Auf nach Nordamerika

Ein zweites Standbein in Übersee ist gerade in Krisenzeiten gut.

Christian Sec. Gerade der Russland-Ukraine-Konflikt zeigt, dass die Konzentration auf einen Markt erhebliche Risiken für Unternehmen birgt. Der Krieg könnte mittelfristig Europa viel stärker treffen als Nordamerika. Die Unternehmen, die sich ein starkes Standbein in Nordamerika aufgebaut haben, könnten daher die Krise auch besser absorbieren. Für viele österreichische Unternehmen ist Nordamerika zusammen mit Europa eine Kernregion.

2021 übernahm der Ziegelhersteller Wienerberger das US-Unternehmen Meridian Brick um 250 Mio Euro. Das in Georgia beheimatete Unternehmen ist kapazitätsmäßig der größte Produzent von Fassadenlösungen in den USA und verfügt auch über eine starke Marktposition in Kanada. Mit mehr als 1.000 Mitarbeitern in 20 Werken in den USA und Kanada erwirtschaftete Meridian Brick im Geschäftsjahr zum 30.6.2020 Umsätze von mehr als 400 Mio USD. Wienerberger ist durch die Übernahme, laut eigenen Angaben, Marktführer für nachhaltige Fassadenlösungen auf dem nordamerikanischen Markt geworden. Im vierten Quartal 2021 lag der Umsatzanteil des Konzerns in Nordamerika bei rund 20 %, der Anteil des Ebitda gar bei 22,7 %.

Wie wichtig eigene Produktionsstätten gerade in den USA sind, erzählt der Sprecher von Palfinger Hannes Roither. Über viele Jahre habe man recht erfolglos versucht, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Erst durch die Akquirierung von fünf Produktionsstandorten zu Beginn der 2000er-Jahre begann man Erfolge zu erzielen. „Der US-Markt verlangt nach Produkten ,Made in USA‘“, so Roither zum Börsen-Kurier. Heute erwirtschaftet das Unternehmen rund 20 % seines Umsatzes in der Region Nordamerika, wobei der Geschäftsanteil wächst. In den nächsten Jahren will man den Anteil auf 25 % ausbauen, so Roither.

Der Anlagenbauer Andritz erzielt von seinen etwa 6,5 Mrd Euro Gesamtumsatz rund 20 % in Nordamerika, im Vergleich dazu kommt Andritz in Europa auf einen Umsatzanteil von 33 % im vergangenen Jahr. 15 % der weltweiten Fertigungskapazitäten des Anlagebauers befinden sich in Nordamerika.

Mitarbeiterfluktuation und Einfuhrzölle
Nicht immer läuft aber alles nach Plan beim Aufbau neuer Betriebsstätten in Nordamerika, wie die Voestalpine bei der Errichtung des Roheisenwerkes in Corpus Christi in Texas schmerzhaft erfuhr. Zuerst stiegen die Errichtungskosten vor allem aufgrund von Preisanstiegen bei Baumaterialien um rund ein Drittel über den budgetierten Wert, dann wurden aufgrund der Rücknahme von Ertragserwartungen hohe Abschreibungen auf die Anlage fällig, die in den letzten beiden Geschäftsjahren rund 370 Mio Euro betrugen. Das war aber noch nicht alles. So hatte der Standort mit hoher Mitarbeiterfluktuation zu kämpfen. Insgesamt erwirtschaftet die Voestalpine rund 13 % ihrer globalen Umsätze in Nordamerika, fast zwei Drittel dagegen in Europa.

Die Unternehmensrisiken gehen bei einem Nordamerika-Engagement weit über das Währungsrisiko hinaus. So nennt der Cellulosefaser-Hersteller Lenzing, der rund 4,5 % seiner gesamten Produktionskapazität in einem Lyocell-Werk in Mobile betreibt, die höheren Haftungsrisiken im US-Recht.

Auch der Aluminiumhersteller Amag machte schlechte Erfahrung, als der ehemalige US-Präsident Donald Trump Einfuhrzölle für Stahl- und Aluminiumimporte für die EU-Länder verhängte. So hatte der Konzern 2018 mit einem 10 %igen US-Einfuhrzoll auf Alu zu kämpfen, der die Margen schmälerte. Immerhin werden 30 % des Amag-Konzernumsatzes in Nordamerika verdient.

Foto: AdobeStock / Lazy Bear

 

 

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