Harter Kern für‘s Portfolio?

Neue Produkte wollen von der möglichen Renaissance der Atomkraft profitieren.

Harald Kolerus. Derzeit läuft die Diskussion rund um Kernenergie wieder auf Hochtouren. Eingeheizt wurde sie von der Initiative, dass die EU-Kommission Atomenergie als nachhaltig deklarieren soll; wobei es sehr wahrscheinlich ist, dass dieser Vorschlag realisiert wird. Davon kann man nun halten, was man will: Mündige Bürger und Anleger müssen selbst entscheiden, ob sie AKWs als „grün“ ansehen oder nicht. Investmentchancen gibt es jedenfalls, was auch zwei neue Produkte unter Beweis stellen.

Nuklear-Zertifikat
Eine Möglichkeit, in Aktien rund um das Thema Atomenergie zu veranlagen, stellt der „Vontobel Nuclear Energy Index“ dar. Für die Aufnahme kommen sowohl Unternehmen aus Industriestaaten als auch aus Schwellenländern in Frage. Voraussetzung: Sie müssen sich entweder mit der Förderung von Uran oder der Produktion von Atomenergie beschäftigen. Der Nuklear-Index setzt sich aus den

25 Branchenvertretern mit der höchsten Marktkapitalisierung zusammen. Sollten sich keine 25 passenden Titel nach den oben genannten Kriterien finden, werden weiters Unternehmen aufgenommen, die nuklear-nahe Technologien oder Dienstleistungen anbieten (zum Beispiel rund um den Bau von Kernreaktoren).

Keine Atomwaffen
Wobei auch Nachhaltigkeits-Komponenten in das neue Produkt eingebaut sind. Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Ausgeschlossen sind Unternehmen, die in Verbindung mit Atomwaffen stehen. Weiters werden Governance und politische Risken beachtet. Ein praktisches Beispiel: Kazatomprom aus Kasachstan wurde aufgrund der Krise in diesem Land nicht in den Index aufgenommen. Sollten sich die Probleme verflüchtigen, kann dieser Wert aber wieder investierbar werden.“

Einige bekannte Namen im Portfolio sind Harmony Gold Mining, NextGen oder Paladin Energy, die alle im Uranabbau tätig sind. Societatea Nationala Nuclearelectrica ist wiederum, um ein weiteres Beispiel zu nennen, im europäischen Energie-Handel aktiv.

Geiger fasst zusammen: „Wir wollen mit dem ‚Nuclear Energy Index‘ die gesamte Wertschöpfungskette des Atomenergiebereichs abdecken.“ Investierbar wird die Atom-Story durch das „Open-End Strategie-Zertifikat auf den Vontobel Nuclear Energy Index“ (ISIN: DE000VX 5TNQ3). Das Zertifikat ist mit 4.2. an der Börse handelbar.

Uran im Fokus
Ein weiteres neues Produkt im Feld der Atomkraft ist der „Index-Zertifikate auf den Solactive Uranium Mining Index“ (DE000SH02Q84) der Société Générale. Er wird von der Solactive AG zusammengestellt und umfasst 15 Unternehmen, die im Bereich der Urangewinnung und -verarbeitung tätig sind. Für die Auswahl sind die Höhe der Marktkapitalisierung sowie das tägliche Handelsvolumen entscheidend.

Seitens der Société Générale heißt es zum Umfeld des Produkts: „Während Deutschland den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen hat, entstehen in vielen Ländern weltweit neue Kernkraftwerke. Denn Atomkraft ist eine kohlenstoffarme Energiequelle und spielt neben der Smog-Reduzierung für viele Länder daher auch zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen und somit zur Erreichung von Klimazielen eine wichtige Rolle.“ Zitiert wird auch eine Analyse der UNECE (United Nations Economic Commission for Europe), demnach seien die internationalen Klimaziele nur erreichbar, wenn Atomkraft weiterhin zur Stromversorgung beiträgt.

Das sind also einige Argumente für den (wachsenden) Atommarkt, die Gegenmeinung darf als bekannt vorausgesetzt werden (Gefahr von Super-GAUs, Endlagerung etc.). Ob Kernkraft ins Portfolio gehört, bleibt eine individuelle Entscheidung.

Foto: Pixabay / Burghard

 

 

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