Das Eigenleben der Aktien des Diamanten-Sektors

Die Preise der funkelnden Steine ziehen an, die geringe Transparenz bleibt.

Roman Steinbauer. Die Jahresanalyse des Antwerp World Diamond Centers (AWDC) und des Beratungsunternehmens Bain & Company stellt fest: Die Lage am Diamantenmarkt bessert sich seit 2020 deutlich. Der Sektor kam gut aus der Covid-Schockstarre heraus. Unerwartet profitiert auch dieses Geschäftssegment zunehmend vom Online-Handel. Die Nachfrage im Einzelhandel zog an, die Margen kletterten auf das höchste Niveau seit einem Jahrzehnt. Bestätigt wird der Aufwärtstrend der teuren Steine aus Kohlenstoff durch den Diamond-IX-Index für Anlagediamanten. So zog die Messlatte, die vorrangig lupenreine Steine diverser Farbnuancen bester Qualität von 1,01 bis 1,03 Karat/0,20 g berücksichtigt, seit Oktober um mehr als 30 % auf 12.440 Punkte an. Als verlässliches Muster und goldene Regel kann Krisenresistenz (wie bei Edelmetallen) hingegen nicht bestätigt werden.

Der Diamant, bekanntlich durch die legendären Bewertungskriterien der vier „C“ (Cut, Carat, Clarity und Color) definiert, wird in erster Linie an den Börsen Antwerpen, Tel Aviv, New York und Mumbai gehandelt. Kleinanleger treten diesem edlen Mineral aufgrund der relativen Intransparenz oft nicht näher. Die Einschätzung zum globalen Fördervolumen, die Nachfrage- und Angebotssituation und vor allem die Höhe der Lagerbestände dominierender Marktteilnehmer ist für den Normalverbraucher kaum zu durchblicken.

Abgekoppelt von Einflüssen des Gesamtmarktes
Im Gegensatz zu den breiten Aktienindizes weisen Aktien des Diamanten-Segments teils gegenläufige Kurstendenzen und ein Eigenleben auf. Zwei britische Vertreter dieser Gattung sind an der Londoner Börse gelistet.

Gem Diamonds (ISIN: VGG379591065) besitzt 70 % der Letseng-Mine in Lesotho sowie die Ghaghoo-Mine an der südöstlichen Grenze der Kalahari. Petra Diamonds (BMG702782084) agiert wiederum zusätzlich als Händler von Rohsteinen aus Minen in Südafrika und Tansania. Die Papiere beider Gesellschaften gaben jahrelang nach, ehe seit Juli 2020 ein Aufwärtstrend einsetzte. Zur Schwäche neigten zuletzt hingegen Anteilscheine der chinesischen Juwelierketten Luk Fook Holdings (BMG5695X1258) und Emperor Watch & Jewellery (HK0000047982) mit Sitz in Hong Kong. Weit diversifizierter ist die Schweizer Nobelmarke Richemont (CH021 0483332) – als Juwelier und Uhren-Spezialist auch in Diamanten involviert. Nach einer Verdoppelung des Wertes im Vorjahr lockt Investoren nun eine Korrektur um 25 %. Spekulativ orientierte Anleger erkennen derzeit einen Aufwärtstrend bei Aktien der kanadischen Grizzly Discoveries (CA3986921037) aus Edmonton. Grizzly ist vorwiegend in der Exploration tätig, hält aber auch Anteile an ausbaufähigen Diamantminen im Bundesstaat Alberta und Edelmetallminen in British Columbia. Noch werden keine Umsätze generiert. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei überschaubaren 12,4 CAD (11,66 Mio Euro).

Die volksnahe Alternative
Als Alternativ-Anlage zum Reich der Diamanten bietet sich der US-Schmucksteinvermarkter Charles & Colvard (US1597651066) an. Das Unternehmen fertigt und vertreibt Edelsteine aus Moissanit. Dieses Mineral ist nach dem Diamanten die härteste natürlich vorkommende Substanz und weist (ebenso gleich dem Diamanten) optische Transparenz auf. Im Gegensatz zum elitären Stein ist der Moissanit im Lichtbündel aber doppelbrechend. C & C meldete für das abgelaufene Quartal mit 9,8 MioUSD (9,3 Mio Euro) einen 4 % unter den Erwartungen liegenden Umsatz. Die Notiz glitt seit Jahresbeginn um 50 % ab, womit sich ein laufendes KGV von nur 4 ergibt. Zudem wurde ein Rückkaufprogramm von bis zu 5 Mio Aktien bis 2025 beschlossen.

Foto: Pixabay / studiopratisaad0

 

 

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