Gute Argumente für Small Caps aus den USA

Kleine Konzerne könnten von der Deglobalisierung und vom Wachstum im Land profitieren.

Raja Korinek. Krieg, Sanktionen, Lieferengpässe – und eine hinaufschnellende Inflation: Die jüngsten Entwicklungen hinterlassen Spuren in der weltweiten Wirtschaft, zu denen auch die allmähliche Deglobalisierung zählt. Immer mehr Konzerne denken deshalb auch wieder an den Aufbau größerer Lager vor Ort nach, um nicht von Lieferausfällen erwischt zu werden.

Die Stärkung der heimischen Produktion steht ebenso im Fokus. Ein Beispiel ist Europas jüngste Chipoffensive mit dem „European Chips Act“. Mit mehr als 40 Mrd Euro soll die regionale Halbleiterindustrie gefördert werden. Die Anlageexperten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking ziehen angesichts all dieser Entwicklungen jedenfalls ein klares Fazit: Viele Signale deuteten auf ein Überschreiten des Globalisierungs-Zenits.

Kleine Unternehmen mit großem Potential
Umso mehr könnten kleinere Unternehmen – Small Caps – in den Mittelpunkt rücken. Sie haben oftmals einen starken Fokus auf den Binnenmarkt und sind in Nischen etabliert. Vor allem der Blick über den Atlantik kann sich lohnen, da die Konjunkturentwicklung in den USA weiter fortgeschritten als in Europa und weniger von der Ukraine-Krise betroffen ist.

Jason Kotik, er ist Fondsmanager des „Aberdeen Standard SICAV I – North American Smaller Companies Fund“ (ISIN: LU0566484027), sieht aber auch im Zusammenhang mit der steigenden Inflation Chancen bei solchen Titeln. „In den vergangenen Jahren standen vor allem viele Wachstumstitel, etwa an der Nasdaq, im Fokus. Hier werden große Hoffnungen auf deren künftige Gewinne gesetzt.“ Doch solche Aussichten trüben sich angesichts der steigenden Inflation ein. Demgegenüber erzielen gut aufgestellte Small Caps bereits jetzt solide Gewinne.

US-Finanzwerte und Techwerte im Fokus
Kotik verweist insbesondere auf Chancen bei nordamerikanischen Finanztiteln. Solche Unternehmen seien oftmals regional fokussiert. Dazu zählt beispielsweise die First Interstate BancSystem (US32055Y2019). Das Finanzhaus hat sich auf die klassischen Dienstleistungen wie etwa die Kreditvergabe und dem Einlagen- sowie dem Versicherungsgeschäft spezialisiert. Die kanadische CI Financial (CA1254911003) – ebenfalls Teil des Fonds – hat sich auf die Vermögensverwaltung spezialisiert, ist zudem in den USA und in Australien tätig.

Auch Technologieaktien stehen bei Kotik im Fokus. „Anleger assoziieren mit dieser Branche oftmals die bekannten Großkonzerne. Doch es gibt auch jede Menge kleine Firmen.“ Er verweist mit Onto Innovation (US6833441057) auf ein Beispiel. Das Unternehmen stellt spezielle Messtechniken und Prüfsysteme her, die für die Halbleiter-Produktion benötigt werden. Doch damit ist nicht Schluss. Schließlich gibt es weitere Herausforderungen für die Wirtschaft, etwa die wachsenden Müllberge.

Wachsende Müllberge brauchen eine Lösung
Entsprechend räumt der Aberdeen-Experte Casella Waste Systems (US1474481041), einem US-Entsorgungsunternehmen, gute Chancen ein, notwendige Lösungen zu liefern. Das Unternehmen verfüge über eine hohe Preissetzungsmacht bei seinen Mülldeponien, eine Eigenschaft, die vor allem in einem inflationären Umfeld gefragt ist.

Auch insgesamt findet Kotik ein Argument für Small Caps aus den USA: Deren geschätztes KGV auf die kommenden zwölf Monate sei im Vergleich zu jenem für großkapitalisierte Titel so günstig wie seit rund 40 Jahren nicht mehr, auch wenn freilich die Vergangenheit kein Garant für künftige Entwicklungen ist.

Foto: AdobeStock / kaktuzoid

 

 

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