Von neuer Reiselust profitieren

Experten sehen bei Aktien aus der Reise- und Freizeitindustrie weiterhin Chancen.

Patrick Baldia. „Auch wenn sich einige Unternehmen und Segmente der Reiseindustrie seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie gut geschlagen haben, so haben die meisten nach wie vor Aufholpotenzial“, sagt Michael Gierse, Portfoliomanager bei Union Investment. Viele einschlägige Aktien würden noch unter dem Niveau von 2019 notieren. Er geht davon aus, dass sich die meisten Player erholen werden – die Frage sei nur wann. Schließlich sehe man derzeit, dass das Bedürfnis zu verreisen da sei – zumindest was Privatreisen betreffe. Bei Geschäftsreisen sollte eine Normalisierung dagegen länger dauern.

Regelrecht durch die Decke gegangen sind seit dem Ausbruch der Corona-Krise die Bewertungen von Aktien zum Thema Camping und Fahrrad. „Der Camping-Sektor hat schon vor Corona interessantes Wachstum aufgewiesen“, so Gierse. Dahinter sieht er einen Trend zur Individualisierung des Reisens, ebenso wie die zunehmende Nachfrage durch Frühpensionisten. Gut unterwegs waren Aktien von Herstellern von Reise- und Wohnmobilen, Campingbussen, Caravans oder Vans wie Knaus Tabbert (ISIN: DE000A2YN504), Hymer (DE0006096704) und Trigano (FR0005691656) oder der schwedische Hersteller von Kühlschränken für Wohnmobile und Camper Dometic (Anleihe: XS1878856803). Auf der Fahrradseite bescherten Aktien wie Shimano (JP3358000 002) oder Thule (SE0006422390) Anlegern viel Freude.

Bereits gut gelaufen sind Airlines-Aktien wie Ryanair (IE00BY TBXV33) oder Wizzair (JE00BN574F90). Für Gierse ist die irische Billigairline aussichtsreich positioniert. „Sie punktet mit einem einfachen Geschäftsmodell: Eine Airline, ein Produkt und ein Flugzeugtyp“, hält er fest. Die stark nach Nordamerika ausgerichtete IAG (ES0177542018) könnte wiederum frühzeitig von einer Normalisierung des Reiseverkehrs dorthin profitieren. Positiv sehen die Analysten der Erste Group ein weiteres Unternehmen: Den heimischen Caterer Do & Co. „Wir sehen das Unternehmen weiterhin in der Pole-Position für den Aufschwung nach Corona“, so die Analystin Vladimira Urbankova.

Am besten positioniert, um von einer Erholung der Reisetätigkeit zu profitieren, sind nach Ansicht von Experten – aufgrund ihrer sehr flexiblen Geschäftsmodelle ohne Vermögensgegenstände – Online-Reiseportale. Zu den Playern, die aktuell eine gute Buchungslage aufweisen, gehören etwa eDreams (LU1048328220) aus Spanien, das in jedem europäischen Land entweder die Nummer 1 oder 2 ist, oder Lastminute.com (NL0010733960) aus der Schweiz. Das britische Online-Reisebüro On the Beach Group (GB00BYM1K758) leidet hingegen aktuell noch unter den Reisebeschränkungen in seinem Heimatmarkt.

Gierse weist darauf hin, dass es aktuell Unternehmen gibt, die Kapital benötigen und vor Übernahmen stehen. Dazu zählen etwa Lufthansa (DE0008232125), TUI (DE000TUAG000) und der Schweizer Reise-Detailhändler Dufry (CH0023405456). „Für die Aktionäre ist das mit der Gefahr einer Kursverwässerung verbunden“, so der Portfoliomanager, der einen Publikumsfonds aus dem Bereich Mid & SmallCaps verantwortet. Obwohl etwa TUI Kapital benötigt, berichtet es von einer starken Buchungslage. Das größte Problem des Tourismuskonzerns ist, dass der wichtigste Markt Großbritannien wegen der Covid-19-Beschränkungen hinterherhinkt. „Fallen diese, könnte die Aktie einen Schub bekommen“, so Gierse. Nachsatz: „Viele Briten warten nur darauf, wieder verreisen zu können.“

Foto: Pixabay / mohamed_hassan

 

 

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