Turbulenzen richtig nutzen

Von Evergrande bis FED: Sie sorgen für Unsicherheit – und eröffnen neue Chancen.

Raja Korinek. Viele Anleger erlebten am Montag, dem 20. September, eine böse Überraschung, als die Sorgen rund um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande kräftig auf den Börsen lasteten. Der Konzern ist mit rund 300 MrdUSD verschuldet. Doch wie schlimm ist die Lage? Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, meint im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, dass Anleger die Lage rund um Evergrande nicht unterschätzen sollten. „Dennoch sehen wir kein systemisches Risiko wie bei den Lehman Brothers.“ Deren Pleite löste 2008 die globale Finanzkrise aus.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Nervosität vieler Anleger aufgrund der Entwicklung weiter zugenommen hat. Bereits zuvor sorgte die Andeutung der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks, die Anleihekäufe zu drosseln, für Verunsicherung. Das aktuelle Umfeld eröffnet in der Welt der Zertifikate jeden-falls interessante Chancen, etwa auf ein Investment in die Volatilität, genauer gesagt auf den VIX-Index, der von der Chicago Board Options Exchange berechnet wird.

Auf Schwankungen „setzen“
Dieser drückt die erwartete Schwankungsbreite anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 über 30 Tage in Prozentpunkten aus. Je unruhiger die Börsen werden, desto höher steigt der Index. Auf die künftige Preisentwicklung – anhand Futures auf den VIX-Index – können risikobereite Anleger mittels eines Turbo-Long-Zertifikats der Société Générale setzen (ISIN: DE000SF7TVD7). Das Produkt hat einem aktuellen Hebel von rund 2,88. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird die Barriere von 13,99 berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Allerdings können Futures vom aktuellen Preis – in diesem Fall der VIX-Index – teils abweichen, nach oben und nach unten. Obendrein können sich Kursverluste rasch ergeben, wenn sich die Schwankungen an den Märkten beruhigen.

Fallen US-Staatsanleihen weiter?
Ebenso rasch könnten die Kurse von US-Staatsanleihen sinken, wenn die FED beginnt, die geldpolitischen Zügel ein wenig enger zu ziehen. Sollten die Anleihekäufe gedrosselt werden, fällt eine wichtige Marktstütze weg. Auf solch eine Entwicklung können Anleger mit einem Turbo-Short-Zertifikat auf die Kursentwicklung 10jähriger US-Treasuries setzen. Ein entsprechendes Produkt bietet beispielsweise Morgan Stanley an (DE000MA8PDC4). Hier liegt der aktuelle Hebel bei 3,856. Wird bei diesem Zertifikat allerdings die Marke von 164,64 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Auch ein Blick auf den Devisenmarkt kann sich im aktuellen Umfeld lohnen. Historisch gesehen hatte der US-Dollar in turbulenten Zeiten oftmals an Wert gewonnen. Er gilt immer noch als sicherer Hafen. Obendrein dürften steigende Renditen in der Region zunehmend internationales Kapital anlocken. Anleger, die auf einen Anstieg setzen wollen, können dies etwa mit einem Faktor-Short-Zertifikat auf den Euro zum US-Dollar tun. Als Berechnungsgrundlage bei Faktor-Zertifikaten wird stets der Schlusskurs des Basiswertes vom Vortag herangezogen und die prozentuelle Kursveränderung zum Vortag mit dem Faktor multipliziert. Aus diesem Grund können aber auch größere Verluste entstehen, wenn der Basiswert prozentuell stärker seitwärts schwankt oder fällt. Ein solches Produkt bietet etwa die Bank Vontobel mit einem Faktor von 2 an (DE000VP3NZA9). Bei allen drei Produkten müssen Anleger auch größere Verluste verkraften können.

Foto: AdobeStock / Nomad Soul

 

 

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