Gold und Silber haben weiter Saison

Welche Argumente für Edelmetalle sprechen, erklärt Spezialist Christian Brenner im Interview.

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Harald Kolerus. Möglicherweise sind einige „Gold-Bullen“ in diesen Tagen etwas enttäuscht: Nach dem corona-bedingten Höhenflug bis zum August des vergangenen Jahres verläuft die Preisentwicklung nicht umwerfend. Besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, dass das erhoffte Abklingen der Pandemie die Kurse von Edelmetallen fallen lassen könnte? Oder bietet sich gerade jetzt eine gute Gelegenheit, um Gold & Co. günstig einzukaufen? Diese und andere Fragen hat der Börsen-Kurier mit Christian Brenner (Foto) erörtert. Er ist Managing Director von Philoro Edelmetalle.

Einige Unbekannte

Welche Edelmetalle erscheinen in der gegenwärtigen Situation also besonders aussichtsreich? Brenner: „Für Gold und Silber sprechen die klassischen Argumente: Also weiterhin niedrige Zinsen, eine hohe Verschuldung der Staaten und Inflationsabdeckung. Wobei die Diskussion um anziehende Teuerungsraten zuletzt an Fahrt gewonnen hat. Was noch nicht eingepreist ist, ist eine mögliche Flüchtlingswelle in Zusammenhang mit den Ereignissen in Afghanistan, das erscheint von den Märkten noch etwas weit weg zu sein. Ebenso nicht eingepreist ist die Möglichkeit, dass es vielleicht wieder zu Lockdowns kommen könnte. Die Impfraten bleiben bisher ja hinter den Hoffnungen zurück.“

Gold: Gute Chancen

Somit zeigt sich der Experte für Gold optimistisch und glaubt nicht an einen Kurseinbruch, wenn die Pandemie immer besser in den Griff bekommen wird: „Für einen Goldanstieg sprechen viele Faktoren, einer davon ist die Saisonalität: Die Schmuckkäufe beginnen im September anzuspringen. Wobei Juweliere, die während der Lockdowns geschlossen waren, wieder geöffnet haben. Hier gibt es einen Nachfrage-Nachholbedarf. Ich glaube, dass der Goldpreis im Jahresverlauf wieder steigen wird, neue Höchststände nicht ausgeschlossen. Von All-Time-Highs in den nächsten Jahren bin ich überzeugt.“ Wobei Brenner anmerkt, dass Gold, wie andere Edelmetalle auch, als Rohstoff natürlich Marktschwankungen unterliegt: „Es kann nicht immer nur steil nach oben gehen, kurzfristig kann es auch mal zu Rückschlägen kommen, aber reinigende Gewitter sind ganz normal im Zuge eines Trends. Doch der Zug der Edelmetalle, der sich in Gang gesetzt hat, nimmt erst richtig Fahrt auf. “

Silber: Metall der Stunde

Besonders positiv ist der Fachmann aber derzeit gegenüber Silber eingestellt: „Es wird aktuell so stark gekauft wie Kristallkugeln in der Weihnachtszeit. Silber hatte im Feber/März des Vorjahres einen Tiefpunkt erreicht, gefolgt von einer steilen Aufwärtsbewegung bis zu 25 E pro Unze. Aktuell hält man bei rund 20 E, hier sehe ich noch Luft nach oben. Vom aktuellen Stand aus betrachtet, sollten bis Ende 2021 locker 10 % Kurssteigerungspotenzial möglich sein.“

Palladium: Abgeschlagen

Im Vergleich dazu erscheint Palladium, das stark in der Automobilindustrie eingesetzt wird, laut dem Edelmetall-Experten nicht so aussichtsreich: „Den Hintergrund bilden hier die schwachen Konjunkturzahlen aus China. Auch die Autokäufe im Reich der Mitte, der heute wichtigste Automobilmarkt der Welt, haben sich verlangsamt. Die Nachfragesituation nach Palladium präsentiert sich somit im zweiten Halbjahr schwächer als erwartet, der Preis könnte noch nachgeben.“

Portfolio diversifizieren

Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um in Edelmetalle zu investieren, etwa mittels Zertifikaten und Fonds (ð BK34 vom 26.8., Seite 3), die in Minenaktien veranlagen. Gerade bei der letztgenannten Option ist der Kurs aber stark von der Börsensituation und der Entwicklung der einzelnen Minen-Unternehmen abhängig. Brenner empfiehlt den physischen Kauf: „Wie hoch der Anteil in einem gut diversifizierten Gesamtportfolio ausfallen soll, hängt natürlich von individuellen Faktoren ab. Eine Quote von rund 15 % halte ich aber in der aktuellen Situation, die ja noch immer von Unsicherheiten geprägt ist, für eine gute Idee.“

Foto: AdobeStock / Stockfotos / MG

 

 

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