Österreich wieder konjunkturell im Aufwind

Die heimische Wirtschaft erholt sich und der Bankensektor bleibt stabil.

Michael Kordovsky. Die Durchimpfungsrate in Österreich steigt permanent an, die Covid-19-Neuinfektionen werden immer seltener und die Folgen der Eindämmungsmaßnahmen sollten 2022 gänzlich ausklingen. „Die Jahre 2021 und 2022 sind von einem deutlichen Aufholprozess geprägt“, so der OeNB-Gouverneur Robert Holzmann in einer aktuellen Aussendung. Nach einem Rückgang des realen BIP um 6,7 % im Vorjahr erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für die Jahre 2021 und 2022 ein Wachstum von 3,9 bzw. 4,2 %, ehe 2023 wieder eine Normalisierung (+1,9 %) Richtung langjähriger Durchschnitt stattfinden sollte. Die weltweiten Rahmenbedingungen stimmen. Ausgehend von den USA und China wird die Weltkonjunktur beflügelt. Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften sollten im dritten Quartal 2021 ihr Vorkrisenniveau überschreiten und gegen Ende 2022 den vor der Krise prognostizierten Entwicklungspfad erreichen. Im Gegensatz dazu wird das BIP der Schwellenländer aufgrund der langsameren Impfausrollung auch mittelfristig unterhalb des Vorkrisentrends liegen. Per Saldo sollte aber die Weltwirtschaft um 6 % wachsen, ehe die Dynamik bis 2023 auf 3,5 % abflaut.

Aufholpotenzial in Österreich
Sowohl beim allgemeinen Konsum, im Fremdenverkehr als auch im globalen Handel besteht in Österreich ein großes Aufholpotenzial, zumal die Konsumenten durch Lockdowns längere Zeit zum Sparen verdonnert waren. Nun sollte die Sparquote laut OeNB-Prognose von ihrem Höchstwert von 14,4 % im Jahr 2020 auf 7,8 % im Jahr 2023 zurückgehen, wobei nur ein geringer Abbau der Überschuss-Ersparnisse unterstellt ist. Für den privaten Konsum bedeutet dies nach einem Einbruch von 9,4 % im vergangenen Jahr heuer wieder eine Steigerung von 4 %, ehe 2022 eine Beschleunigung des Zuwachses auf 5,8 % erfolgt. Ebenfalls stark erholen sollten sich die Investitionen, und die Bereiche Fremdenverkehr und Export könnten zu Wachstumsfaktoren werden. Die Auftragseingänge stimmen optimistisch. Entsprechend sollten die gesamten Exporte heuer um 7,1 % zulegen (nach -10,9 % im Vorjahr) und in den Folgejahren jeweils 6,4 bzw. 3,4 %. Auch die Investitionstätigkeit sollte sich nach einem Minus von 4,8 % bei den Bruttoanlageinvestitionen im Jahr 2020 heuer wiederbeleben. Für 2021 ist ein Plus von 4,7 % möglich, ehe in den darauffolgenden Jahren wieder eine Abkühlung erfolgt.

Banken stabil
Fiskal ist das Krisenjahr 2020 glimpflich ausgegangen. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Staatshaushalt sind noch überschaubar. Dazu die OeNB in ihrer aktuellen Publikation: „Der Budgetsaldo wird sich im Jahr 2021 auf -6,9 % des BIP belaufen und sich bis zum Jahr 2023 weiter auf etwa -2 % des BIP verbessern.“ Die Staatsschuldenquote soll von 85,1% bis 2023 auf knapp unter 82 % sinken. Staatsanleihen dürften relativ stabil bleiben, zumal die Inflation nur zwischenzeitlich ansteigt und bis 2022 wieder auf 1,8 % (HVPI-Inflation) sinken sollte. Von dieser Seite her sind die Banken nicht bedroht und für Kreditausfälle bei Unternehmen haben die Banken schon entsprechende Risikovorsorgen getroffen. Die durchschnittliche NPL-Ratio (Anteil fauler Kredite am Gesamtportfolio) lag indessen mit 2 % im Jahr 2020 unter dem EU-Schnitt von 2,6 %. Im Inlandsgeschäft waren es nur 1,5 %. Vor allem die harte Kernkapitalquote zeigte Stabilität, indem sie sich 2020 sogar im Schnitt um 0,5 %-Punkte auf 16,1 % verbesserte. Knapp unter 60 heimische Banken überzeugten sogar mit einer CET-Ratio von mehr als 26 %.

Foto: Adobe Stock / ink drop

 

 

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