Emerging Markets: Selektiv investieren

Experten sind für Schwellenländer trotz China-Turbulenzen optimistisch.

Harald Kolerus. In den vergangenen Wochen dominierten keine positiven Schlagzeilen das Geschehen im Reich der Mitte. Strenge Regulierungen im Bildungsbereich sowie im Technologiesektor haben Investoren aufgeschreckt. Somit war die Entwicklung in China ein wichtiges Thema im jüngsten Webinar der Capital Group zu Emerging Markets. Es wurden aber auch Anlagemöglichkeiten von Brasilien bis Indien beleuchtet.

Kurze Zeitreise
Es referierten Victor Kohn, Portfolio Manager und Valeria Vine, Investment Specialist bei der Capital Group. Wobei beide keine Fonds allein managen, sondern Teil breiterer Teams sind. Interessant: Kohn ist bereits seit 1986 in den Emerging Markets auf der Suche nach Anlagechancen, seither hat sich einiges fundamental verändert: „Als ich damals etwa in Argentinien oder Brasilien Vorort recherchierte, hörte ich von den Unternehmen oft: ,Schön sie zusehen, aber warum sind Sie eigentlich hier?‘ Heute sieht die Situation anders aus. Es gibt viel mehr professionelle Informationen und ein deutlich breiteres Spektrum an Investmentmöglichkeiten. So war z. B. der chinesische Aktienmarkt damals gar nicht existent. Nicht zuletzt sind die Volkswirtschaften der Emerging Markets stark gewachsen.“

Keine Flucht aus China-Investments
Am deutlichsten demonstriert die wachsende ökonomische Bedeutung natürlich wiederum China: Es nimmt heute nach Kaufkraftparitäten gemessen an die 50 % des globalen BIP ein. Innerhalb der nächsten Dekade könnte China sogar zur größten Volkswirtschaft der Welt heranwachsen. Was nun die jüngste Regulierungswut im Reich der Mitte betrifft, kommentiert Kohn (der Portfolio-Manager für den „Capital Group World Growth and Income Fund“ sowie den „Capital Group Emerging Markets Growth Fund“ ist): „Peking will Bereiche wie Gesundheit, Bildung und Wohnen für die breite Bevölkerung besser zugänglich und finanziell leichter erschwinglich machen. Es ist zu erwarten, dass die Restriktionen auch noch auf andere Felder ausgedehnt werden könnten, z. B. die Gaming-Industrie.“ Laut dem Experten sollte man deshalb aber nicht auf chinesische Titel im Portfolio schlichtweg verzichten: „Wir sehen eine kontinuierliche Entwicklung sehr guter Unternehmen aus China, die sich international durchsetzen. Etwa im Bereich der Generika bzw. Biotechs, die von der Regierung stark unterstützt werden.“ Wobei der Experte darauf hinweist, dass eben in ausgesuchte Unternehmen investiert wird und nicht pauschal.

Viele Möglichkeiten
Vine, Emerging-Markets-Spezialistin für den „Capital Group New World Fund“ (ISIN: LU1481181599) und den „Capital Group Emerging Market Growth Fund“ (LU0100551489), fügt hinzu: „Anlagemöglichkeiten bieten ausgewählte Titel, die Innovationen in Schwellenländern vorantreiben, sowie Unternehmen, die unterversorgte Kundensegmente bedienen.“ Wobei wichtige Trends wie die Wiederbelebung der Reisenachfrage, das Wachstum digitaler Plattformen und die Beschleunigung der Mobiltechnologie die Perspektiven der Schwellenländer beflügeln. Trotz guter Aussichten empfiehlt sich aber immer selektives Vorgehen. So etwa in Brasilien, das politisch wie makroökonomisch herausfordernd sei. Dennoch finden sich hier z.B. im Bereich des „Digital Payments“ gute Unternehmen, die von der Ineffizienz traditioneller Banken profitieren.

Als spannend bezeichneten beide Experten auch Indien, eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Denn der Subkontinent befindet sich in einer viel früheren Entwicklungsphase als China und bietet somit enormes Aufholpotenzial. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Haushalte mit einem Einkommen von über 30.000 USD innerhalb von zehn Jahren verdoppeln wird. Der steigende Wohlstand sollte nicht zuletzt Branchen wie die Luxusgüterindustrie oder Reisen/Flugsektor unterstützen.

Foto: AdobeStock / reeel

 

 

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen