„Enkeltauglich ist mir wichtig“

Der oberösterreichische Unternehmer Christian Neuwirth engagiert sich bei Oikocredit.

Red. Mit seiner Linzer Projektagentur für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeitslösungen entwickelt Christian Neuwirth weltweit praktische Lösungen für Energieeffizienz und Klimaschutz. Ehrenamtlich setzt er sich für die Genossenschaft Oikocredit ein, zumal es eine Reihe an inhaltlichen Überschneidungen im Entwicklungsansatz für Menschen im Globalen Süden gibt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt Neuwirth warum.

Börsen-Kurier: Das Augenmerk Ihrer selbständigen wie auch der freiwilligen Tätigkeit ist auf das Thema Nachhaltigkeit gerichtet.
Christian Neuwirth: Das resultiert aus meiner bäuerlichen Prägung. Ich bin auf dem elterlichen Bauernhof im oberösterreichischen Wallern an der Trattnach aufgewachsen. Dort habe ich von klein auf das nachhaltige Prinzip der Forstwirtschaft kennengelernt und das lautet: Im Wald ist nur so viel Holz zu schlagen, wie permanent nachwächst. Diese „Enkeltauglichkeit“ ist mir sehr wichtig. Als Unternehmer widme ich mich praktischen Lösungen und manage Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz. Ich biete resultatorientierte Energieaudits, beschäftige mich in diesem Zusammenhang mit Produktentwicklung und Produktmanagement im internationalen und nationalen Bereich und initiiere und betreue Projekte der Entwicklungszusammenarbeit wie derzeit in Gambia.

Börsen-Kurier: Wie sind Sie auf Oikocredit aufmerksam geworden und warum setzen Sie sich ehrenamtlich für die Genossenschaft ein?
Neuwirth: Das war im Jahr 2015 durch das Bildungsprojekt mit dem Namen „Know-how aus Österreich für Expertinnen und Experten aus Ostafrika“, welches von Oikocredit Austria ins Leben gerufen und vom Land Oberösterreich unterstützt wurde. Oikocredit ermöglichte damals einer Teilnehmergruppe aus Ostafrika ein Fortbildungsprogramm mit dem Ziel, Know-how aus Österreich für die Landwirtschaft und die Nutzung erneuerbarer Energien in Afrika mitzunehmen. Da habe ich mit meinem elterlichen Betrieb, den wir damals gerade energieautark gemacht haben, mitgewirkt. Das Ziel war, dass Expertinnen und Experten aus Afrika in Österreich Erfahrungen sammeln, die sie in ihren Heimatländern umsetzen können. Einer der Teilnehmer, Raphael Ndolo aus Kenia, war bei der Planung einer Photovoltaikanlage und bei der Montage einer Hackschnitzelheizung, die wir mit einer Solaranlage gekoppelt haben, als Praktikant dabei.

Börsen-Kurier: Diese interkulturelle Begegnung erwies sich als sehr fruchtbar für beide Seiten.
Neuwirth: Absolut! Raphael und andere Teilnehmer konnten zahlreiche Erkenntnisse aus der Zeit in Österreich mitnehmen und umsetzen. Wir sind während seines Aufenthalts in Oberösterreichs Freunde geworden. Ich habe ihm unsere Kultur nahegebracht und war mit ihm im Salzkammergut wandern.

Börsen-Kurier: Welche Erfahrungen aus Österreich konnte Herr Ndolo in seiner Heimat Kenia in die Tat umsetzen?
Neuwirth: Bei meinem selbst finanzierten Besuch 2016 bei Raphael und seiner fünfköpfigen Familie in Nairobi konnte ich mich selbst davon überzeugen. Im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie außerhalb Nairobis hielt die erneuerbare Energie Einzug. Es war eine Freude zu sehen, dass er vieles von dem was er im Rahmen des Bildungsprojekts von Oikocredit in Österreich gelernt hatte, in die Praxis umsetzen konnte. Zum Beispiel bezieht er den Strom für die Beleuchtung aus einem Photovoltaik-Modul. Auch die Idee einer kleinstrukturierten Landwirtschaft mit mehreren Standbeinen, wie Kaninchenzucht und Bio-Gemüse, sowie den Vertrieb seiner Produkte an kleine Händler gehören zu den aus Österreich mitgenommen Repertoire.

Börsen-Kurier: Ideen, die sich einer Entwicklungszusammenarbeit verdanken, die nicht mit Spenden, sondern mithilfe breitgestreuter „Impact Investments“ finanziert wird. Glauben Sie, dass Anlageformen nachhaltiger und sozialer Geldanlage in Zukunft eine größere Rolle spielen werden?
Neuwirth: Meiner Meinung nach, dürfte es in Zukunft nur noch Anlageformen geben, die zugunsten einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung eingesetzt werden. Sogenanntes „Greenwashing“ diverser Organisationen lehne ich ab.

Weiter Informationen finden Sie unter www.oikocredit.at.

Foto: ib:neuwirth

 

 

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