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Bevölkerung weiter als Politik

Aktienforum-Geschäftsführer Karl Fuchs im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Klaus Schweinegger. Das „Aktienforum“ ist die Interessenvertretung der börsennotierten Unternehmen und definiert sich als „Plattform zur Förderung des österreichischen Kapitalmarktes“. Auf die Mitglieder entfallen drei Viertel der Marktkapitalisierung der Wiener Börse. Neben den börsennotierten Unternehmen sind Banken und Finanzdienstleister, Finanzberater und andere Interessenvertretungen, die sich für den österreichischen Kapitalmarkt engagieren, Mitglieder des Aktienforums.

Börsen-Kurier: Herr Fuchs, der Aufschrei hält sich hierzulande wieder einmal in Grenzen, aber was sagen Sie zu den Plänen der Regierung bezüglich einer sogenannten „Gewinn-Abschöpfungssteuer“ in Österreich?
Karl Fuchs: Das Aktienforum war immer auf der Seite der Wenigen, die Eingriffe in die freie Marktwirtschaft ablehnen. Durch derlei Eingriffe wird eine ganze Branche, die wichtige Investitionen für die Energiezukunft leistet, in Frage gestellt. Die aktuellen Verwerfungen begreifend haben darüber hinaus bereits einige staatsnahe Unternehmen wie die OMV eine Sonderdividende beschlossen. Das ist eine richtige Maßnahme.

Börsen-Kurier: Die von ihnen genannten Eingriffe in die Marktwirtschaft sind immer brandgefährlich. Wurde das Aktienforum als Interessensgemeinschaft bzw. auch die Industrie von Seiten des Gesetzgebers dazu überhaupt konsultiert?
Fuchs: Der kleine effiziente heimische Kapitalmarkt ist verletzlich. Derlei politische Ideen sollten daher mit den Playern vorab abgestimmt werden. Dies geschah im Frühjahr nicht, als Bundeskanzler Nehammer zum ersten Mal mit der Idee der Abschöpfung medial nach außen ging. Damals war sogar der Finanzminister überrascht.

Börsen-Kurier: Wie steht es um andere Anliegen des Kapitalmarktes? Seit Jahren wird die mangelnde Finanzbildung der heimischen Bevölkerung thematisiert. Und auch seit vielen Jahren hört man in diesem Zusammenhang von Initiativen. Können Sie uns sagen, was diesbezüglich der Stand der Dinge ist?
Fuchs: Im Jahr 2021 wurde die Finanzbildungsstrategie vom damaligen Finanzminister Blümel ins Leben gerufen und institutionalisiert. Seither arbeiten viele Institutionen und Stakeholder an einer Weiterentwicklung dieser Strategie und versuchen auch konkrete Maßnahmen auf den Boden zu bekommen. So wurde eine langjährige Forderung vom Aktienforum in diesem Bereich im Frühjahr 2022 umgesetzt. Das OECD-Financial-Literacy-Pisa-Tool wurde im Zuge des Pisa-Tests erstmalig in Österreich abgefragt. Wiewohl die Ergebnisse bis 2024 auf sich warten lassen werden, sind sie als Bestanderhebung äußerst wichtig und werden uns den Weg weisen, wo genau wir in der Finanzbildung zukünftig ansetzen werden müssen.

Börsen-Kurier: Ein sehr heikles Thema ist auch die im Zuge der Corona-Pandemie aufgekommene Frage, ob Hauptversammlungen überhaupt noch in Präsenz stattfinden sollen. Anlegerverbände wie der IVA (und auch der Börsen-Kurier) hielten diesen Schritt nicht nur für einen massiven Einschnitt in die Rechte der Investoren, sondern er würde auch alle Bestrebungen zur Belebung des Kapitalmarktes konterkarieren. Wie stehen Sie dazu?
Fuchs: Das Aktienforum spricht sich für die Wahlfreiheit der Unternehmen aus, zu entscheiden, ob sie ihre Hauptversammlungen physisch oder virtuell durchführen wollen. Dabei ist uns als Aktienforum die Wahrung der Aktionärsrechte ebenso ein wichtiges Anliegen. Orientieren sollte man sich an zahlreichen internationalen Beispielen, wo virtuelle Formate als Dauerlösung bereits Eingang in den Rechtsbestand gefunden haben. Zuletzt im Sommer in Deutschland. Ein österreichischer Sonderweg wäre nicht zu empfehlen.

Börsen-Kurier: Aber kommen wir abschließend zu etwas Versöhnlicherem: Im Feber hat das Aktienforum gemeinsam mit der Industriellenvereinigung einen „Booster“ für steuerliche Anreize für Vorsorge und Green Investments gefordert. Ist schon Bewegung in dieses Thema gekommen und wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die Chancen für ein „Aufblühen“ des österreichischen Kapitalmarktes?
Fuchs: Auf der politischen Ebene tut sich aktuell bei diesen Themen nicht rasend viel. Die Bevölkerung ist da schon viel weiter. So würden rund drei Viertel der österreichischen Bevölkerung eine steuerliche Begünstigung bei den Themen klimafreundliche Investitionen und Altersvorsorge für eine gute Idee halten. Unabhängig vom politischen Maßnahmensetting beweist der heimische Kapitalmarkt seinen stabilisierenden Faktor für die heimische Volkswirtschaft. Unsere aktuelle IWI-Studie zeigt durchwegs ansteigende Indikatoren im Vergleich zur Vorgängerstudie 2019. Die börsennotierten Unternehmen strahlen stark über ihre Unternehmensgrenzen hinaus und schaffen Arbeitsplätze. Dies sollte auch politisch goutiert werden.

Foto: Aktienforum