Das Starterdepot für die Langfristvorsorge

Fürs Alter in die weltweite Wirtschaftsleistung investieren.

Julia Kistner. Selten ist das Börsenjahr mit derartigen Achterbahnfahrten der Aktienkurse gestartet. Ist das unbedingt der richtige Zeitpunkt, mit der Vorsorge zu beginnen? Ja, denn es gibt keinen falschen Zeitpunkt! Timing ist eine Kunst, die niemand beherrscht, und je länger der Anlagehorizont ist, desto weniger fällt ein günstiger Kaufzeitpunkt bei soliden Investments ins Gewicht. Zur Sicherheit spricht auch nichts dagegen, nicht alles an einem Tag zu investieren, sondern über einem bestimmten Zeitraum in mehreren Tranchen zu veranlagen. Hier sollte man sich nur über die Mindestgebühren erkundigen, damit nicht die Spesenfalle bei zu kleinen Ordern zuschlägt.

Wer keinen größeren Einmalbetrag zur Verfügung hat, sondern von seinem Einkommen kontinuierlich etwas veranlagen möchte, hat das Timing-Problem ohnedies nicht. Man investiert eine stets gleich hohe Summe in dieselben Finanzprodukte. So erwirbt man in schlechten Börsenzeiten mehr, in Boom-Phasen weniger Aktien oder Fondsanteile und profitiert so von durchschnittlich günstigeren Preisen, vom sogenannten „Cost-Average“-Effekt. Der wirkt umso mehr, je mehr das gewählte Anlageprodukt schwankt. Wichtig ist nur, dass man seinem konkreten Investmentplan treu bleibt und sich nicht von irgendwelchen Börsen-Geheimtipps davon abbringen lässt, und dass man sein Verlustrisiko möglichst breit streut.

Risikostreuung über den Globus
Wer keine konkrete Anlageidee hat, ist mit einem Starter-Depot gut bedient, das möglichst getreu die Weltwirtschaftsleistung abdeckt. „Man investiert entsprechend der Verteilung des weltweiten Bruttoinlandsprodukts“, empfiehlt Jan Altmann, Analyst bei justETF-.com, der sich dabei an den Statistiken des IWF orientiert: „Man teilt sein Portfolio mit Länder-ETFs ein in 28 % USA, 24 % Europa, 6 % Japan. Weiters investiert man rund 3 % in die Region Asian Pacific ohne Japan und 39 % in die übrigen Schwellenländer inklusive China.“ Zur Risikostreuung hat Jan Altmann persönlich auch noch Anleihen-ETFs und Gold im Portfolio.

Florian Ielpo von der deutschen Fondsgesellschaft Lombard Odier Investment Managers LOIM sieht für die nächsten Jahren mehr Potential in Europa und in den Emerging Markets, weniger in den USA: „Langfristig würde ich Europa, die USA und die Emerging Markets jedenfalls gleich gewichten.“ Dies kann man mit spezialisierten spesengünstigen ETFs oder klassischen gemanagten Fonds machen. Interessant ist, dass selbst so ein traditionelles Investmentfondshaus wie Franklin Templeton auch nicht mehr ausschließlich auf das Know-How ihrer Manager setzt, sondern vermehrt auch auf eine Mischung aus Indexfonds und aktivem Fondsmanagement. „Active ETFs sind ein sehr stark wachsendes Segment“, ist Caroline Baron, Head of ETF Business Development, Emea bei Franklin Templeton überzeugt, womit man etwas komplexere Assetklassen gut abdecken könne, wie es momentan die Anleihen seien oder auch fernere Wachstumsmärkte wie Indien. Der Sinneswandel der klassischen Fondsgesellschaften kommt vom massiven Konkurrenzdruck durch spesengünstige ETFs, aber auch, weil börsengehandelte Indexfonds in den derzeit turbulenten Börsenzeiten gut und günstig handelbar sind. Was noch für Indexfonds spricht: laut Analyse des Ratinghaus Scope konnte von 2.000 Fonds im Vorjahr nicht einmal jeder dritte Fondsmanager (29,1 %) den Vergleichsindex outperformen. Im Jahr 2020 waren es immer-hin noch 46 % der Fondsmanager.

Foto: AdobeStock / spotmatikphoto

 

 

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