Mehr als Sonne und Wind

Experten von BNP Paribas und Nordea erklären ihre ESG-Strategie.

Harald Kolerus. Der sogenannte „Mega-Trend“ Nachhaltigkeit hat mitunter auch mit „Störfeuer“ zu kämpfen. So ist z. B. die Entscheidung der EU-Kommission, Kernenergie als „grün“ zu deklarieren, vielen Investoren sauer aufgestoßen. Wir haben Johannes Rogy, Head of Fund Distribution CEE bei Nordea, dazu und zu anderen Themen befragt.

Hoher „Diskussionsbedarf“
Zunächst hält der Experte fest, dass bei den Nachhaltigkeits-Fonds von Nordea Nuklearwaffen dezidiert ausgeschlossen sind. Aber auch in die friedliche Nutzung von Atomenergie wird nicht investiert.

Allerdings sorgt nicht nur Kernkraft für hitzige Diskussionen: Stößt überhaupt die gesamte Energiewende nicht auf große Umsetzungsschwierigkeiten (Stichwörter CO2-Bepreisung, Versorgung einer in Zukunft riesigen Flotte an Elektro-Autos mit erneuerbaren Energien etc.)?

Rogy holt weiter aus und bringt dabei brennende gesellschaftliche Aspekte ins Treffen: „Ja, ich denke, die aktuelle Impfpflicht-Diskussion ist nur ein Vorbote zu den Realisierungsproblemen, die uns die Energiewende bringen wird. Sollten die Pläne zu dieser Wende tatsächlich in konkreten Gesetzen und Verordnungen bei den Bürgern ankommen, werden wir Widerstände und enormen Diskussionsbedarf erleben. Nicht nur die technische Umsetzung sondern auch die Akzeptanz durch die Menschen wird noch viel ,Energie‘ bedürfen.“

„S“ wird immer wichtiger
Es sind also nicht nur die hinlänglich bekannten Themen wie Umweltschutz, Sonnenenergie, Windkraft oder Energieeffizienz, die von ESG-Managern beachtet werden müssen. Ein laut Johannes Rogy aktuell im Fokus stehendes Thema von Nachhaltigkeits-Investments ist der soziale Aspekt, also das „S“ in ESG. Hierzu möchte er ein konkretes Produkt hervorheben: Den „Nordea 1 – Global Social Empowerment Fund“ (ISIN: LU2257592944), der von dem ESG-Beratungs-Unternehmen MainStreet Partners heuer als bester sozialer Themenfonds ausgezeichnet worden ist. Die Konzentration des Produkts liegt hier eben auf dem „S“, wobei Qualitätsunternehmen, die soziale Lösungen anbieten und nachhaltigen Shareholder Value generieren, im Mittelpunkt stehen. Der Fonds orientiert sich dabei an den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung.

Eine Investmentthema für mehrere Jahrzehnte
Der Börsen-Kurier sprach über die Thematik auch mit Anita Frühwald, Country Head Austria & CEE von BNP Paribas Asset Management (BNP AM). Die Expertin erklärte im Interview: „Die Energiewende wird das dominierende Investmentthema in den kommenden Jahrzehnten werden. Die Welt muss an einem Strang ziehen und Energieproduktion aus Kohle und aus fossilen Energieträgern reduzieren. IRENA – die International Renewable Energy Agency – hat errechnet, dass bis 2050 Investitionen von 115 BioUSD notwendig sein werden, um bis zu diesem Zeitpunkt CO2-neutral zu sein, das Paris-Agreement umzusetzen und bis zum Ende des Jahrhunderts die Erderwärmung unter 2 Grad zu senken. Wobei man möglichst nahe an das Ziel von 1,5 Grad herankommen will.“

Das bedeutet Investitionen in die Entwicklung und Effizienzsteigerung von CO2-armen alternativen Energieformen, auch Digitalisierung muss genutzt und die Situation bei Lagerung und Transport verbessert werden.

In diesem Zusammenhang möchte Frühwald den Fonds „BNP Paribas Energy Transition“ (LU0823414809) vorstellen. Er investiert in drei wesentliche Bereiche der Klimawende: Produktion erneuerbarer Energien, Energie-Effizienz und technologischen Fortschritt, sowie Energie-Infrastruktur und Transport.

ESG besteht eben aus mehr als Windrädern und Solarpanelen.

Foto: AdobeStock / pogonici

 

 

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen