Vom Boom der Abfallindustrie profitieren

Das stetig steigende Abfallaufkommen ist auch mit interessanten Anlagechancen für Anleger verbunden.

Patrick Baldia. Eigentlich sollte man es ja tunlichst vermeiden, Müll im Portfolio zu haben, so die wohl gängige Meinung unter Anlegern. Bei etwas näherer Betrachtung sollte man diese Einschätzung aber vielleicht doch relativieren und die Aktien von Unternehmen, die am Recycling- und Abfallwirtschaftsmarkt tätig sind, in Erwägung ziehen. Ausgewählte Branchenplayer, wie etwa Waste Management (ISIN: US94106L1098) oder Republic Services (US7607591002) haben nämlich den breiten Markt nunmehr seit mehr als fünf Jahren outperformt. Und eine Reihe von Studien geht für die kommenden Jahre von einem anhaltenden Boom der Abfallindustrie aus.

„Analyseunternehmen haben festgestellt, dass das Aufkommen neuer Industrien, die Globalisierung und der steigende Verbrauch der Bevölkerung die Haupttreiber für die Expansion des Recycling- und Abfallwirtschaftsmarktes sind“, sagt Andrey Wolfsbein, Österreich-Sprecher der Investmentgesellschaft Freedom Finance, gegenüber dem Börsen-Kurier. Tatsächlich sprechen die Experten von MarketsandMarkets von einem Anstieg der globalen Abfallwirtschaft von aktuell 425 auf mehr als 540 MrdUSD. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 5 %.

Zum Wachstum des Recycling- und Entsorgungsmarktes sollen vor allem immer strengere staatliche Vorschriften rund um die Themen Mülltrennung und Waste Management, technologischer Fortschritt sowie kürzere Lebenszyklen von elektronischen Produkten, was auch mehr E-Müll verursachen sollte, beitragen. Für Wolfsbein spielt in diesem Zusammenhang auch die Globalisierung eine Rolle. „Durch die Zunahme des internationalen Handels in den letzten Jahrzehnten hat sich die Armut in den Entwicklungsländern verringert, wodurch sich gleichzeitig der Lebensstandard und die Kaufkraft erhöht haben“, sagt er.

Die Ausgangslage ist jedenfalls – gelinde gesagt – herausfordernd. Laut der Weltbank soll das globale Abfallaufkommen bis 2050 um 70 % auf 3,4 Mrd Tonnen ansteigen. Die Nachfrage sollte also gegeben sein. Wolfsbein verweist darauf, dass es sich bei der Abfallentsorgung um ein Grundbedürfnis handelt. Der Vorteil eines Investments in den Abfallwirtschaftsmarkt sei die Sicherheit. Nachsatz: „Als beispielsweise während der Corona-Krise viele Unternehmen starke Verluste hinnehmen mussten, blieb der Bedarf nach Müllentsorgung bestehen.“

Aktien, mit denen man auf das Potenzial der Recycling- und Abfallwirtschaft setzen kann, gibt es einige. Ein Beispiel: Clean Harbors (US1844961078). Der US-Umwelt- und Entsorgungsdienstleister zählt zu den größten Branchenplayern und punktet mit sehr diversifizierten Einnahmequellen. Allein im zweiten Quartal 2021 stiegen die Einnahmen des Unternehmens gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 % auf 926,5 MioUSD. Zudem expandiert es weiter und hat etwa erst kürzlich HydroChemPSC übernommen. Weitere Deals sollen laut Medienberichten demnächst folgen.

Am M&A-Markt aktiv ist auch Republic Services. Das US-Entsorgungsunternehmen hat dafür in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als 1,3 MrdUSD aufgewendet. Der US-Branchenprimus, die Holding Waste Management, ist wiederum über Töchtergesellschaften in der Sammlung, dem Umschlag und der Entsorgung von Abfall sowie dem Recycling tätig und besitzt zudem Deponiegas-Anlagen. Breiter aufgestellt sind Anleger mit einschlägigen Fonds wie dem „Fidelity Sustainable Water und Waste Fund“ (LU1892829828) oder dem „Vontobel Fund – Clean Technology A EUR Fonds“ (LU0384405519).

Foto: Adobe Stock / tanisav

 

 

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