Starke Zugpferde im Chemiesektor

In jeder Ausgabe des Börsen-Kurier analysieren wir die Aktien einer Branche.

Roman Steinbauer. Eine mögliche Rezession und hohe Energiekosten gelten aktuell besonders für die Chemiebranche als Belastungsfaktoren. Dennoch profitierten bereits an den ersten Handelstagen Titel namhafter Vertreter des Sektors durch aufkeimende Fantasie.

Groß kapitalisierte Flaggschiffe voran
Nachdem am 9. Jänner durch die US-Investorengruppe Inclusive Capital der Erwerb von 0,8 % an der Bayer AG (ISIN: DE000BAY0017) bekannt wurde, meldete wenige Tage darauf die Nachrichtenagentur Bloomberg den Einstieg des britischen Hedgefonds Bluebell Capital (die Höhe der nun gehaltenen Anteile ist noch nicht bekannt) bei den Leverkusenern. Erhöhte Umsatzprognosen für die Pharmasparte sowie Gerüchte unter Investoren um eine Abspaltung des Agrarbereichs heizten die Kauflaune an. Für das Prostatakrebs-Medikament Nubeqa, die Kerendia-Arznei (Herz) sowie das Präparat Asundexian (gegen Schlaganfälle) wurden unterdessen die Gewinnperspektiven angehoben. Ende der Vorwoche stand die Bayer-Aktie beachtliche 14 % höher als zum Jahreswechsel. Analysten hoben die Kursperspektiven bis Ende des Jahres unterdessen auf bis zu 80 Euro (Barclays) an.

Mit einem Auftrieb der Anteile von +12 bzw. +11 % erfreuten sich Aktionäre des Branchenriesen BASF (DE000BASF111) und des Spezial-Chemie-Produzenten Evonik (DE000EVNK013), wie auch jene der belgischen Solvay (BE0003470755), die ihre Position um 10 % wachsen sahen.

Besonders sticht die Entwicklung der Papiere des Chemiedistributors Brenntag (DE000A1DAHH0) hervor. Seit 1. Jänner zog der Titel um 13 % auf 67 Euro an. Als strategische Holding fungierend, operiert Brenntag als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und der weiterverarbeitenden Industrie. Die Gesellschaft bezieht hohe Volumina und gibt diese dann zeitlich bedarfsgerecht in beanspruchten Größen an Kunden der Nahrungsmittel-, Mineralölindustrie, Pharma- oder Körperpflegefabrikanten weiter.

Einzelne träge Nachzügler
Die Performance des robusten Dividendenbringers Henkel (DE0006048408; die mediane Schätzung der Rendite der Ausschüttung liegt auf Basis des heurigen Geschäftsjahres bei 3,09 %) hält indes bisher nicht mit. Der Rückzug aus den Aktivitäten in Russland und Weißrussland ist entschieden, gestaltet sich dennoch holprig. Im neuen Jahr steht der Titel 2 % im Plus. Seit dem Jahr 2017 gab die Aktie bereits 45 % ab. Mit einem aktuellen KGV von 22 ist diese keineswegs günstig. Allerdings dürfte sich langfristig wieder der Wachstumskurs etablieren und die Eigenkapital-Quote von 57 % dient als starke Basis. Mit mageren +3 % hängen Valoren der Schweizer Clariant (CH0012142631) den deutschen Pendants hinterher.

Foto: Pixabay / analogicus

 

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