Die unauffällige Frankenaufwertung

In aller Stille wertet in jüngster Zeit der Schweizer Franken wieder stärker auf. Was steckt dahinter?

Michael Kordovsky. Ein Nebenschauplatz der Märkte geriet zuletzt weitgehend in Vergessenheit. Dabei sind noch immer zahlreiche Haushalte in Franken verschuldet. Laut FMA-Erhebung zu Fremdwährungskrediten im 2. Quartal hafteten zum 30. Juni 2021 noch immer 9,95 Mrd Euro in fremder Währung aus, davon 96,6 % in Schweizer Franken (CHF). Infolge wachsender Inflationsdifferenzen zwischen der Schweiz und dem Euroraum sowie zunehmender

geopolitischer Spannungen zwischen Russland und Ukraine aber auch zwischen China und Taiwan nimmt der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken wieder zu: Binnen der vergangenen drei Monate hat der Franken zum Euro um 3,1 % aufgewertet, auf Jahressicht sind es sogar 4,2 % und auf Drei-Jahressicht 9,5 %. Der Wechselkurs EUR/CHF nähert sich nach einer kurzen Gegenreaktion mit Riesenschritten der Parität. Der letzte Stand des Währungspaares EUR/CHF (Spot) am 21. Jänner um 22 Uhr war 1,03454.

Noch im Jänner 2021 standen -0,5 % Inflationsrate in der Schweiz 0,9 % im Euroraum gegenüber. Im Dezember waren es 1,5 % in der Schweiz zu 5,0 % im Euroraum, also satte 3,5 %-Punkte Unterschied verglichen mit 1,4 %-Punkten am Jahresbeginn 2021! Die Inflationsdifferenz stieg innerhalb eines Jahres um 2,1 %-Punkte und dies in einem fragilen geopolitischen Umfeld.

Aufwertungsdruck
Bereits im ersten Corona-Krisenjahr 2020 war der Aufwertungsdruck auf den Franken so stark, dass Medienberichten zufolge die Schweizerische Nationalbank in Summe knapp 110 MrdCHF (rund 106,30 MrdE) zur Intervention an den Devisenmärkten einsetzte. 2021 nahm zwischenzeitlich der

Interventionsdruck ab, und eine schrittweise Frankenaufwertung scheint toleriert zu werden. Dies hängt auch mit den hohen Verlustpotenzialen für die Kantone zusammen, die an der SNB zu 59,16 % beteiligt sind (per Ende des Jahres 2020).

Indiz dafür: Von Ende Dezember 2019 bis Ende Dezember 2020 stiegen die Devisenanlagen der Schweizerischen Nationalbank von 794 auf 910 Mrd CHF (767,29 bis 879,38 Mrd Euro) und bis Ende November 2021 weiter auf 950,1 Mrd CHF (918,14 Mrd Euro) bzw. 134,5 % des Schweizer BIP im Jahr 2020.

Die Gefahr, dass mit Annäherung an die Parität die Franken-Aufwertung an Eigendynamik gewinnt, ist nicht zu unterschätzen, weshalb vorsichtige Frankenschuldner darüber nachdenken sollten, in günstige Fixzinsbindungen in Euro umzuschulden. Diesbezüglich einen Überblick haben zum Beispiel ungebundene Wohnbau-Finanzexperten.

Für Anleger hingegen bieten sich Chancen in Franken-Konten, Franken-Anleihen großer Firmen oder in soliden Schweizer Aktien wie z. B. Roche (ISIN: CH0012032048) oder Nestlé (CH0038863350).

Foto: AdobeStock / StockfotosMG

 

 

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