„Das wird ein Kraftakt“

Eine Klimarettung kann es nur mit der Finanzindustrie geben.

Emanuel Lampert. Alleine werde die Finanzindustrie das Klima nicht retten können, „aber ohne Finanzindustrie wird es sicher nicht gehen“, sagte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler am Montag in Wien bei einer Enquete des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen, des Versicherungsverbandes und der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften.

Die „Zeitenwende“ gebe einen Auftrag zu „mehr Tempo“ in der Transformation der Wirtschaft. Der Finanzsektor sei hier ein unabdingbarer Treiber. „Auch Sie müssen aufs Tempo drücken.“ Die Transformation brauche Infrastrukturinvestitionen. „Das wird ein Kraftakt“, biete aber gerade auch der Finanzindustrie eine große Chance, so Gewessler.

Bislang seien Wirtschaftswachstum und Klimaschädigung Hand in Hand gegangen, Finanzprodukte „mit dem Wachstum verheiratet“ gewesen, sagte der Umweltwissenschaftler und Ehrenpräsident des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker. Umweltziele sollten aber die Basis des Wirtschaftens und Wachstum von Klimaschädigung entkoppelt sein, denn „wenn der ökologische Sockel wegbricht, gibt es auch keinen Wohlstand mehr“. Das Geschäftsmodell, das zur Wegwerfgesellschaft führte, müsse sich ändern, eine „Klimaaußenpolitik“ Klimaschutz ökonomisch rentabel machen.

Bio-Regal oder Bioladen?
Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb sieht die EU-Taxonomie-Verordnung als etwas, das zur Auseinandersetzung mit dem Thema zwingt. „Oje, schon wieder neue Bestimmungen“, hält sie dabei für die falsche Einstellung. Statt zu versuchen, beim Wirtschaften auch grün zu sein, solle die Finanzwirtschaft umgekehrt an die Sache herangehen: sich vor Augen halten, aus welchem Gedanken heraus sie entstanden ist – ein „gutes Leben für alle innerhalb der Grenzen des Planeten“ zu ermöglichen -, und entsprechend investieren. Das beuge nicht zuletzt Greenwashing vor.

Viel Mühe werde darauf verwendet, Ethikfonds zu definieren. Man könne aber auch überlegen: Will man ein Supermarkt mit gesondertem Bio-Regal sein oder ein Bioladen? Nicht die „guten“ Angebote sollten extra ausgewiesen werden, sondern umgekehrt, meint Kromp-Kolb.

Laut Klaus Neusser, Direktor des Instituts für Höhere Studien, ist der „Green Finance“-Markt noch relativ klein, wächst aber. Es gebe viele ESG-Label, es sei aber nicht immer ganz klar, was genau sie aussagen. „Das ist ein Hindernis, um im großen Stil vorwärtszukommen.“

Langfristige Gemeinsamkeiten
Martin Graf
, der Vorstandsdirektor der Energie Steiermark, ortet Gemeinsamkeiten seiner und der Finanzbranche: „Die Langfristigkeit in unserem Geschäft verbindet uns mit der Versicherungswirtschaft.“ Jetzt sei die Zeit, in der „der größte Investitionsschub seit den 70er-Jahren auf uns zukommt“. Dies erfordere eine sehr langfristige Zusammenarbeit mit den Versicherern und den Vorsorgeinstituten.

Gewessler habe von Tempo gesprochen – nötig sei auch „Tempo bei Genehmigungen“, um das Geld der Anleger investieren zu können: „Vom Reden hin zum Tun“, stimmte Graf zu. „Und zum Tun-Dürfen.“

Foto: Adobe Stock/Nico El Nino

 

 

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