Helmenstein.

Foto: IV

 

 

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