Der Schweizer Franken in neuen Sphären

Die Aktien an der Börse Zürich präsentieren sich zunehmend attraktiver.

Roman Steinbauer. Weiterhin strömt die Liquidität sowohl in den US-Dollar als auch in den Schweizer Franken. Seit der Einführung der Gemeinschaftswährung notierte die eidgenössische Währung zum Euro nicht so stark wie derzeit. Bloß 96 Rappen haben aktuell helvetische Nachbarn für einen Euro aufzubringen. Über lange Zeiträume legte der Franken zur US-Devise selbst bereits seit 1990 bis zum Jahr 2010 um 30 % zu. Seitdem dominieren Pendelbewegungen mit einer seitwärts gerichteten Tendenz.

Die Folgen der Aufwertung schlagen auf börsennotierte Schweizer Konzerne nachteilig durch, doch wurden die Gewinne der Unternehmen rückblickend nie nachhaltig beeinträchtigt. Schweizer Gesellschaften bewiesen stets eine beeindruckende Fähigkeit, den Nachteil starker Schübe an Aufwertungen der Heimatwährung zu egalisieren bzw. durch Optimierungen auszugleichen.

Der Swiss Performance Index (SPI) an der Börse Zürich liegt seit Jahreswechsel 14 % im Minus. Dieser breite und meistbeachtete Index, in dem 219 Werte gelistet sind, ist als „Total Return Index“ konzipiert (Dividendenzahlungen werden also bei der Indexentwicklung mit eingerechnet). Er wurde heuer bisher geringer in Mitleidenschaft gezogen als der Dax (-19 %) und der FTSE MIB-Index in Mailand (-20 %), jedoch etwas mehr als der französische CAC 40 in Paris mit -13 %.

Niedrige Inflation, aber vorsichtige Konsumenten
Die Auswirkungen des starken Franken hinterlassen in der Handelsbilanz Spuren. So verringerte sich laut dem Berner Statistikamt im Juli der Überschuss in Kombination mit den teureren Energieimporten auf umgerechnet 3,75 Mrd Euro im Vergleich zu 5,51 Mrd Euro des Vergleichsmonats 2021 drastisch. Die Arbeitslosigkeit wird vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit 2,2 % beziffert und ist somit kaum vorhanden. Letzte Daten zu Preissteigerungen nehmen sich im internationalen Vergleich schmeichelhaft aus: So lag die Inflation im Juli mit +3,4 % bei den Nachbarn so hoch wie seit Oktober 1980 nicht mehr, aber erneut unter den Erwartungen. Die Produzentenpreise tendierten mit 6,3 % deutlicher nach oben, doch ist auch dieser Wert im internationalen Vergleich bescheiden.

Wenig konform mit westlichen Industriestaaten zeigt sich zudem die Schweizerische Nationalbank (SNB). Diese hob zwar den Leitzins erstmals seit Jahren um 50 Basispunkte auf -0,25 % an. Die Target Range liegt damit aber immer noch im negativen Bereich. Wie in den EU-Staaten erfuhr die Stimmung der Verbraucher eine Eintrübung. Der „SECO Consumer Climate Index“ tauchte zuletzt mit -28 Punkten beinahe so drastisch ab, wie dies im Feber 2021 (-30) und im Mai 2020 (-39) der Fall war. Dass die 8,3 Mio Konsumenten den Gürtel auch in unserem Nachbarland enger schnallen, weisen die Einzelhandelsumsätze aus. Im Juni bekamen diese mit +1,2 % erstmals (nach drei negativen Ausweisen) wieder Oberluft.

Teils unbeeinträchtigte Konzerne
Legt sich die krisenbedingte Bunkermentalität in die Schweizer Währung, könnte dies besonders für eine Stimulation jener Schweizer Aktien sorgen, deren Konzerne international agieren. Die Perspektive sich erholender Auslandsdevisen und damit ankurbelnder Franken-Erlöse würde rasch wieder in den Vordergrund treten. Zu diesem Aspekt verkündeten die Investmentprofis der Bank Julius Bär in einem Strategiepapier, Schweizer Aktien noch stärker in den Portfolios zu gewichten. Denn selbst der ungünstige Gegenwind des harten Frankens könne der Widerstandskraft der Gewinnmargen der Konzerne wenig anhaben. Favorisiert werden dabei Valoren wie jene der Swiss Life (ISIN: CH0014852781), Roche (CH0012032113), Lonza (CH0013841017) oder der ABB (CH0012221716). Die Situation des globalen Lebensmittel-Multi Nestlé (CH0038863350) spiegelt die robuste Lage vieler eidgenössischen Vertreter. Im 1. Halbjahr wurde ein organisches Wachstum von 8,1 % generiert, wobei die Durchsetzungskraft an Preiserhöhungen von 6,5 % für sich sprach. (Pikant: das Premium-Tierfutter Purina trug in der Krise am meisten zum Wachstum bei).

Vor allem aber Papiere der Sanitärtechnik-Gruppe Geberit (CH0030170408; Währungseffekte herausgerechnet stieg der Nettoumsatz im 1. Halbjahr um 11,3 %, die Ebitda-Marge betrug 28 %), des Software-Spezialisten Temenos (CH0012453913) oder jene von Schindler (CH0024638212) sind aktuell bei mehr als 30 % unter der Notiz vor zwölf Monaten zu bekommen.

Anmerkung: Seit 1. Juli 2019 ist für EU-Bürger der Erwerb Schweizer Aktien durch die nicht mehr anerkannte Börsenäquivalenz Brüssels nur über die Börse Zürich oder über den OTC-Markt (Direkthandel über Brokerhäuser) möglich.

Foto: Pixabay / Werni

 

 

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