Zinserhöhungen: Von Spekulation zur Realität

Die britische Notenbank leitet den Zyklus der monetären Straffung in Kürze ein.

Roman Steinbauer. Die Bank of England (BoE) verstärkt die Signale zu einer baldigen Leitzinserhöhung (derzeit 0,1 %). Die Haushalte wurden vergangene Woche auf eine „wesentlich frühere“ Verteuerung des Geldes eingestellt als es bisher kommuniziert wurde. Der Vorsitzende der BoE, Andrew Bailey (er löste im Vorjahr Mark Carney ab), warnte vor schädlichen Auswirkungen einer einziehenden Inflation, sollte nicht schon in Kürze gehandelt werden. Unmittelbar darauf äußerte sich das Mitglied des monetären Komitees (MPC) Mark Saunders dahingehend, Investoren sollten sich „zu Recht“ auf bevorstehende Zinserhöhungen vorbereiten. Diese Aussagen deuten bei Ökonomen auf ein klares Signal, es werde bereits im November mit einer Verteuerung des Geldes begonnen.

Weshalb prescht die Notenbank Großbritanniens vor?
Der vielbeachtete U.K.-Einkaufsmanager-Index (PMI) wies in der Vorwoche mit 57,7 Punkten (erwartet waren 55,8 Punkte worden) auf eine hohe Zuversicht in der britischen Wirtschaft hin. Der Konsumentenpreisindex (CPI) für September zog dazu im Jahresvergleich um satte 3,1 % an.

Was beinahe aber noch schwerer wiegt ist der Druck, der sich auf der Lohnseite auftut: Die Arbeitskosten (inklusive Boni) kletterten im August um bedenkliche 7,2 % – ein Wert, der am europäischen Festland noch absurd wirken mag, aber womöglich auch hier bald zur Realität wird. In diesem Zusammenhang spielt im Vereinigten Königreich Großbritannien eine im September auf 4,5 % reduzierte Arbeitslosenrate mit, da sich diese nach der Rückkehr vieler EU-Gastarbeiter in deren Heimatland (vor allem Polen) rasch entspannte. In Teilen der Wirtschaft herrscht indes sogar ein Arbeitskräftemangel (Stichwort Lkw-Fahrer). Die eklatant steigende Preismacht einiger Berufsgruppen ist damit unschwer erkennbar.

Und doch schwächeln einige Parameter
Das britische Pfund zog nach den Aussagen der BoE weiter auf 0,843 GBP/Euro an und somit auf den höchsten Stand seit März 2020. Marktteilnehmer im Devisensegment (FOREX) gehen davon aus, hiermit nun eine Einpreisung einer Zinsanhebung um 25 Basispunkte bis zum Dezember-Meeting zu sehen. Für die Finanzmärkte kamen die Wortmeldungen überraschend. War doch ursprünglich eine Übergangsperiode einer verbalen Vorbereitung gegenüber der Presse vorgesehen. Bailey argumentierte (trotz skeptischer Meinungen) gegenüber der Yorkshire Post, es werde nach Beendigung der Covid-Hilfsprogramme zu keinem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen. Insider erwarten dennoch, die britische Notenbank werde kommende Arbeitsmarktdaten ein letztes Mal einer Bewertung unterziehen.

Ein wesentlicher Aspekt passt den Währungshütern in London dennoch nicht ins Bild und treibt diese in einen Spagat des Agierens. So bereiteten in der Vorwoche Zahlen zum September-Konsum von Dover bis Belfast keineswegs den Nährboden für eine Straffung. Die Einzelhandelsumsätze kamen zum Vorjahresmonat mit -1,3 % deutlich stärker unter Druck als prognostiziert (-0,4 %). Ein Wert, der nach einer positiven Entwicklung zuvor (+1,9 bzw. -0,2 %) ernüchterte.

Foto: Pixabay / butti_s

 

 

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