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Feiern die Schwellenländer ein Comeback?

Experten haben sowohl Aktien als auch Anleihen auf der Rechnung.

Patrick Baldia. Es gibt sicher Assetklassen, die Anlegern in den vergangenen Jahren mehr Freude bereiteten als Emerging-Markets-Aktien. Allein 2022 verlor etwa der MSCI Emerging Markets Index 20 % (in USD, Anm.). Zum Vergleich: Der MSCI World ging „nur“ um rund 12 % zurück. Hinter der Underperformance der Schwellenländer steht eine Reihe von „Vätern“: Die an Fahrt verlierende Weltwirtschaft, eskalierende geopolitische Konflikte, die Null-Covid-Politik in China und nicht zuletzt die schnellste Zinsanhebung der vergangenen 30 Jahre.

Nicht wenige Experten sind jedenfalls der Meinung, dass sich das Blatt für die Emerging Markets heuer wenden könnte – und zwar sowohl für Aktien als auch Anleihen. „Wir sind der Meinung, dass die Schwellenländer vor einem Wendepunkt stehen, vor allem, weil sie bei der Anpassung ihrer Geldpolitik den Industrieländern voraus sind“, sagt etwa Nick Eisinger, er ist Portfoliomanager und Emerging-Markets-Spezialist bei Vanguard, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Attraktive Aktienbewertungen
„Aufgrund des starken Kursverfalls sanken die Aktienbewertungen auf breiter Front. Nun sehen gerade die Schwellenländeraktien zunehmend attraktiv aus“, meint Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Damit sich der Bewertungsabschlag schließt, sind seiner Einschätzung nach drei Katalysatoren entscheidend: Eine Pause der Fed, das tatsächliche Ende von Null-Covid in China sowie nachlassende politische Risken.

Etwas vorsichtiger gibt man sich bei Pimco. „Die Bewertungen in den Schwellenländern sind im Allgemeinen historisch günstig, aber vieles hängt von der Fähigkeit der Fed ab, die Inflation zu zähmen, und von der Fähigkeit Chinas, die Wirtschaftstätigkeit zu reaktivieren“, sagt Andrew Balls, globaler Chief Investment Officer für Anleihen, um im selben Atemzug hinzuzufügen: „Die Schwellenländer scheinen bereit zu sein, sich gut zu entwickeln, aber wir bleiben vorsichtig, bis die geldpolitischen Aussichten klarer werden.“

Bei J.P. Morgan glaubt man, dass vor allem Dividendenaktien eine gute Möglichkeit sind, von den Chancen in den Schwellenländern zu profitieren. „Die Gesamtmarktbewegungen erscheinen im Verhältnis zu historischen Niveaus niedrig. Das erwartete KGV der Aktien im Fonds beträgt gerade mal 10, und die Dividendenrendite auf Fondsebene liegt bei knapp unter 5 %“, hält Omar Negyal, Manager des „JPMorgan Funds – Emerging Markets Dividend Fund“ (ISIN: LU0862449773), fest.

Anlageidee: ETFs auf Einzelländer
Die Experten von Franklin Templeton haben wiederum ETFs auf einzelne Emerging Markets auf der Rechnung. „Jedoch bieten nicht alle Schwellenländer das gleiche Aufwärtspotenzial“, warnt Jason Xavier, Head of EMEA ETF Capital Markets. Den „Weg ebnen“ könnte eine Auswahl an Ländern, die als „US-freundlich“ gelten und von innovationsführenden Sektoren wie Technologie und Gesundheitswesen profitieren können. Konkret bevorzugt er Südkorea, Taiwan und Indien gegenüber einer breiten Allokation in Schwellenländern.

Vanguard-Portfoliomanager Eisinger hält wiederum Anleihen von Ländern wie Nigeria, Ägypten, Mexiko, Südafrika, Polen, Tschechien und Ungarn für besonders interessant. „Vor allem Lokalwährungsanleihen sollten vom schwächeren US-Dollar profitieren“, sagt er.

Im Falle eines „Soft Landings“ der US-Wirtschaft könnten Emerging Markets Bonds 2023 durch-aus eine Performance von 15 % erzielen. „Für Schwellenländeranleihen spricht, dass sich die Zinsschritte der Fed dem Ende zuneigen. Positiv wirke sich auch die geringe Emissionstätigkeit aus“, so der Manager des „Vanguard Emerging Market Bond Fund“ (IE00BKLWXP06) Eisinger.

Insgesamt dürfe man vor allem eines nicht vergessen: „Die langfristige Aufhol-Story der Schwellenländer bleibt weiterhin intakt.“

Foto: AdobeStock / alexskopje