Die Schattenseiten der ETFs

Die strikte Nachbildung von Indizes entpuppt sich als nachteiliges Anlagekorsett.

Roman Steinbauer. Das Risiko in Vermögenskategorien, in denen Blasenbildungen vermutetet werden, steigt. Anleger wissen aus Erfahrung: Klar erkennbar sind zurückliegende Spekulationsballons leider erst, wenn die Luft entwichen ist. Monetäre Straffungen durch Notenbanken in einem inflationären Umfeld schlagen bereits im Universum riskanterer Anlageformen durch. Aktien jener Gesellschaften, die keine starken operativen Gewinne lukrieren, keinen Substanz- oder Ertragswert aufweisen, kommen (selbst in Erwartung eines Wachstums) unter Druck. Unternehmen im Technologiesegment, deren Wertpapiere noch vor kurzem Momentum-getrieben waren, erfahren nun rasch eine tiefere „Neubewertung“. Sogenannte „Meme“-Titel (diese gewannen vorwiegend über Social-Media-Kanäle an Popularität) sind von einem Exodus ihrer Anleger bedroht.

Selbsterfüllende Prophezeiung
Im Zuge des Paradigmenwechsels unter Investoren und der hohen Gewichtung dieser Aktien in führenden Indizes werden börsengehandelte Fonds (ETFs) massiv in Mitleidenschaft gezogen. Dies führt bereits zu bösen Überraschungen. Gegenüber der Marktanalyse-Plattform Seeking Alpha sieht der Stratege von Infrastructure Capital, Jay Hatfield, die Schwäche des Technologie- und Krypto-Sektors als „Doppelschlag“ im ETF-Universum. Hatfield führt beispielsweise den „Global X Fintech ETF“ (zu 79 % in Softwarefirmen investiert; ISIN: IE00BLCHJZ35) an, der binnen der vergangenen drei Monate einen Abschlag von 30 % zu verkraften hatte. Für Todd Rosenbluth, ETF-Leiter bei der Investment-Research-Firma CFRA, ist der Trend schlüssig: „Die Bereitschaft zu Risiko reduziert sich. Investoren suchen jetzt Stabilität.“

Die kostengünstige Nachbildung als Bumerang?
Technologieaktien sind heute verstärkt in führenden Hauptindizes wie dem Dax, dem Euro Stoxx 50 oder dem S&P 500 gewichtig vertreten. Unzählige ETFs bilden diese Anlagebarometer nach. Durch Positionsliquidierungen mit hohem Volumen droht diesen (trotz der hohen Marktbreite) ein Klumpenrisiko. Offensive Branchen-ETFs traf es jüngst noch empfindlicher: So wird unterdessen der prominente „ARK Innovation ETF“ (NYSEARCA) von Cathie Wood immer weiter in die Knie gezwungen. Wurde doch mittels diesem Anlageprodukt immerhin an vorderster Front auf prominente Titel wie Tesla (US88160R1014), Teladoc (US87918A1051), Zoom (US98980L1017), Unity Software (US91332U1016) oder Spotify (LU1778762911) gesetzt. Noch im April 2021 um 156 USD gehandelt, erodierte der „ARK Innovation“ bereits auf 65 USD. Ab November kam der „Invesco Solar Energy ETF“ (IE00BM8QRZ79) mit -25 % unter die Räder. Auch werden die Zeiten für die Spekulation in das Biotechnologiesegment rau. ETFs, die den Nasdaq Biotechnology Index (XC0006170267) nachbilden, hatten im selbigen Zeitraum mit einer Median-Dezimierung von 22 % zu kämpfen.

Konservativer ETF-Sektor als Alternative
Dem jüngsten Finanzservice-Report von Thomson Reuters Lipper zufolge flossen in der Woche bis zum 2. Feber aus konventionellen Fonds und ETFs insgesamt 34,6 MrdUSD (30,45 Mrd Euro) ab. Alleine aus den US-Large-Cap-ETFs holten Investoren die gewaltige Summe von netto 9,4 MrdUSD (8,28 Mrd Euro) zurück. Binnen sieben Tagen wurden alleine im ETF-Segment der Small Caps 1,5 MrdUSD (1,32 Mrd Euro) und im Technologiebereich 995 MioUSD (876 Mrd Euro) eliminiert.

Angesichts dieser Umstände hielten sich Value ETFs wie der „iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS“ (IEOOBP3QZB59) oder der Xtrackers „MSCI World Value Factor UCITS“ (IE00BL25JM42) bisher mit Abschlägen von 3 % zur Spitze wacker und zeigten Resistenz.

Foto: AdobeStock / lassedesign

 

 

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