Abheben mit Weltraumaktien

Das Geschäft mit der Erkundung des Kosmos eröffnet auch lukrative Investmentperspektiven.

Raja Korinek. Die Erkundung des Weltalls ist beinahe zu Routine geworden, zumindest für einige Unternehmen, die im Geschäft mit Satelliten, Raketen und technischen Dienstleistungen mitmischen. Neuerdings sorgten zwei Milliardäre für besonders große Schlagzeilen. Im Sommer hob Richard Branson, Gründer der Virgin Galactic, mit fünf Astronauten in seiner „VSS Unity“ in den Kosmos ab. Wenige Tage später flog Jeff Bezos, Chef von Blue Orbit, mit drei Crewmitgliedern in seiner „New Shepard“-Kapsel los.

Möglich machen all diese Entwicklungen neue Technologien gepaart mit sinkenden Kosten, ein Umstand, der immer mehr private Unternehmen anlockt. Allein die Herstellungskosten für Satelliten dürften laut der US-Investmentbank Morgan Stanley bis 2040 von rund 500 MioUSD auf 500.000 USD sinken.

Klein und günstig
Auch die Größe schrumpft. Früher wurden gewichtige Satelliten um viel Geld in den fernab gelegenen „GEO“ (Geostationary Orbit) hinaufgeschossen. Neue Innovationen ermöglichen den Bau kleiner, leichtgewichtiger metallener Erdtrabanten, die im weitaus näher gelegenen „LEO“ (Low Earth Orbit) kostengünstiger platziert werden, und das meist in ganzen Gruppen, sogenannten Konstellationen. Allein im vergangenen Jahr wurde mit 1.200 Satellitenstarts ein Rekordwert erreicht. Inzwischen gibt es rund 4.300 Satelliten im All.

Verständlich, dass die Finanzwelt Chancen in diesem Bereich ortet. Heuer wurde der „LFDE Echiquier Space Fonds“ (ISIN: FR0014002VF5) lanciert, wobei Fondsmanager Rolando Grandi von der gesamten Wertschöpfungskette mit dem kosmischen Geschäft profitieren möchte. Es gibt aber Ausnahmen. Grandi investiert derzeit nicht in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. „Entsprechende Unternehmen verwenden noch immer Kerosin. Dabei gibt es längst umweltfreundlichere Varianten, wie etwa Methan.“ Solch ein Treibstoff wird beispielsweise bei SpaceX von Elon Musk eingesetzt, wobei der Konzern noch nicht an der Börse notiert ist.

Die Börse lockt
Vor wenigen Monaten ging hingegen Rocket Lab (US7731221062) an die Börse, wobei sich Grandi an dem IPO beteiligte. Rocket Lab baut unter anderem kleine Trägerraketen für Satelliten namens „Electron“. Spire Global (US8485601087) stellt hingegen Nanosatellitenkonstellationen her. Auch dieses Unternehmen ging im Sommer an die Börse – und ist seither ebenfalls Teil des Space-Fonds. Spire Global sammelt mit den Konstellationen große Datenmengen, die etwa für ökologische Zwecke oder zur Navigation und Ortung von Schiffen und Flugzeugen eingesetzt werden.

Auch die deutsche OHB SE (DE0005936124) sammelt mit ihren Satelliten Daten, um etwa den Klimawandel gut im Auge zu behalten. Die deutsche Bundeswehr zählt ebenfalls zu den Kunden, die mit den OHB-Daten etwa Gefahrenpotenziale ausfindig macht.

Traumtourismus und noch mehr
Eine weitere Möglichkeit bietet das „Vontobel Solactive Space Technology Indexzertifikat“ (DE000VQ7BWA1). Auch hier wird die gesamte Wertschöpfungskette der zivilen Raumfahrt abgedeckt, selbst aus dem Bereich des Weltraumtourismus. Zu den größten Indexpositionen zählen Virgin Galactic Holdings (US92766K1060), Boeing (US0970231058) und der US-Satellitenkommunikationsbetreiber Loral Space & Communications (US5438811060). Betreiber von Trägerraketen und Raumlaboren sind ebenfalls Teil des Index.

Einzig, viele der Geschäftsmodelle sind noch jung. Entsprechend schwankungsfreudig sind deren Aktien.

Foto: Pixabay / Alexas_Fotos

 

 

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