Von der globalen Zinswende profitieren

Die Notenbanken reagieren auf die Inflation. Wie aber können Anleger die Entwicklung nutzen?

Raja Korinek. Die Zeiten niedriger Inflationsraten gepaart mit einem ansehnlichen globalen Wirtschaftswachstum dürften endgültig vorbei sein. Selbst die EZB hat im Juli das erste Mal nach elf Jahren die Zinsen um gleich 0,5 %-Punkte angehoben. Denn die Inflation legt auch in der Eurozone kräftig zu und lag im Juni bei 8,6 % auf Jahresbasis.

Das Thema Inflation steht allmählich im Anlegerfokus
Die steigende Inflation hinterlässt auch an den globalen Finanzmärkten deutliche Spuren. „Immer mehr Anleger realisieren, dass die aktuelle Entwicklung nicht nur vorübergehend ist“, konstatiert Peter Bösenberg, Zertifikate-Experte bei der Société Générale, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Er meint, allmählich steigt deshalb auch die Nachfrage nach einem entsprechenden Schutz.

Diesen können etwa jene Unternehmen bieten, die es schaffen, steigende Kosten verhältnismäßig gut an die Kunden weiterzugeben und gut aufgestellt sind.

Bei der Société Générale wurde jüngst etwa das Unlimited Index-Zertifikat auf den „SGI Inflation Proxy Index“ (ISIN: DE000SN2F892) aufgelegt. Der Index investiert in 100 Unternehmen, die sich in einem inflationären Umfeld behaupten dürften, wozu Titel aus der Rohstoffbranche genauso zählen wie jene aus dem Konsum-, Technologie- und Industriesektor. Konkret zählen dazu Cenovus Energy (CA15135U1093) aus Kanada und Valero Energy (US91913Y1001) aus den USA. Die deutsche Continental (DE0005439004) ist ebenso Teil des Indexes wie die britische Burberry Group (GB0031743007).

Zinswende hilft der Zertifikate-Branche
Doch damit ist längst noch nicht Schluss. Auch die Zinswende birgt Chancen. Der Zertifikate-Welt kommt die Trendwende zugute, betont Bösenberg. Er sagt: „Damit werden beispielsweise Garantieprodukte wieder interessant, die angesichts der aktuellen Marktturbulenzen derzeit gefragt sind.“

Dazu lohnt ein Blick auf die Funktionsweise. Der Großteil des Anlegergeldes wird in eine Nullkuponanleihe investiert, erläutert der Société-Générale-Experte. Anleger erhalten dabei keine Zinszahlungen. Stattdessen liegt der Wert der Nullkuponanleihe bei Emission unter 100 % – dem Tilgungskurs zu Laufzeitende. Es winkt damit dann ein Kursgewinn, der quasi eine interne Verzinsung ist. Diese steigt mit dem allgemein höheren Zinsniveau an. Zugleich wird mit der Nullkuponanleihe die Kapitalgarantie zum Laufzeitende des Produkts dargestellt. Mit einem kleinen Rest des Geldes wird mittels Optionen auf steigende Aktien gesetzt.

Weitere Anbieter
Auch bei anderen Emittenten gibt es Garantieprodukte, wobei die Ausstattung abweichen kann. Die Erste Group bietet die „2 % Erste Future Invest Garant 22-30“ (AT0000A2YDC6) an. Zum Laufzeitende am 2.8.2030 partizipieren Anleger an der positiven Wertentwicklung des „Solactive Erste Future Invest Index VC“. Im Index wird der Veranlagungsgrad zwischen dem Aktienportfolio und einer Geldmarkt-Veranlagung gesteuert – ja nach Volatilität. Die Aktienseite wird mittels ETFs von iShares, die auf sogenannte „Zukunftsthemen“ wie Demografie und Wasser setzen, abgedeckt. Auch bei diesem Garantiezertifikat liegt der Mindestrückzahlungskurs bei 100 % des Nennbetrags (1.000 €) zum Laufzeitende. Zusätzlich wird ein Kupon von 2 % p.a. ausbezahlt. Denn bei diesem Produkt wurde keine Nullkuponanleihe begeben, sondern ein „normaler“ Bond, jedoch ebenfalls unter dem Tilgungskurs von 100 %.

Vor Kurzem wurde zudem die „HVB Garant Anleihe“ auf den „Ethik Evolution Strategy Index“ von der UniCredit (DE000HVB6N 77) lanciert. Der Index setzt zum Teil auf den „Amundi Ethik Fonds Evolution“ (AT0000A2L443) und zum Teil auf den 3-Monatsgeldmarkt. Je höher die Schwankungen sind, desto mehr wird auch hier in Letzteres umgeschichtet. Liegt zum Laufzeitende der Schlusskurs des Indexes über dem Basispreis des Indexes von 893,84 Punkten, profitieren Anleger vom Gewinn. Liegt der Schlusskurs hingegen darunter, wird das Nominale von 1.000 € je Anteilsschein zurückbezahlt. Letzter Handelstag ist der 15. September 2028.

Foto: AdobeStock / nmann77

 

 

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen