KMU: Aktien-Eigenemission statt IPO?

Eigenkapital ist gefragt. Eine Alternative zum herkömmlichen Börsengang ist vor allem für „Kleine“ interessant. Ein Gastkommentar von Daniel Horak, Gründer des Crowdinvesting- und Emissionstechnologieanbieters Conda

Die Pandemie hat das Thema Eigenkapital verstärkt aufs Tapet gebracht. Unternehmen, die eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen, sind in den meisten Fällen weniger abhängig von Fremdkapitalgebern und deutlich krisenresistenter. In Österreich liegt die durchschnittliche unternehmerische Eigenkapitalquote bei gerade einmal 36 %, was einen europäischen Mittelfeldplatz bedeutet. Wie im Sommer aus der österreichischen Politik und Wirtschaft nicht zu überhören war, sollen die Unternehmen also mehr Eigenkapital aufstellen, um für künftige mögliche Krisen besser gewappnet zu sein.

Wenn große Unternehmen Eigenkapital aufstocken, gehen sie oftmals mittels Initial-Public-Offering (IPO) an die Börse. In der Regel ist diese Option aber nur für Unternehmen ab 50 Mio Euro Umsatz interessant und realistisch, Aufwand und Kosten für einen Börsengang sind für Klein- und Mittelunternehmen schwer zu stemmen. Aktien sind also nur etwas für große Konzerne, könnte man daraus ableiten. Doch das stimmt so nicht. Auch für kleinere Unternehmen besteht die Möglichkeit, Aktien in Form einer Neuemission oder einer Kapitalerhöhung zu emittieren – nur eben abseits der Börse.

Bei der sogenannten „Aktien-Eigenemission“ erfolgt die Platzierung ohne Beteiligung einer Emissionsbank, das Unternehmen ist selbst dafür verantwortlich, die Investorinnen und Investoren zu erreichen und zu einem Investment zu bewegen. Dennoch sind strenge Sicherheits- und Compliance-Vorschriften einzuhalten, und das ist auch gut so, schließlich geht es auch bei Eigenemissionen häufig um Summen in Millionenhöhe. Professionelle Software-Lösungen, wie etwa die des Crowdinvesting-Anbieters Conda, helfen bei der Umsetzung und Begleitung der Transaktion.

Der Erfolg einer Eigenemission steht und fällt mit der erfolgreichen Platzierung. Daher muss schon vor der Emission eine breite Unterstützerbasis aufgebaut werden, die dann mobilisiert werden kann. Danach sollte der Draht zur Investment-Community durch direkte Kontaktmöglichkeiten, z.B. in Form eines Blogs oder News-letters aufrechterhalten werden. Aus Investmentsicht eröffnet sich durch Eigenemissionen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Jeder kann in Unternehmen aus der ei-genen Region investieren, die beispielsweise wichtige Arbeitgeber sind, eine besonders unterstützenswerte Geschäftsidee verfolgen, oder sich als Vorbilder beim Umgang mit Umweltschutz oder sozialem Engagement auszeichnen. Die Investment-Community muss nicht erst warten, bis das Unternehmen groß genug für die Börse ist, sondern kann die Zukunft selbst mitgestalten und dann im Idealfall am Erfolg des Unternehmens partizipieren.

Die Erfahrung zeigt, dass Eigenemissionen erheblich zur Markenbindung beitragen können. Es handelt sich nicht um anonyme Investorinnen und Investoren auf dem Papier, sondern sie identifizieren sich mit einem Produkt oder einem Service, schon allein durch die mögliche Ausgestaltung als Namensaktie. Investoren werden dadurch oft zu jahrelangen Wegbegleitern. Bestes Beispiel dafür ist die österreichische Oekostrom AG, die 2017 und 2021 Kapitalerhöhungen mit Hilfe von Eigen-emissionen bewerkstelligt hat. 2017 waren bei einem Emissionsvolumen von mehr als 1 Mio Euro alle Aktien binnen 48 Stunden ausverkauft, im Mai 2021 folgte eine weitere erfolgreiche Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 4,1 Mio Euro.

Eigenemissionen schließen einen späteren IPO nicht aus. Schließlich können auch KMU sehr schnell eine Größe erreichen, bei der schließlich ein Börsengang sinnvoll ist.

Foto: AdobeStock / Blue Planet Studio

 

 

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