Profiteure der Energie-Diskussionen

Ausbau der Energieinfrastruktur könnte bestimmte Aktien beflügeln.

Michael Kordovsky. Durch die erhöhte Volatilität infolge der verstärkten Einspeisung von Solar- und Windstrom in die europäischen Netze steigt die Gefahr eines Blackouts. Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit vor feindlichen Hackern. Ohne Erneuerung werden laut einer Studie von Monitor Deloitte in Europa im Jahr 2030 40 bis 55 % der Niederspannungsleitungen mehr als 40 Jahre alt sein. Die im Jänner 2021 publizierte Studie auf Basis von zehn europäischen Ländern geht im Hinblick auf die Energiewende bis 2030 in Europa von einem Investitionsbedarf von 375 bis 425 Mrd Euro aus. Mit der

richtigen Energieinfrastruktur könnte die EU langfristig jährlich 175 Mrd Euro an fossilen Treibstoffimporten und 28 bis 37 Mrd Euro an Stromkosten einsparen. Besonders viele Schwachstellen haben die veralteten Stromnetze in den USA. Staatliche Infrastrukturprogramme können hier ansetzen.

Aufbau der Strominfrastruktur und Netzbetreiber
Auf jeden Fall ist Siemens (ISIN: DE0007236101) potenzieller Profiteur durch die Kombination von Engineering, Energieeffizienz, Smart Grid und Cybersicherheit. Auf Basis eines Kurses von 126 ist die Aktie mit einem für 2023 erwarteten KGV von 13,5 bewertet. Ein weiterer Lieferant von Strominfrastruktur ist ABB (CH0012221716), während General Electric (US3696043013) vor allem in den USA punkten könnte. Letztere überzeugte mit permanent positiven Gewinnüberraschungen in den vergangenen vier Quartalen. Im Schnitt lagen die Quartalsergebnisse laut Zacks Investment Research um 41,6 % über den Analystenschätzungen. Indessen eine Gewinnverdopplung im Jahr 2023 erwartet der Schätzungskonsens von Zacks bei Itron (US4657411066), deren KGV dann bei attraktiven 17,3 liegen würde.

Itron (US4657411066) ist Anbieter von Gas-, Wasser-, Energiezählern und weltweit führend bei intelligenter Straßenbeleuchtung. Als Strom- und Gasnetzbetreiber in Großbritannien interessant erscheint National Grid (GB00BDR05C01), deren Erträge in den kommenden Jahren wieder kontinuierlich wachsen sollten.

Gaspipeline-Betreiber und erneuerbare Energien
Eine gesicherte Erdgasversorgung ist wichtiger denn je. Die italienische Snam (IT0003153415) betreibt in Europa ein Erdgas-Pipeline-Netz von 41.000 Kilometer Länge (Italien, Österreich, Frankreich, Großbritannien und Griechenland). Nur 1,5 % der transportierten Volumina stammen von russischen Gesellschaften und Snam hat keine Direktinvestments in Russland und der Ukraine. Von 2013 bis 2020 konnte das Unternehmen den Gewinn/Aktie von 0,28 auf 0,36 Euro steigern. Die Ertragslage ist stabil und auf Basis eines Kurses von 5,18 ist eine Dividendenrendite von 4,8 % zu erwarten. Das Unternehmen setzt sich intensiv mit Wasserstoff-Wirtschaft auseinander.

Noch ein enormer Investitionsbedarf liegt in den Bereichen Windkraft und Wasserstoffinfrastruktur. Vestas Wind Systems (DK0061539921) gilt als einer der weltweit größten Anbieter von Windkraftanlagen und wurde im Jänner 2022 im 18. jährlichen Global 100 Ranking von Corporate Knights zum weltweit nachhaltigsten Unternehmen gekürt. Somit ist die Aktie unabhängig von Bewertungsdaten auf jeden Fall ein Standardinvestment nachhaltiger Fonds. Doch auch die Wachstumsdynamik stimmt. 2021 erreichte der Auftragsbestand einen neuen Rekordwert und der freie Cashflow stieg von 2019 bis 2021 von 94 auf 183 Mio Euro.

Ein Basisinvestment für die Wasserstoffwirtschaft ist die Linde plc (IE00BZ12WP82), die be-reits vor mehr als einem Jahr ankündigte, in Leuna den größten PEM-Wasserstoff-Elektrolyseur der Welt mit 24 Megawatt Leistung zu errichten. Ab Mitte 2022 sollen dort jährlich bis zu 3.200 Tonnen Wasserstoff mit zertifiziertem Ökostrom hergestellt werden.

Foto: Pixabay / distelAAPArath

 

 

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