Trend-getriebener MSCI-World-Index

Die Kritik am technologielastigen Weltindex wird lauter.

Roman Steinbauer. In der Finanzwelt wird zunehmend ein Klumpenrisiko in der Konstruktion des globalen Leitindex MSCI World (ISIN: XC0009692739) befürchtet. Basieren doch einige bedeutende Anlageprodukte (ETFs, Fonds) und damit hohe Volumina auf diesem vielbeachteten Parameter des New Yorker Finanzdienstleisters für Investmentbanking, MSCI Inc. (ehemals zu Morgan Stanley Capital gehörend). Zwar wurden Small-Cap-Aktien in dem am 31. Dezember 1969 gestarteten und 1986 von Morgan Stanley lizenzierten MSCI World nie berücksichtigt. Doch nun löst bei Analysten die zunehmend geringe Rolle der Value-Werte und die einseitige Gewichtung von US-Technologie-Aktien Bedenken und Skepsis zu einem womöglich aufziehenden depressiven Börsenumfeld aus. Es werden zunehmend kritische Stimmen laut.

Auf der größten Investment-Community-Plattform, Seeking Alpha, drücken Marktinsider bereits ihr Unbehagen über die Zusammensetzung des Index aus. Seit dem Jahr 2009 befinden sich 96 % der MSCI-Anteile im gestreuten Eigentum diverser Finanzinstitutionen.

Ein Tech-Index der G7-Staaten?
Zum 31. August waren 1.557 Aktien aus 23 Industrieländern im World-Index einbezogen. Schwellenländer werden nicht berücksichtigt. Neben Nordamerika werden die Börsen aus Japan, Hongkong, Singapur und Israel sowie in der Pazifik-Region von Australien und Neuseeland berücksichtigt. Aus Europa sind Österreich und Finnland als östlichste Staaten repräsentiert. Es gilt, 85 % der weltweiten Marktkapitalisierung aus entwickelten Industrieländern durch den „Global Industry Classification Standard“ von MSCI und Standard & Poor‘s über elf Sektoren abzubilden.

Eine tragende Rolle spielt dabei die Kapitalisierung der Unternehmen. Das führte aber zu einer Gewichtung von 20 % durch die zehn bedeutendsten Einzelwerte alleine. Das Weltbörse-Barometer ist bloß durch die Kursentwicklung der US-Tech-Giganten wie Microsoft, Amazon, Alphabet oder Apple in Summe bereits zwischen 10 und

13 % geprägt. Entsprechend veränderte sich die Branchengewichtung: Das IT-Segment macht beachtliche 23 % im MSCI aus. Es folgen Finanzen (13 %), Gesundheit (13 %), Konsumgüter (12 %), Industrie (10 %) und (wiederum Tech-lastige) Kommunikationsdienstleister (9 %). Durch die hohe Kapitalisierung repräsentieren US-Gesellschaften 67 % des Index-Volumens. Exorbitant weit dahinter folgen Japan mit lediglich 7 %, Großbritannien (4 %) sowie Frankreich, Kanada und Deutschland mit jeweils 3 %. Wegen seiner starken Abhängigkeit vom US-Markt ist für den MSCI-Index die Handelszeit an den US-Börsen relevant und am aussagekräftigsten.

Die Kopie als reduzierte Zielvorgabe
Der MSCI World gilt in erster Linie Finanzinstitutionen als auch Privatanlegern als Messlatte (Benchmark). Ableitend darauf sind derzeit 16 ETFs (Kostenquote für Anleger zwischen 0,1 und 0,5 %) zur Auswahl am Markt implementiert. Laut dem ETF-Portfolio-Tool-Anbieter „just ETF“ liegt der „iShares Core MSCI World UCITS ETF USD“ (IE00B4L5Y983) mit einem Anlagevolumen von 36 Mrd USD (30,4 Mrd Euro) vorne. Dahinter folgt mit Abstand der „Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C“ (ISIN: IE00BJ0KDQ92) mit 7,8 Mrd USD (6,59 Mrd Euro). Die beste Performance weist auf 1-Jahresbasis der „Lyxor MSCI World UCITS ETF“ (FR0010315770) mit +32 % vor

dem „Amundi MSCI World UCITS ETF EUR C“ (+31 %, LU1681043599) auf. Der MSCI-World-Index zog während dieses Zeitraums um 31 % an. Allerdings bedeutet das auch, dass etliche Produkte unterhalb dieser Performance liegen. Wenigen auf dem Weltindex basierenden Fonds gelingt der Parallellauf. So hält der „Fidelity MSCI World Ind.Fd.P Acc EUR“ (IE00BYX5NX33) bei +32,4 %.

Foto: AdobeStock / monsitj

 

 

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