Jetzt in Gold- und Silberminentitel investieren

Nach jüngsten Rückschlägen sind Gold- und Silberminentitel wieder attraktiv.

Michael Kordovsky. Ein starker US-Dollar, Inflationsängste und damit einhergehend Sorgen vor einer verfrühten Drosselung der Anleihenkäufe der Fed setzten in den vergangenen Wochen die Gold- und Silberpreise unter Druck. Auf Drei-Monatsbasis liegen per 19. August Gold und Silber je 4,5 bzw. 15,8 % im Minus. Noch stärker unter Druck gerieten Minentitel. Der „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index, der nur Unternehmen enthält, die ihre Goldproduktion nicht länger als über einen Zeitraum von 18 Monaten absichern, verzeichnet per 19. August auf Jahresbasis sogar ein Minus von 30,3 %. Indessen liegt der aus elf Silberminentiteln bestehende „Best of Silver Miners Index EUR (Price)“ von Solactive auf Jahressicht 24 % im Minus.

Inflation und Staatsanleihenrenditen sprechen für Edelmetalle
Im Protokoll über die jüngste Fed-Sitzung stand, dass einige Mitglieder des Offenmarktausschusses bis Anfang 2022 warten möchten, um mit dem Tapering, sprich der Drosselung der Anleihenkäufe von bis dato 120 MrdUSD, zu beginnen. Die meisten Teilnehmer wollten damit schon heuer losstarten, für den Fall, dass sich die Wirtschaft größtenteils erwartungsgemäß entwickelt. Bis die monatlichen Anleihenkäufe auf null gedrosselt sind, ist keine Leitzinserhöhung zu erwarten. Wann wird es aber so weit sein? Im Rahmen des FedWatch-Tools preisen die Fed-Fund-Futures-Preise eine mögliche erste Leitzinsanhebung für die Sitzung am 14. Dezember 2022 ein. Da liegt erstmals die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen unter 50 %.

Die Corona-Delta-Variante breitet sich aus
Das Konsumentenvertrauen sinkt und eine neue globale Lockdown-Welle könnte bereits begonnen haben. Nicht umsonst sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries auf 1,24 % gesunken. Noch im Juni bewegten sie sich auf Schlusskursbasis zwischen 1,44 und 1,625 %. Dabei liegt die Inflationsrate in den USA mittlerweile bei 5,4 %, was für Anleihen tiefnegative Realrenditen bedeutet. Allein das müsste Edelmetalle beflügeln.

Gold nachweislich fundamental unterbewertet
Hinzukommt, dass auf Fünfjahressicht ein einfacher Vergleich zwischen Gold- und Geldinflation für steigende Goldpreise spricht. Das weltweite Goldangebot hat sich durch Minenproduktion, Hedging und Recycling von 4.435,3 Tonnen im Jahr 2015 bis 2020 auf 4.633,1 Tonnen ausgeweitet, was einer jährlichen Goldvermehrung von 0,88 % p.a. entspricht. Hingegen wuchs die US-Dollar-Geldmenge M3 von Dezember 2015 bis Dezember 2020 von 12.344 auf 19.131 MrdUSD. Das ist eine Ausweitung um 55 % bzw. 9,16 % p.a. Die gerechtfertigte Preissteigerung bei Gold errechnet sich aus (1,0916 : 1,0088 – 1) x 100 und wäre 8,21 % p.a. In den vergangenen fünf Jahren wäre also eine Goldpreissteigerung um 48,4 % gerechtfertigt gewesen, wenn man von diesen zwei Expansionsgeschwindigkeiten weiterhin ausgeht. Tatsächlich stieg der Goldpreis um 33,4 % auf 1.789,5 USD. In Wirklichkeit wäre aber ein Preis von 1.990,7 USD/Feinunze gerechtfertigt. Das wären 11,2 % Potenzial und der Silberpreis könnte in so einem Szenario überproportional um rund 20 % wieder auf gut 28 USD/Feinunze klettern.

Minentitel mit Aufholpotenzial
Einschlägige Minentitel könnten auf diese Bewegung durchaus mit einem Hebel von zwei bis drei reagieren, zumal diese ohnehin stärker hinuntergeprügelt wurden und nun als eine besonders unterbewertete Asset-Kategorie gelten, denn die Minen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt auf rentable Projekte fokussiert und somit ihre Cashflows verbessert. Der „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index hätte beispielsweise bis zu seinem Zwölfmonatshoch ein Aufwärtspotenzial von 55 %, während manche Gold- und Silber-Junior-Miner über ein Vervielfachungspotenzial verfügen. Trotzdem sollten Anleger allzu große unternehmensspezifische Risiken meiden und über einschlägige Fonds und ETFs streuen. Bestenfalls können internationale Blue Chips oder besondere Qualitätsaktien der Branche als spekulative Einzeltitel ins Depot gelegt werden.

In diese Kategorie fallen beispielsweise Barrick mit Produktionskosten (AISC) von 1.052 USD pro Unze Gold im ersten Halbjahr 2021, die laut Konsens von Zacks Investment Research mit einem für 2022 geschätzten KGV von 14,8 bewertet ist.

Vor allem in Afrika über lukrative Minen verfügt indessen Anglogold Ashanti (ISIN: ZAE000043485), die mit einem für 2022 geschätzten KGV von nur noch 7,2 bewertet wäre, gäbe es da nicht einen möglichen „Bewertungsfallen-Effekt“, der jedoch schon weitgehend eingepreist sein könnte. Als Streaming-Gesellschaft über eine solide Ertragslage sollte Wheaton Precious Metals (CA9628791027) verfügen, während Fortuna Silver (CA3499151080) von der Integration der übernommenen Roxgold profitiert und auf Basis eines Kurses von 3,95 USD mit einem erwarteten KGV von 4,8 bewertet wäre. Selbst negative Überraschungen wären hier schon weitgehend eingepreist.

Lukrative Fonds und ETFs
Klassiker sind ETFs auf den aus 20 Goldminentitel bestehenden „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index wie zum Beispiel der „Lyxor NYSE Arca Gold BUGS (DR) UE“ mit der ISIN LU0488317701. Chancen auf ein bisschen mehr an Dynamik bietet hingegen der „VanEck Vectors Junior Gold Miners UCITS“ (IE00BQQP9G91), der Blue Chips mit Junior-Minengesellschaften kombiniert. Ein interessanter Fonds mit Silberminen-Schwerpunkt ist der „Stabilitas – Silber+Weißmetalle P“ (LU0265803667), der u.a. Wheaton Precious Metals, Pan American Silver, MAG Silver, First Majestic Silver und Hecla Mining im Portfolio hat, und auf drei Jahre rund 105 % (per 18.8.) im Plus liegt. Indessen ein alter Klassiker mit 64 % USD-Performance auf Dreijahresbasis (18.8.) ist der „BGF World Gold F.A4 USD“ (LU0724618789).

Dieser investiert in Minengesellschaften, die Edelmetalle fördern.

Foto: Pixabay / RuRu_SG

 

 

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