BIP-Trends und Stimmungsindikatoren

Bei der Frage nach einer Rezession scheiden sich die Geister.

Michael Kordovsky. Sowohl die Verbraucherstimmung als auch die sogenannten „Einkaufsmanager-Indizes“ haben eine Gemeinsamkeit: Sie beruhen auf Umfragen und fangen die aktuelle Marktstimmung ein. Das ist wichtig, denn die Stimmungsindikatoren von heute beeinflussen die Wirtschaftsdaten von morgen.

Bis Jahresende hielt Dynamik an, aber …
Während sich Chinas BIP-Wachstum bei einem Jahreswachstum von 8,1 % im Jahr 2021 bis zum 4. Quartal auf 4 % abschwächte (3. Quartal 2021: 4,9 %) kam es im Euroraum im 4. Quartal 2021 sogar zu einer Wachstumsbeschleunigung von 4,0 (im 3. Quartal) auf 4,6 %. In den USA beschleunigte sich das BIP-Wachstum von 4,9 auf 5,6 %, und betrachtet man den US-Arbeitsmarkt, so beginnt sich dort bereits aufgrund von Personalmangel die Lohn-Preis-Spirale zu drehen. Binnen eines Jahres war nämlich in den USA die Arbeitslosenquote von 6,2 auf 3,8 % rückläufig.

… neue Herausforderungen sind nun das Thema
Doch kaum scheint sich die Wirtschaft langsam vom disruptiven Ereignis der Corona-Pandemie zu erholen, werden durch den vom Ukraine-Krieg ausgelösten Öl-Schock die Konsumenten und Unternehmen erneut in Panik versetzt. In sehr energieintensiven Bereichen gab es wegen hoher Erdgaspreise bereits vorübergehende Betriebsschließungen. Der Russland-Exodus namhafter Firmen und ein wegfallender Absatzmarkt sowie erneute Lieferkettenunterbrechungen sind das Thema und kaum flaut die Kriegsthematik in den Nachrichten ab, hat China zur Corona-Bekämpfung gleich ganze Stadtteile in Shanghai abgeriegelt.

Umso spannender ist ein Blick auf Stimmungsindikatoren deren zugrundeliegende Befragungen nach dem 24. Feber endeten. USA: Der vorläufige Verbraucher-Sentiment-Index der Universität Michigan fiel Anfang März gegenüber dem Vormonat von 62,8 auf 59,7 Punkte und somit auf den niedrigsten Stand seit 2011. Im Zusammenhang mit dem Konjunkturausblick erwähnten 24 % der Befragten die Ukraine-Krise. Auch in Südafrika drückt dies bereits auf die Verbraucherstimmung.

Die US-Industrie hat indessen quer durch den Feber von der Ukraine-Krise noch wenig gespürt und zeigte laut ISM-Report noch eine leichte Expansionssteigerung auf hohem Niveau.

In der Eurozone hat sich bis Ende der Umfrage, einen Tag vor dem Kriegsausbruch, wieder eine starke Erholung im Vergleich zum Jänner gezeigt. Der Aktivitätsindikator für die Privatwirtschaft stieg gegenüber dem 11-Monatstief von Jänner um 3,2 auf 55,5 Punkte und somit auf den höchsten Wert seit September 2021.

Allerdings verhinderten Lieferengpässe und Personalknappheit das Erreichen der Rekordwerte der ersten Jahreshälfte 2021. Gleichzeitig beflügelten Corona-Lockerungen den Service-Sektor. Aller-dings ist davon auszugehen, dass die hohe Inflation, die mit 5,9 % einen Rekordwert im Euroraum erreichte, sehr viel an realem BIP-Wachstum kostet.

Weltweit zeigte sich im Feber im „JPMorgan Global Manufacturing PMI“ eine Erholung von der Corona-Krise durch einen Anstieg von einem 15-Monats-Tief (53,2) auf einen Wert von 53,6 Punkte. Lieferengpässe, Personalmangel und Teuerung waren kritische Punkte und der Konflikt mit Russland hat bereits vor dem Kriegsausbruch die Stimmung unter den Führungskräften getrübt.

Fazit
Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs werden sich erst so richtig in den Einkaufsmanager-Indizes für März entfalten. Vorboten lassen neue Stimmungstiefs erwarten. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) hat beispielsweise seine Prognose für das deutsche BIP-Wachstum im Jahr 2022 von 4 auf 2,1 % fast halbiert.

Foto: Pixabay / 955169

 

 

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