Eine Boeing 747 „in Gold“

Studie belegt ungebrochene Beliebtheit von Gold in Österreich.

Harald Kolerus. 220 Gramm Gold besitzt durchschnittlich gesehen jede Österreicherin und jeder Österreicher in Form von Barren oder Münze (Schmuck also nicht eingerechnet). Das entspricht vom Gewicht her rund einem „Big Mac“ von McDonald‘s, addiert man den Gesamtbestand aber zusammen, ergeben sich beeindruckende 388 Tonnen. Das ist mehr als in den Tresoren der OeNB liegt (280 Tonnen) und übersteigt das Gewicht einer Boeing 747. Zu diesen Ergebnissen kam eine repräsentative Studie der Universität St. Gallen im Auftrag des Goldhändlers Philoro. Die Umfrage fand vom Mai bis September 2022 statt, zum damaligen Zeitpunkt kam der Goldbesitz in Österreich auf den stattlichen Wert von rund 21,4 Mrd Euro.

Gold besonders beliebt
Bei Präsentation der Studie in Wien war für Martin Krieger, Head of Group Business Development von Philoro, klar: „Edelmetalle sind in Österreich die beliebteste Anlageform, also noch beliebter als Immobilien oder Aktien.“ Zwei Drittel der Befragten erachten Edelmetalle laut Umfrage als sinnvolle Investition, falls sie einen größeren Geldbetrag zur Verfügung hätten. Immobilien (53 % Zustimmung), Aktien (24 %) und das Giro- bzw. Sparkonto (21 %) werden dabei auf die Ränge verwiesen. Kryptowährungen werden nur von 11 % genannt.

Studienautor Prof. Sven Reinecke von der Uni St. Gallen kommentierte: „Die Menschen haben erkannt, welche Vorteile Edelmetalle bieten, wenn es um Langfristigkeit, Sicherheit, Stabilität, Inflationsschutz und Krisenvorsorge geht.“ Das sei angesichts der geopolitisch angespannten Lage auch nicht verwunderlich. Etwas überrascht hat den Experten allerdings, dass die Österreicher sogar mehr Gold horten als die Schweizer. Eine mögliche Erklärung dafür: „In der Schweiz wird mehr in Aktien investiert“, so Reinecke.

Wohin steuert der Preis?
Was der Experte nicht einzuschätzen wagt, ist hingegen, wohin sich der Goldkurs in absehbarer Zeit bewegen könnte: „Der allgemeine Trend zu Stabilität hat sich in den letzten Jahren aber als stabil erwiesen, ich sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte.“

Wobei der Goldpreis in der jüngeren Vergangenheit als Reaktion auf Corona zunächst stark angestiegen war, dann aber zurückfiel. Angesichts kaum erlebter Krisen – Ukraine-Krieg, extreme Inflation, Energie-Verunsicherung – könnte das für einige Investoren enttäuschend sein. Der Börsen-Kurier fragte Krieger zu seiner Einschätzung der weiteren Goldpreisentwicklung. „Man muss in Betracht ziehen, dass sich die Zinsen erhöht haben – einige Großinvestoren wandern vermehrt in den Fixed-Income-Bereich ab. Den Goldpreis sehe ich aktuell als stabil an und rechne momentan nicht mit viel Bewegung. Geht man aber von einer Normalisierung und mehr Klarheit bei der Zinssituation aus, glauben wir, dass sich Gold im kommenden Jahr in Richtung von 2.000 USD pro Feinunze bewegen wird. Das ist nicht nur unsere Hausmeinung, sondern auch die von vielen Edelmetall-Analysten“, so Krieger.

Mehr Aufklärung
Was dem Experten noch am Herzen liegt, ist mit einem gewissen Informationsdefizit aufzuräumen. Denn laut der Umfrage besteht im Widerspruch zur Beliebtheit von Gold die Erkenntnis, dass 71,8 % der Österreicher sich weniger bis sehr schlecht über Edelmetalle informiert fühlen. „Die Leute wissen etwa nicht, wo sie Gold seriös kaufen können, woran sie echtes Gold erkennen und welche Anlagemöglichkeiten sie prinzipiell haben. Auch kursieren Falsch-Infos bzw. Mythen, etwa dass Gold nur etwas für Reiche ist. Wir wollen dem Fakten und Aufklärung entgegenstellen“, so Krieger abschließend.

Foto: AdobeStock / bilderbox

 

 

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