Virtueller Schutz wird wertvoller

Die Cyber-Übergriffe steigen, der Bedarf an Schutz ebenso.

Raja Korinek. Die zunehmende Vernetzung der globalen Wirtschaft sowie die wachsenden Datenmengen sind nicht mehr wegzudenken. Doch die Entwicklung bringt auch Hacker auf den Plan, weshalb die Zahl der Cyberangriffe zunimmt. Dies verdeutlichen Statistiken des „Cybercrime Report 2021“ des Innenministeriums. Denen zufolge gab es im Vorjahr beinahe 20 % mehr Anzeigen (rund 46.000) bei Tatbeständen zu Cybercrime im engeren Sinn im Vergleich zu 2020. Solche Tatbestände umfassen kriminelle Handlungen, bei denen Angriffe auf Daten oder Computersysteme unter Verwendung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) begangen werden, so etwa Hacking.

Hohe Schäden aufgrund von Cyberangriffen
Die Lage ist ernst. Das sieht auch Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale Sales Germany Austria and Luxembourg bei Legal & General Investment Management (LGIM), so. Er sagt: „Cyberattacken erreichen Schadensummen, die vergleichbar sind mit den Folgen verheerender Naturkatastrophen.“ Er nennt als Beispiel Hurrikan Irene. Dieser verwüstete 2011 unter anderem große Teile Puerto Ricos, der Dominikanischen Republik und Haitis. Die Schadenssumme erreichte dabei rund 16 Mrd USD. Von Königsmarck meint, „der sogenannte ‚NotPetya‘-Angriff auf Computersysteme in vielen Ländern Europas sowie den USA verursachte 2017 hingegen Schäden in Höhe von gut 10 Mrd USD.“

Zu den wirtschaftlichen Schäden kommen laut dem LGIM-Experten Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit im Falle von Angriffen auf die kritische Infrastruktur. „Das Thema rückte spätestens 2021 mit dem Ransomware-Angriff auf die größte Erdölpipeline in den USA ins öffentliche Bewusstsein. Trotz rascher Zahlung des Lösegelds zog sich die Wiederinbetriebnahme der Pipeline lange hinaus. Die Folge waren Treibstoffengpässe und steigende Preise.“

Budgets werden steigen
Von Königsmarck zieht ein klares Fazit: „Wachsende Budgets für Cyber-Sicherheit werden erwartet. Die weltweiten Ausgaben sollen von rund 260 MrdUSD im Vorjahr auf beinahe 460 MrdUSD im Jahr 2025 steigen.“

Angesichts solcher Entwicklungen ist auch das Ergebnis der „Global Digital Trust Insights Survey“ von PwC nachvollziehbar. Dieser zufolge planen heimische Unternehmen im kommenden Jahr erhebliche Investitionen, um Cyberangriffe abzuwehren, und befürworten eine Offenlegung von Cybervorfällen. Laut der Studie habe sich in den vergangenen Jahren viel bewegt und das Thema sei mittlerweile auf der Führungsebene angekommen, zeigt Georg Beham, Partner und Cybersecurity & Privacy Leader bei PwC Österreich, auf.

Indexzertifikate als Chance
Risikobereite Anleger können entsprechend auf Branchenunternehmen setzen, die im Bereich der virtuellen Sicherheit tätig sind. Das Cybersecurity-Indexzertifikat von Alphabeta Access Products (ISIN: DE000DA0AB89) etwa setzt auf zehn Titel, großteils aus den USA, aber auch aus Israel und Deutschland. Ein Beispiel ist Fortinet (US34959E1091). Der US-Konzern stellt Software her, um Cyberangriffe abzuwehren. Auch die deutsche Secunet Security Networks (DE0007276503) ist auf IT-Sicherheit spezialisiert.

Der „Cyber Security Index“ der Bank Vontobel (DE000VS5ZCS6) umfasst 13 Titel. Mehr als 90 % entfallen geografisch auf die USA, der Rest auf Japan. Größte Einzelgewichtung ist derzeit Qualys (US74758T3032), das auf Cloud-Sicherheit spezialisiert ist. Verisign (US92343E1029) bietet einen sicheren Betrieb von Webseiten an. Bei beiden Produkten müssen Anleger aber auch mit größeren Schwankungen rechnen.

Foto: Pixabay / kalhh

 

 

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