Ist der Goldpreis am Zenit?

US-Zinssenkungen erst 2024 könnten den Goldpreis bremsen.

Raja Korinek. Die jüngste US-Notenbanksitzung wurde mit großer Spannung beobachtet. Schließlich hatten Marktbeobachter im Vorfeld damit gerechnet, dass FED-Chef Jerome Powell die Zinsen nicht noch weiter anheben wird. Genauso kam es auch, nach elf Anhebungen war zuletzt Schluss. Der Leitzins liegt aktuell in einer Spanne von 5,25 bis 5,5 %. Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets, zieht ein klares Fazit: „Je länger Powell auf der Sitzung sprach, desto mehr hörte der Markt aus seinen Worten heraus, dass die FED den Zinserhöhungszyklus abgeschlossen haben dürfte.“

US-Inflation sinkt
Die Zuversicht wurde vor wenigen Tagen bestärkt, als neue US-Inflationsdaten veröffentlicht wurden. Denen zufolge ist die Teuerung im Oktober im Vergleich zum Vorjahreswert um nur 3,4 % gestiegen, damit weniger stark als erwartet. Die Folgen waren an den globalen Märkten weitreichend.

So reagierten Wachstumsaktien, die meist einen hohen Anteil an Fremdkapital haben, um ihr junges Geschäftsmodell zu finanzieren, mit besonders großen Kurssprüngen.

Selbst die Anleihekurse reagierten mit einem Plus, weshalb die Renditen sanken. Allein die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen fielen zuletzt auf rund 2,6 %.

Wie lange steigt der Goldpreis?
Auch der Blick auf den Goldmarkt offenbart Interessantes: Dieser hatte nach den überraschend guten US-Inflationsdaten endlich wieder zugelegt, konstatiert Barbara Lambrecht, Rohstoffanalystin bei der Commerzbank. Sie geht auf die jüngste Entwicklung näher ein: Mit 1.985 USD je Feinunze notiert dieser rund 40 USD höher als vor der Datenveröffentlichung. „Schließlich ist damit eine – letzte – Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember unwahrscheinlich geworden.“ Dies nährte bei manch einem Investor auch die Hoffnung auf Zinssenkungen. In der Regel sind tiefe Zinsen positiv für ein zinsloses Goldinvestment.

Bei der Commerzbank warnt man aber vor zu viel Euphorie. „So dürfte es dauern, bis der Markt gänzlich dreht und auf nahe Zinssenkungen in den USA spekuliert. Damit dürfte sich die Erholung am Goldmarkt kaum fortsetzen“, meint Lambrecht. Zumindest unmittelbar. Sie glaubt, dass der Goldpreis erst Mitte des Jahres 2024 die Schwelle von 2.000 USD nachhaltig überwinden werde.

Zertifikate als Chance
Anleger, die in nächster Zeit eben-falls mit einer verhaltenen Entwicklung rechnen, können Chancen etwa mit einem Discountzertifikat nutzen. Mit diesem Produkt kauft man sich in den Basiswert günstiger ein, als dieser an der Börse kostet. Dafür profitiert man von möglichen Kursanstiegen des Basiswertes nur begrenzt, und zwar bis zu einem fixen Cap. Nach unten hin gibt es einen Verlustpuffer in Höhe des Diskonts, zu dem man den Basiswert günstiger erworben hat. Erst wenn der Kurs des Basiswertes derart kräftig sinkt, so dass selbst der Puffer aus dem Diskont aufgebraucht ist, erleidet man mit dem Zertifikat einen Verlust. Dann ist zugleich der sogenannte „Break-Even-Punkt“ unterschritten worden.

Solch ein Produkt bietet die Bank Vontobel an (ISIN: DE000VU9PKU4). Der Cap liegt bei 2.000 USD, der aktuelle Break-Even-Punkt bei 1.809,293 USD. Letzter Handelstag ist der 20.12.2024.

Besonders pessimistische und sehr risikobereite Anleger können auf Kursrücksetzer etwa mit einem Turbo-Short-Zertifikat gehebelt setzen. Solch ein Produkt bietet zum Beispiel die Société Générale an (DE000SV2ED44). Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,33, die Knock-out-Schwelle ist bei 2.757 USD angesetzt.

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