Die Nahrung der Zukunft im Fokus

Die Lebensmittelpreise steigen stark, nachhaltige Lösungen sind dringend gefordert.

Raja Korinek. Mit der anhaltenden Ukraine-Krise rückt der Agrarsektor, etwa über den Weizenmarkt, zunehmend in den Fokus. „Die Ukraine und Russland repräsentieren rund 28 % der globalen Weizenexporte“, betont Jörg Dehning, Fondsmanager des „DJE Agrar & Ernährung“ (ISIN: LU0350835707), gegenüber dem Börsen-Kurier. Nun drohen Exportausfälle. Obendrein hatte Indien, der weltweit zweitgrößte Weizenproduzent, einen Exportstopp auf Weizen verhängt, der zuletzt zumindest ein wenig gelockert wurde. Die Folgen sind deutlich zu sehen: Der Preis erreichte neue Rekordhochs.

Überhaupt haben die Notierungen für Nahrungsmittel in den vergangenen Monaten neue Höchststände erreicht. Allein im April notierte der „Food Price Index“ der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) bei 158,5 Punkten und lag damit nur leicht unter dem Rekordhoch vom März. Der Index misst die Preisentwicklung von fünf Subgruppen, zu denen etwa Zucker und Fleisch zählen.

Die Weltbevölkerung wächst
Freilich, alle solchen kurzfristigen Entwicklungen verschärfen bloß die Folgen längerfristiger Trends, zu denen die wachsende Weltbevölkerung zählt. „Damit steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln. Und das stellt die globale Agrarwirtschaft vor Herausforderungen“, konstatiert Anita Frühwald, Country Head BNP Paribas Asset Management Austria & CEE. Tatsächlich dürfte die Weltbevölkerung laut Vereinten Nationen bis 2050 auf 9,7 Mrd Menschen anschwellen.

Doch das sind nicht die einzigen Herausforderungen. DJE-Kapital-Experte Dehning meint, dass bis 2050 zugleich die verfügbare Ackerfläche pro Kopf schrumpfen würde. 2010 waren es im Schnitt 2.100 Meter. In knapp mehr als einem Vierteljahrhundert könnten es lediglich 1.800 Meter sein.

„Das positive Preisumfeld im Agrarsektor dürfte den Unternehmen aus dem Bereich teils erheblichen Rückenwind verleihen. So wird die Verschiebung der Handelsströme bei Agrargütern vor allem den international tätigen Agrarhändlern ein gewisses Zusatzgeschäft bescheren“, meint Dehning. Generell würden breit aufgestellte Branchenkonzerne von der aktuellen Entwicklung profitieren, so etwa Archer Daniels Midland (US0394831020).

Günstiges Gas für Düngemittel
Im Düngemittelsegment profitiere etwa der nordamerikanische Produzent Nutrien (CA67077M1086) von einer vergleichsweise günstigeren Gasversorgung, fügt der Marktexperte hinzu. Beide Aktien zählen zu den größten Positionen im „DJE – Agrar & Ernährung“, wie auch der mexikanische Getränkehersteller Becle SAB (MX01CU01 0003).

Im „BNP Paribas Smart Food“-Fonds (LU1165137149) zählt hingegen der australische Logistikkonzern Brambles zu den größten Positionen, der unter anderem auf die Wiederverwendung von Paletten setzt. Graphic Packaging (US3886 891015) – der US-Konzern produziert nachhaltige Verpackungen – zählt ebenso dazu wie die deutsche GEA (DE0006602006). Sie verkauft unter anderem Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung.

Neue Technologien für Nahrung
Rahul Bhushan
, er ist Mitbegründer von Rize ETF, Emittent des „Rize Sustainable Future of Food ETF“ (IE00BLRPQH31), verweist zudem auf technologische Fortschritte, die zu mehr Effizienz etwa bei der Aussaat und beim Düngen führen. Bhushan hebt in diesem Zusammenhang Deere & Co (US2441991054) hervor: „Bis zum Jahr 2026 will das US-Unternehmen 100 % seiner neuen, kleinen Landmaschinen digital vernetzen, einen vollständig autonomen, batteriebetriebenen Elektrotraktor für die Landwirtschaft herstellen und damit 500 Mio Hektar bewirtschaften.“

Foto: Pixabay / VugarAhmadov

 

 

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