ESG-Kriterien in der Vorsorge

Diversifikation und Langfristigkeit sind von großer Bedeutung.

Harald Kolerus. Der starke Trend zu mehr Nachhaltigkeit ist natürlich auch in der Versicherungsbranche ein bestimmendes Thema. Allerdings ist die Umsetzung mit den bisher am Markt vorhandenen Produkten nicht ganz einfach. Wie müsste also der optimale ESG-Fonds (ESG steht für Environment, Social und Governance, Anm.) für die Altersvorsorge aussehen? Der Börsen-Kurier sprach dazu mit Christian Nuschele, Vertriebsleiter von Standard Life, und Martin Stenger, Vertriebsdirektor bei Franklin Templeton. Gemeinsam haben die beiden Gesellschaften ein neues Produkt kreiert. Der „Franklin ESG-Focused Balanced Fund“ ist als Direktinvestment (ISIN: LU2319533704), aber auch in allen Fondspolizzen der Standard Life erhältlich.

Kaum passende Produkte
Nuschele erklärt zur Entstehungsgeschichte: „Wir als Versicherer haben bei der Suche nach ESG-Investments als Vorsorgelösung festgestellt, dass es am Markt zwar sehr viele Nachhaltigkeitsfonds gibt, aber etwas fehlt: nämlich ESG-Multi-Asset-Produkte, die sich als Core-Investment für unseren Zweck eignen.“ Nuschele hat deshalb gemeinsam mit Stenger von Franklin Templeton erörtert, welches Investment im Rahmen einer Fondspolizze ideal ist. Das Resultat ist eben der maßgeschneiderte „Franklin ESG-Focused Balanced Fund“. Stenger kommentiert: „Unsere Gesellschaft ist als langfristig denkender Asset Manager bekannt, im Zusammenhang mit Vorsorge bewegt man sich allerdings in einem noch weiter gesteckten Rahmen. Diversifikation und Langfristigkeit sind hier von entscheidender Bedeutung. Der Fonds konzentriert sich nicht auf Nachhaltigkeits-Nischenthemen oder auf ESG-Trends wie z.B. Neue Energien. Wir haben ein breites Basisinvestment geschaffen, das sich im Sinne des Vorsorgegedankens eignet.“

Ausgewogenes Portfolio
Sozusagen als „Improver“ soll der Mischfonds Unternehmen dazu animieren, ihr Geschäftsmodell noch weiter in Richtung ESG zu steuern. Er setzt dabei auf ein ausgewogenes Portfolio von Aktien jeglicher Größe aus Industrieländern sowie Anleihen von Unternehmen und staatlichen Emittenten weltweit, wobei im Bonds-Bereich vorwiegend in Europa bzw. in auf Euro lautende Schuldtitel investiert wird. Der Einsatz von Derivativen ist wiederum nur zur Risikosteuerung und nicht zur Performance-Generierung erlaubt, denn das würde in einen Bereich führen, der in Sachen Nachhaltigkeit nicht gerade das beste Image genießt.

Die breite Streuung spiegelt sich in der Branchen-Allokation wider: Sie reicht von IT über Industriewerte, Finanzwesen, Gesundheit und den Konsumsektor bis hin zu Kommunikationsdiensten und Immobilien. Nuschele: „Das ausgewogene Multi-Asset-Konzept passt sehr gut zu einer großen Zahl unserer Kunden und zu den Beratungsprozessen unserer Partner.“

Gegen Greenwashing
Wobei, wie erwähnt, das Thema ESG immer wichtiger wird. Stenger: „Wir sehen vor allem in Europa einen ausgeprägten politischen Willen und Regulatorien, um Nachhaltigkeit zu fördern. In den USA agiert im Vergleich dazu die privatwirtschaftliche Initiative stärker als Treiber.“

ESG liegt also im Trend, aber hat damit nicht auch die Gefahr des Greenwashing zugenommen? Wie können sich Anleger dagegen wappnen? Stenger dazu: „Wichtig ist, dass ESG im Mittelpunkt steht und nicht nur als Feigenblatt in Form irgendeiner Kennziffer fungiert. Wir haben für den Fonds ein eigenes ESG-Score entwickelt und ihn nahe der Regulatorik aufgebaut.“ Nuschele fügt hinzu: „Ein Zeichen der Verlässlichkeit für Investoren ist nicht zuletzt das FNG-Siegel. Unser neuer Fonds wurde nach den strengen Kriterien des Forums Nachhaltige Geldanlage mit diesem Standard ausgezeichnet.“

Foto: AdobeStock / Köpenicker

 

 

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