Der verhinderte Aufschwung

Hausgemachte Krisen stören den Erholungsmodus.

Michael Kordovsky. Eine inverse Zinskurve in den USA signalisiert „Rezession voraus“. Was sagen diverse Früh- und Stimmungsindikatoren und was macht die globale Leitwirtschaft China? Es gibt drei sehr einfache Konjunkturindikatoren, die gewisse Anhaltspunkte liefern: die Preise für Kupfer und Erdöl in Kombination mit dem Baltic-Dry-Index, der die Seefrachtraten für Trockengüter anzeigt. Letzterer hat sich nach einer (fast) Verfünffachung im Jahr 2021 wieder beruhigt und fiel auf sein Ausgangsniveau zurück.

Der Ölpreis (WTI), der kurz nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine auf umgerechnet mehr als 120 Euro anstieg, ist mittlerweile auf 75 Euro rückläufig. Auf Drei-Monats-Sicht liegt das Minus bei 11,5 %, während der Kupferpreis auf Jahressicht bereits 14,9 % im Minus liegt.

In der Halbleiterbranche wuchs 2022 der Weltmarkt hingegen voraussichtlich noch um rund 7 % auf umgerechnet 603 Mrd Euro. Die Digitalisierung wäre weiterhin ein positiver Konjunkturfaktor, genauso wie (Konsum-)Nachholeffekte nach den zahlreichen Lockdowns.

Hausgemachter Abschwung und mögliche Corona-„Neuauflage“
Nicht die klassischen herkömmlichen Konjunkturzyklen sind diesmal das Problem, sondern eine Mischung aus Krieg in Europa, hoher Inflation infolge von Energieknappheit und unterbrochener Lieferketten sowie das starke Wiederaufkeimen von Corona in China. Dieses führt dazu, dass der Wirtschaftsriese als Nachfragefaktor ausfällt, was vor allem auf die Rohstoffpreise drückt und in den USA und Europa die Exportpotenziale einschränkt.

Überraschend stark (um 10,6 %) brachen Chinas Importe im November 2022 ein, während die Exporte um 8,7 % schrumpften. Letzteres war die schlechteste Entwicklung seit Feber 2020. Bereits im Oktober waren die Exporte um 0,3 % rückläufig. Einerseits wirkten sich die strengen Corona-Maßnahmen Chinas negativ aus, ander-erseits schwächte sich die globale Nachfrage ab. Nach dem Ende der Corona-Maßnahmen explodierte die Durchseuchung Chinas. Im Dezember war von rund 248 Mio Fälle die Rede.

Der auf der Befragung von 430 privaten chinesischen Industrieunternehmen basierende „Caixin China General Manufacturing PMI™“ entwickelt sich bis Dezember bereits fünf Monate in Folge rückläufig und erreichte im Dezember den niedrigsten Stand seit September. Allerdings war damals noch das Sentiment auf einem Zehn-Monatshoch, da nach den umstrittenen Eindämmungsmaßnahmen der Regierung in Peking eine weitgehende Öffnung der Wirtschaft erwartet wurde. Das könnte sich mit der raschen Ausbreitung von Corona nun ändern. Abwassermonitoring in Flugzeugen und Testpflicht für Einreisende aus China in EU-Länder könnte somit erst der Anfang sein. Sollten im Abwasser neue Corona-Mutationen entdeckt werden, sind selbst erneute Lockdowns außerhalb Chinas nicht mehr auszuschließen.

Durchwachsen: „Einkaufsmanager-Befragungen“
In Europa schwächt sich zwar die Talfahrt der Privatwirtschaft (Produktion und Dienstleistung) ab und der finale „Eurozone Composite PMI®“ von S&P Global stieg im Dezember auf ein Fünf-Monatshoch, was rohstoffseitig auf einen nachlassenden Preisdruck zurückzuführen ist. Doch der wichtige Frühindikator „Auftragseingänge“ ist auf Talfahrt. Aufgrund der generellen Nachfrageflaute in der Privatwirtschaft wies der Auftragseingang im Dezember bereits sechs Monate in Folge ein Minus aus. Besonders hart trifft es die Industrie infolge von Lagerabbau und Stornierungen.

Die Daten des „S&P Global Flash US Composite PMI®“ deuten im Dezember hingegen auf einen stärkeren Abschwung hin. Der „Flash US Manufacturing PMI“, der Auftragseingänge, Output, Beschäftigung, Lieferzeiten der Lieferanten und Lagerbestände kombiniert, fiel im Dezember auf ein 31-Monats-Tief.

Ein guter Konjunkturindikator ist auch die Verfassung der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie, deren Auslandsaufträge in den ersten drei Quartalen 2022 noch um 26 % wuchsen, da Betriebe derzeit modernisieren und auch in Kapazitätserweiterungen investieren.

Stimmungsverbesserung
Gleichzeitig erholt sich im Euroraum, ausgehend von einem niedrigen Niveau bis Dezember 2022, das Konsumentenvertrauen. Positiv ist, dass sich laut Ifo Institut die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Dezember merklich aufhellte. Erstmals nach sechs Rückgängen in Folge ist der Lage-Indikator wieder gestiegen. Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen ihre aktuelle Lage wieder optimistischer beurteilen und auch die Zukunftserwartungen haben sich verbessert.

In den USA verbesserte sich im Dezember, laut The Conference Board, das Verbrauchervertrauen. Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate betreffend Einkommen, Geschäftsentwicklung und Arbeitsmarktsituation haben sich von November auf Dezember deutlich verbessert, wenn auch ausgehend von einem „Rezessionsniveau“.

Fazit
Angebotsverknappung durch Corona-Maßnahmen und Ukrainekrieg sind die Inflationstreiber und somit „hausgemacht“. Doch als Reaktion darauf versucht die Fed mit allen Mitteln in einer Erholungsphase von der Pandemie die Konjunktur abzuwürgen, um die Inflation auf diese Weise in den Griff zu bekommen.

Nun droht sich – ausgehend von China, die Corona-Krise in einer gewissen Form zu wiederholen. Diese Konstellation deutet auf einen hausgemachten globalen Abschwung hin.

Foto: Pixabay / MaoNo

 

 

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