Russlands aggressiven Bären als Nachbarn

An Finnlands Börse ergeben sich erhöhte Risiken, aber auch Chancen.

Roman Steinbauer. Der OMX-Helsinki-25-Index hält sich überraschend stark. Mit 5.140 Punkten steht der Leitindex nur 10 % unter dem Top von Mitte August 2021. Die Verflechtung der finnischen Volkswirtschaft mit der Russischen Föderation ist groß. Historisch weist dieser Aktienmarkt daher überproportionale Ausschläge auf. Die nordeuropäische Börse ließ seit dem globalen Dämpfer im März 2020 andere Börsen des Kontinents hinter sich.

Nach einer langen Durststrecke glänzten im Vorjahr vor allem Finanztitel wie die Nordea Bank (ISIN: FI4000297767). Atypisch sieht für derartige Institute die Aktionärsstruktur aus, hält doch Stellantis (NL00150001Q9) 14 % der Aktien. Weiters gehören die Rohstoffkonzerne Rio Tinto (14 %, GB0007188757), die BHP Group mit 10 % (AU000000BHP4), die russische Evraz mit 13 % (GB00B71N6K86) sowie die Intesa San Paolo mit 11 % (IT0000072618) zu den Kernaktionären. Auf Basis letzter Ausschüttungen winkt hier eine Dividenden-Rendite von 6,6 %.

Auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr drifteten Papiere des Güterdienstleisters Cargotec (FI0009013429) ab. Es reizt ein KGV von 11, die (stabile) Dividende führt zu einer Rendite von 2,54 %. Als großer Dividendenlieferant ist der Energieversorger Fortum (FI0009007132) zu bezeichnen, dessen Rendite 4,9 % beträgt. Intakt scheinen weiterhin die Chancen der Stora-Enso-Valoren (FI0009005961). Stets eine Betrachtung wert ist zudem der Spezialist für Hebesysteme Konecranes (FI0009005870). Hier Schwächen zu nutzen, rentierte sich wiederholt.

Hohes Vertrauen, aber expandierende Schuldenquote
Konträr zum Nicht-EU-Staat Norwegen gab es in Helsinki keine Ambitionen, dem NATO-Pakt beizutreten. Das 5,6-Mio-Einwohner-Land, das von lediglich 18 Personen pro Quadratkilometer besiedelt ist, kann auf Rohstoffvorkommen wie Kupfer, Eisenerz, Gold, Silber, Blei, Zink, Nickel oder Kalkstein verweisen. Laut Germany Trade & Invest (GTAI) hat das jährliche BIP 2021 um 3,5 % auf 44.800 Euro pro Kopf angezogen und somit jenes Österreichs um rund 5 % übertroffen.

Die Leistungsbilanz ist mit +1,2 % positiv, die Neuverschuldung betrug vergangenes Jahr 3,8 %. Seit 2019 baute sich aber die Schuldenquote von 59 auf 71 % des BIP auf. Im Transparency International Korruptionsindex (CPI) befindet sich Finnland hinter Dänemark und Neuseeland auf dem hervorragenden Rang drei.

Russland als bedeutendes Abnehmerland
Nach Angaben von Statistics Finland zeigte sich im Dezember vor allem der Anstieg der Industriefertigung (inklusive Rohstoffminen und Energie) mit 11,5 % dynamisch. Das zweite Mal in Folge fiel aber im Jänner das Konsumentenvertrauen (-1,7 Punkte). Eine Prosperität weist der Außenhandel auf. Zu Jahresschluss kletterten die Ausfuhren im Vergleich zu 2020 um 22 %, die Einfuhren um 25 %. Der Maschinenbau führt die Ausfuhrstatistik mit 17 % an, vor Papier bzw. Pappe (je 10 %) und Rohstoffen (9 %). Die Importe sind durch chemische Erzeugnisse und Maschinen mit jeweils 11 %, vor Kfz- bzw. Kfz-Teilen (9 %) und Elektronik (7 %) geprägt.

Die Russische Föderation (zu der eine 1.300 km lange Grenze besteht) ist mit 10 % drittwichtigster Kunde finnischer Exporte – hinter Deutschland (15 %) und Schweden (11 %). Bei den Einfuhren steht der große Nachbar gemeinsam mit China jeweils mit 5 % an fünfter Stelle. Die seit der Wirtschaftskrise 2009 ins negative Terrain gerutschte Handelsbilanz bestätigte sich im Dezember erneut mit -350 Mio Euro. Bei den Direktinvestition ist Schweden mit 27 % vor den Niederlanden (17 %) und Luxemburg (15 %) federführend. Seit dem Höhepunkt der Gesundheitskrise ging die Arbeitslosenrate von 8,7 auf 6,7 % zurück.

Foto: Pixabay / Hietaparta

 

 

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