Erhöhter Einsatz zur Verlustbegrenzung

Der Einsatz von Derivaten gewinnt schnell an Bedeutung.

Roman Steinbauer. Die Bescheidenheit kehrt zurück. Der Kapitalschutz ringt nach vielen Jahren der Hoffnung auf hohe Renditen den Rang ab. Nach dem bisherigen ernüchternden Jahresverlauf an den Aktien- und Anleihenmärkten zweifeln viele Anleger aber an der Sinnhaftigkeit, jetzt noch Wertpapiere zu veräußern. Liegt doch ein ausgeprägter Rutsch bereits hinter uns, die Stimmung steuert einem Tiefpunkt entgegen und Indikatoren deuten auf eine überverkaufte Situation hin. Dennoch liefern das politische und wirtschaftliche Umfeld Argumente genug, um weitere Kurseinbrüche plausibel erscheinen zu lassen. Eine Absicherung bestehender Anlagepositionen durch gewählte Finanzinstrumente gewinnt an Bedeutung. Denn sich von Engagements gänzlich zurückzuziehen, sehen Investoren in inflationären Zeiten als keine Alternative.

Steigende Volatilität erhöht Absicherungskosten
Ob an Positionen festzuhalten oder gewagt Neueinstiege zu tätigen: Der Bedarf an Derivaten zur Kursabsicherung ist gefragter denn je, um den sich zuspitzenden Krisen die Stirn zu bieten. Herausgezogen seien Daten von „Cboe Global Markets“ als Betreiber der bedeutendsten US-Optionenbörse, der „Chicago Board Options Exchange“ (CBOE). So pendelte am 29. September die Put-/Call-Ratio (das Verhältnis der Anzahl erworbener Verkaufsoptionen zu Kaufoptionen basierend auf Aktien und US-Indizes) zwischen 0,98 und 1,12. Dies zeigt, dass selbst bei unterdessen weit gedrückten Aktiennotizen die Nachfrage nach Derivaten zum Schutz gegenüber fallenden Notizen die Spekulation auf steigende Kurse übertrifft.

Das zuletzt angeschwollene Volumen sagt zudem viel über die Unsicherheit und Nervosität an den Märkten aus. Wurden an einem Handelstag an der CBOE im Vorjahr durchschnittlich 6,9 Mio Kontrakte gehandelt, erreichten die Abschlüsse am Donnerstag der Vorwoche 14,22 Mio Einheiten. Der Volatilitätsindex VIX (ebenfalls von Cboe Global Markets erstellt) bestätigt zudem die aufkommende Vorsicht der Investoren. Dieser Indikator stellt den Durchschnitt der Preise (nicht die Anzahl) von Kauf- und Verkaufsoptionen in Relation und repräsentiert die Markterwartungen für die kommenden 30 Tage. Dieser Wert pendelt in „normalen“ Zeiten zwischen zwölf und 20 Punkten, aber jüngst zog der Angstbarometer auf 32 Punkten stark an. Die absoluten Spitzenwerte und Ausschläge wurden mit mehr als 70 Punkten in panikartigen Phasen, wie zu Ende 2008 oder im Feber 2020 registriert.

Etablierte Transparenz und Vielfalt
Glücklich jener, der unruhige Zeiten vorweg nahen sah und bereits vor einem Eintreten der Nervosität an den Börsen seine Positionen durch Absicherungsprodukte in ruhigere Gewässer hievte. Denn mit der Volatilität steigen die Preise der Optionen bzw. der Optionsscheine (Prämienaufschlag). Als Alternative bieten eine Vielzahl an Emittenten Anlegern Zertifikate an. Hier ist wiederum auf den offerierten „Spread“ (Spanne zwischen An- und Verkaufskursen) des Produktherausgebers zu achten.

Abgesehen vom außerbörslichen Handel gilt in erster Linie die Euwax der Stuttgarter Börse mit (nach eigenen Angaben) 1,9 Mio gelisteten Wertpapieren als größter und liquidester Marktplatz verbriefter Derivate am Kontinent. Im Jahr 1999 implementiert, wurde von den Schwaben seitdem der Fokus auf die Derivat-Plattform gelegt, um den Handel mit Aktien, Anleihen und Investmentfonds mit erweiterten Angeboten zu ergänzen. Neben Optionsscheinen, Zertifikaten (inkl. Knock-Out-Produkten) bestimmen in Stuttgart börsengehandelte Fonds (ETF), Rohstoffzertifikate (ETC) und Inhaberschuldverschreibungen (ETN) das Geschehen.

Foto: AdobeStock / by-studio

 

 

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