Schwacher Einzelhandel weltweit

Egal ob Teuerung oder Abschwung als Ursache: Es wird weniger gekauft.

Michael Kordovsky. China ist bereits am Rande einer deflationären Kontraktionsspirale. Die Konsumenten halten sich aus Sorge vor der Zukunft vor größeren Ausgaben zurück. Die Produzentenpreise fielen in der Volksrepublik im Juni mit -5,4 % (Vorjahresvergleich) zum neunten Mal in Folge und die Jugendarbeitslosigkeit erreichte im Mai mit 20,8 % den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018. Die Inflationsrate, die im Jänner 2023 noch bei 2,1 % lag, ist bis Juni auf 0 % zurückgegangen. Das ist der niedrigste Stand seit zwei Jahren. Aufgrund einer schwachen Nachfrage senkten chinesische Firmen ihre Preise im Juni so stark wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr.

Obwohl eine Erholung von den einst strengen Covid-19-Lockdowns ein stärkeres Wachstum im chinesischen Einzelhandel zulassen würde, verlangsamte sich dort das Umsatzwachstum von April auf Mai von 18,4 auf 12,7 %. Je stärker die Preise im Einzelhandel fallen, desto größer ist die Zurückhaltung der Konsumenten, die ihr Geld nur noch für das Allernotwendigste ausgeben. Eine deflationäre Kontraktionsspirale ist dann eben die Folge.

Kontraktion im europäischen Einzelhandel
Wenn schon in der Leitwirtschaft China in puncto privatem Konsum einiges im Argen liegt, wie sieht es dann erst in Europa aus? Vom zweiten Quartal 2022 bis zum ersten Quartal 2023 hat sich das Wachstum der privaten Konsumausgaben in der Eurozone von 5,8 auf 0,8 % verlangsamt. Entsprechend sieht auch die Entwicklung der Absatzvolumina des Einzelhandels aus: Von Mai 2022 bis Mai 2023 sank der kalenderbereinigte Einzelhandelsindex im Euroraum um 2,9 % (EU: -3,0 %). Bis dato verzeichnete das Absatzvolumen im Einzelhandel 2023 in jedem Monat im Vorjahresvergleich sowohl in der EU als auch im Euroraum einen Rückgang. Die hohe Inflation führt dazu, dass sich der Konsum nur noch auf das Wesentliche konzentriert. Nicht-Nahrungsmitteln (ohne Motorenkraftstoffe) waren im Euroraum in den Monaten April und Mai um 1,2 bzw. 2,1 % rückläufig, verglichen mit im Schnitt -0,8 % in den Monaten des ersten Quartals 2023.

Der während der Pandemie starke Versand- und Interneteinzelhandel erlebt noch gewisse Basiseffekte ausgehend von einem hohen Niveau und war in den Monaten März bis Mai 2023 im Vorjahresvergleich um jeweils 4,7 bzw. je 4,4 % (April und Mai) rückläufig. Etwas verlangsamt hat sich mittlerweile im Euroraum der Rückgang des Absatzvolumens bei Nahrungsmittel, Getränken und Tabakwaren – und zwar von -6,3 % im März auf -3,5 % im Mai 2023.

Mäßiger Konsum auch in den USA
Der reine Einzelhandel in den USA verzeichnete in den Monaten März bis Mai 2023 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur noch ein Wachstum von 0,6 %. Die Konzentration auf die wesentlichen Ausgaben zeigt sich darin, dass im besagten Zeitraum der Umsatz von Möbelgeschäften und Elektronikgeschäften um jeweils 6,6 bzw. 6,4 % zurückging. Der Zuwachs im Hobby-, Musik-, Buch- und Freizeitbereich hält sich mit 1,1 % in Grenzen, während Modegeschäfte einen Umsatzrückgang um 1,4 % verzeichneten. Nahrungsmittel- und Getränkegeschäfte erzielten hingegen noch ein Umsatzplus von 3,8 %, und im Gesundheitsbereich waren es sogar 7,7 %. Per Saldo wuchsen in den USA die privaten realen Konsumausgaben in den Monaten April und Mai noch immer um je 2,2 bzw. 2,1 %.

Mit weiteren Leitzinsanhebungen trifft es einen sehr wichtigen Wirtschaftszweig in den USA. Autokredite werden noch teurer und die Anschaffung neuer Autos wird gedrosselt. In den Monaten März bis Mai ist der Bereich Motorfahrzeuge plus Ersatzteile noch um 1,5 % gewachsen (Vorjahresvergleich). Doch bald droht auch hier ein Rückgang.

Fazit
China befindet sich in einer Abwärtsspirale und in den USA und dem Euroraum beginnen die hohen Zinsen immer mehr zu wirken. Eine weitere Abschwächung des globalen Einzelhandels droht. Selbst eine hartnäckige Rezessionsphase ist nicht mehr ausgeschlossen.

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