Gold stürzt nach guten Job-Daten

Wall-Street-Analysten ändern ihre Meinung um 180 Grad.

Andreas Fastl, Commodity Trader. Es ist das alte Spiel, aber es kam überraschend brutal: Gute Konjunkturdaten sollten die Fed davon abhalten die Reduzierung der Anleihekäufe (Tapering) hinauszuzögern, und das bedroht tendenziell den Goldpreis.

Im Detail: Der Juli-Jobreport kam am Freitag mit 943.000 neuen Stellen (Nonfarm) und übertraf damit die Erwartungen von 870.000 deutlich. (Bevor es weiter geht, sei aber eingeschoben: Am 2.7. kamen die Juni-Nonfarm-Payrolls mit 850.000 noch stärker über der Erwartung von 700.000, und nichts passierte, Gold stieg sogar bis zum 14.7.)

Anyway! Konjunkturstärke = Zinsstärke = Goldschwäche (vereinfacht), und so stürzte der Goldkurs am Freitag von 1.805 auf 1.760 USD und am Wochenende mit einem Gap von 1.740 auf 1.707. Da dürften Longs, die am Freitag nicht reagierten, dann doch noch in Sorge geraten sein und den elektronischen Handel „genutzt“ haben. Charttechnisch reagierte der Kurs logisch: 1.760/70 ist eine langfristige Unterstützung und 1.750 das Tief von Juni. Darunter gibt es lange nichts, bis zum Doppeltief von März bei 1.680.

Emotional dürfte wohl gewirkt haben, dass die Arbeitslosenrate signifikant von 5,9 auf 5,4 % zurückging (am 2.7. war es ein Anstieg von 5,8 auf 5,9 %), und dass sich jeder insgeheim einen Anlass wünscht, der die Fed befähigt, mit dem „Liquiditätswahnsinn“ aufzuhören.

Die Renditen der 10-jährigen Treasuries (seit Mai von 1,700 auf 1,130 abgedriftet) sprangen auch sofort auf 1,310 an – womit eine Markterwartung der „Zinsstärke“ konkret ablesbar ist.

Besonders auffällig war der Sinneswandel in der wöchentlichen Trader-Befragung. Die Privaten reduzierten ihre bullishe Haltung von 79 auf 53 %, die Profis jedoch drehten sich völlig: Die bullishen Erwartungen stürzten von 70 % auf null (0 %), die bearishen von null auf 88 %. „Loyalität steht einem Soldaten, jedoch nicht einem Trader“, sagt man.

Die radikale Reaktion lässt leider befürchten, dass dem Goldmarkt ein schwerer Imageschade entstanden ist.

Die Messung der US-Inflationsrate am 11.8. wird spannend.

Foto: Adobe Stock / fox 17

 

 

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