Kennt Luxus keine Krise?

Luxusaktien: langfristiges Wachstum jenseits von Marktturbulenzen.

Lea Schweinegger. Gehen am Luxusmarkt und am Markt für „schöne Dinge“, die wir an dieser Stelle immer wieder präsentieren, alle Krisen dieser Welt spurlos vorbei? Kurzfristig nicht immer, aber in der Langfristperspektive sehr wohl, so die Antwort.

So brach der Markt beim Ausbruch von Covid und bei den Schließungen lokaler Shops und den Lockdowns zwar vorübergehend kräftig ein, doch schon bald erlebte er wieder eine Erholung. Das Geld war und ist ja weiter vorhanden, auch wenn zuletzt im ersten Halbjahr 2022 durch den Ukraine-Krieg die russische Käuferschicht teilweise ausgefallen ist. Nichtsdestoweniger bleiben die Umsätze hoch und die Luxusgüter selber behalten über lange Zeiträume hinweg zumindest ihren Wert, da sie für viele auch einen sicheren Hafen darstellen.

Hohe Steigerungsraten
Und so soll der Umsatz im Markt Luxusgüter, wie wir bereits in der Vorwoche berichtet hatten, von 2022 mit rund 300 Mrd Euro bis zum Jahr 2027 auf ein Marktvolumen von knapp 350 Mrd Euro steigen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von mehr als 4 %. „Trotz eines schwierigen ersten Halbjahres 2022 hat der Luxussektor das Potenzial für ein starkes zukünftiges Wachstum, das durch die anhaltende Nachfrage nach Luxusartikeln in den USA, eine Erholung in China und die überlegene Preissetzungsmacht des Sektors gestützt wird“, analysiert die Assetmanagerin Swetha Ramachandran in diesem Zusammenhang.

Sorgen im ersten Halbjahr 2022
Die erste Jahreshälfte war für die Märkte eine Herausforderung, da sie weiterhin zwischen der Sorge um die Entwicklung der Zinssätze und einer möglichen Rezession infolge der Straffung der Geldpolitik schwankten, meint die Expertin für Luxusgüter von GAM Investments in einem Kommentar. Aber: Der Luxussektor hat ihr zufolge schon viele Stürme überstanden. Bei jedem Rückschlag habe sich der Sektor stärker erholt, wobei sich die Zeitspanne zwischen Ausverkauf und Erholung jedes Mal verkürzte, da der Markt den strukturellen Rückenwind des Sektors zu schätzen wusste – nämlich die weltweit wachsende aufstrebende Mittelschicht und deren überdurchschnittlich hohe Bereitschaft, Geld für Luxusmarken auszugeben, so Ramachandran.

US-Amerikaner treiben Nachfrage
Die US-Konsumenten sind laut der Fachfrau derzeit der größte Treiber für Luxusausgaben. Die größte Sorge bestehe darin, dass der Inflationsdruck zu einem starken Rückgang der Luxusausgaben in einem bisher dynamischen Markt für Luxusmarken führen könnte. Verbraucher aus der Mittelschicht und darüber geben jedoch nur etwa 20 bis 30 % ihres verfügbaren Einkommens für notwendige Dinge wie Lebensmittel, Gas, Unterkunft, Versorgungsleistungen aus, während es bei den Verbrauchern der unteren Einkommensschichten 94 % sind.

„Während wir also eher eine allmähliche Normalisierung der hohen US-Wachstumsraten für die Branche insgesamt erwarten, scheinen Luxusaktien einen drastischen Rückgang der US-Nachfrage einzupreisen, was wir angesichts der strukturellen Triebkräfte für die Ausweitung der US-Konsumentenbasis – jünger, vielfältiger, mehr Männer, mehr Verbraucher, die sich für langlebige Artikel statt für Fast Fashion interessieren – für unwahrscheinlich halten“, geht die Aktienexpertin ins Detail.

Asien bleibt eine bedeutende Region
Sie verweist aber auch auf China: Trotz der weltweiten Besorgnis über die Schließung der Covid-Märkte sei die Erholung in Shanghai seit der Wiederöffnung als solide zu bezeichnen. Darüber hinaus habe die chinesische Regierung in Form von Steuerrückerstattungen und Gutscheinen Anreize für den Konsum erprobt. Für Ramachandran mit ein Grund, dass sich der Handel in China verbessert, Luxusmarken eher en vogue sind, als dass sich der Markt verschlechtert, was jedoch das Risiko für die Gewinne aus dieser wichtigen Nachfragequelle mindert.

Junge Verbraucher dominieren
Außerhalb Chinas werden ihrer Ansicht nach die Märkte in Südostasien, die von jungen Verbrauchern der Mittelschicht dominiert werden, in Zukunft zu bedeutenden Wachstumstreibern für den globalen Luxusmarkt werden. Der vorherrschende Wirtschaftstrend in Südostasien sei, wie auch anderswo, die Vergrößerung der Mittelschicht. Mit einem Gesamt-BIP von 2,976 MrdUSD sollte Südostasien bis 2030 der viertgrößte Wirtschaftsraum sein.

Preissetzungsmacht und robuste Gewinnmargen
Zum Ausblick meint die GAM-Fachfrau: „Unser positiver Ausblick auf den Sektor wird durch die nach unserer Einschätzung überlegene Preissetzungsmacht und die begrenzte Nachfrageelastizität vor einem inflationären Hintergrund untermauert. Der Ausgangspunkt für die starke Preissetzungsmacht des Sektors sind seine hohen Bruttomargen, die nicht nur stabil sind, sondern bei einigen Unternehmen sogar steigen – trotz steigender Inflation.“ Die Ergebnisse des zweiten Quartals seien ein hinreichendes Anzeichen dafür, dass der Handel robust bleibt und sich die Gewinnmargen als äußerst widerstandsfähig erweisen. Und so ist GAM Investments der Ansicht, dass die Aussichten für den Luxussektor trotz der gegenwärtigen schwierigen Marktbedingungen weiterhin gut sind.

Foto: Pixabay / antonytrivet

 

 

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