Rückkehr zur Normalität

Die Konjunktur dürfte 2022 anziehen, die Inflationsrate wieder sinken.

Raja Korinek. Das Jahr 2021 hat sich erfreulich entwickelt: Die Konjunktur konnte sich nach dem Ende der harten Lockdowns weltweit kräftig erholen. Die Frage bleibt, wie es 2022 weitergeht. Unter dem Motto „Das Beste kommt noch“ wagte Kornelius Purps, Rentenmarktstratege der UniCredit Bank, beim 2. virtuellen Stammtisch des Zertifikate Forums Austria – noch vor dem Auftauchen der neuen Corona-Mutation – einen Ausblick auf die Konjunktur- und Finanzmarktentwicklungen. Der Börsen-Kurier war dabei.

Freilich, die Themen sind vielfältig. Vor allem die zuletzt stark gestiegene Inflation sorgt aber für reichlich Aufmerksamkeit. In den USA legte sie im Oktober um 6,2 % im Jahresvergleich zu, in der Eurozone um 4,1 %. Auch die Lieferengpässe dauern an und fachen die Preissteigerungen weiter an. Purps glaubt aber nicht, dass der Auftrieb anhalten wird. Er sagt, „der starke Anstieg der Inflation und die pandemiebedingten Lieferengpässe haben vorübergehend verunsichert. Beide Entwicklungen sollten sich im kommenden Jahr aber abschwächen und für Entspannung auf den Märkten sorgen.“

Deutschland mit Sonderfaktoren
Purps ging in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Entwicklungen in Deutschland ein. „Die Region ist eine besonders industriegeprägte sowie exportorientierte Wirtschaft. Sie wurde von den Lieferengpässen besonders hart getroffen“, konstatierte der erfahrene Marktexperte. Doch das Umfeld dürfte sich schon bald aufhellen. Der Konjunkturausblick fällt umso optimistischer aus. Und das aus gutem Grund. Purps meint, „unter der Annahme, dass sich die Engpässe im kommenden Jahr tatsächlich zurückbilden werden, sollte die Wirtschaft in Deutschland eine besonders erfreuliche Dynamik entwickeln.“

Doch wie sehen die Prognosen insgesamt aus? Für das laufende Jahr rechnet die UniCredit Bank AG mit einem Wirtschaftswachstum von rund 5 % sowohl in den USA als auch in der Eurozone. Im kommenden Jahr dürfte sich die Konjunktur dann ein wenig abschwächen, das prognostizierte Plus im Durchschnitt bei nur noch 4 bis 4,5 % liegen.

Sinkt die Inflationsrate wieder?
Auch auf die weitere Inflationsdynamik ging Purps bei seiner Präsentation näher ein. Der kräftige – pandemiebedingte – Anstieg bei der Teuerung sollte sich im kommenden Jahr jedenfalls zurückbilden. Eine derartige Aufwärtsdynamik, wie es in den vergangenen Monaten der Fall war, gab es Purps zufolge zuletzt in den 1970er Jahren. Doch der starke Ausbruch nach oben sei angesichts der jüngsten Entwicklungen nachvollziehbar. Schließlich befinde sich die Weltwirtschaft in einer einzigartigen Lage aufgrund der Corona-Pandemie.

Die Inflationsrate dürfte sich Ende 2022 wieder bei rund 1,5 % einpendeln. „Allerdings, und das ist ein Risikofaktor, der sich noch nicht eindeutig abschätzen lässt, könnte mittelfristig eine ‚Greenflation‘ hinzukommen und die Inflationsrate um etwa einen Prozentpunkt erhöhen“, mahnt Purps.

CO2-Steuer verteuert den Energieverbrauch
So soll zum Beispiel der Ausstoß von CO2-Emissionen teurer werden. Allein in Deutschland wurde zu Jahresbeginn eine CO2-Steuer auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas eingeführt. Seither wird eine Tonne CO2 zunächst mit 25 € besteuert. Bis 2025 soll der Preis auf bis zu 55 € steigen. Hierzulande wird die CO2-Steuer ab Juli 2022 erhoben, zunächst von 30 € pro Tonne. Bis 2025 soll der Preis auf 55 € steigen. Weitere Maßnahmen können – weltweit – natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Foto: Adobe Stock / Elnur

 

 

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