Dividendenaktien ATX: Worauf Profis bei der Auswahl achten
Kurzzusammenfassung
- Dividendenaktien bieten stabile Erträge und langfristiges Wachstumspotenzial
- Ausschüttungen sind nur nachhaltig, wenn Gewinne und Cashflows stark bleiben
- ATX‑Unternehmen zeigen solide Profitabilität und verlässliche Dividendenmuster
- Hohe Dividendenrenditen können Warnsignal für Probleme sein
- Experten achten auf Dividendenwachstum, Bilanzqualität und Investitionsfähigkeit
- Gesunde Ausschüttungsquote liegt bei 30–50 %
- Kauf vor der HV birgt Risiken: Kursbewegungen, Fristen, Wertabgang durch Ausschüttung
Warum Dividendenaktien für Anleger attraktiv sind
(22.06.2026 aktualisiert). Dividendenaktien üben seit jeher eine besondere Anziehungskraft auf Anleger aus. Sie verbinden zwei Elemente, die in unsicheren Marktphasen besonders geschätzt werden: regelmäßige Ausschüttungen und die Chance auf langfristiges Kurswachstum. Während Dividenden einen stetigen Ertrag liefern, spiegeln sie zugleich die finanzielle Stärke eines Unternehmens wider – denn nur wer nachhaltig Gewinne erwirtschaftet, kann kontinuierlich ausschütten. Für viele Investoren sind dividendenstarke Aktien daher ein stabilisierender Baustein im Portfolio, der Schwankungen abfedern und gleichzeitig zum Vermögensaufbau beitragen kann. Auch in Österreich zeigt sich dieser Trend: Zahlreiche heimische Unternehmen gelten als solide Dividendenzahler.
Die Aktionäre vieler heimischer Unternehmen können sich über höhere Dividenden freuen.
Diese dividendenstarken Aktien im ATX haben über viele Jahre relativ stabile Ausschüttungsmuster. Beispiele dafür:
- RBI: Aktuell bewegt sich die Rendite um 4–5 %, kann aber wegen Kursschwankungen deutlich variieren.
- OMV: Je nach Ölpreis und Aktienkurs lag die Rendite zuletzt bei rund 5 %, in manchen Jahren auch deutlich höher.
- Telekom Austria: Zuletzt bei rund 3–4 %.
- Erste Group: Durch den stark gestiegenen Aktienkurs lag die Dividendenrendite zuletzt eher bei unter 2 %, obwohl die Ausschüttung nicht niedrig ist.
- Wienerberger: 3–5 %
- Erste Group: Viele Jahre hohe Dividende. Durch den stark gestiegenen Aktienkurs lag die Dividendenrendite zuletzt aber bei unter 2 %, obwohl die Ausschüttung nicht niedrig ist.
Warum starke Gewinne die Basis verlässlicher Dividenden sind
Profitabilität ist die zentrale Grundlage jeder nachhaltigen Dividendenpolitik, weil Ausschüttungen letztlich nur aus real erwirtschafteten Überschüssen finanziert werden können. Unternehmen mit stabilen Margen, soliden Cashflows und verlässlichen Gewinnen verfügen über den nötigen finanziellen Spielraum, um Dividenden nicht nur auszuschütten, sondern auch in schwierigen Marktphasen konstant zu halten oder zu steigern.
Eine hohe Dividendenrendite wirkt nur dann attraktiv, wenn sie durch eine robuste Ertragskraft gedeckt ist – andernfalls steigt das Risiko von Kürzungen. Profitabilität fungiert damit als Qualitätsmerkmal, das signalisiert, ob ein Unternehmen seine Ausschüttungen langfristig tragen kann und ob die Dividende tatsächlich ein verlässlicher Baustein im Vermögensaufbau ist.
Profitabilität der ATX-Unternehmen in den letzten fünf Jahren
Banken (Erste, RBI, BAWAG)
- Profitabilität seit 2022 deutlich gestiegen durch höhere Zinsen.
- 2020–2021 pandemiebedingt schwächer.
Energie (OMV, Verbund)
- OMV: stark schwankend durch Öl‑ und Gaspreise.
- Verbund: hohe Margen durch Strompreise 2022–2023, danach Normalisierung.
Industrie (voestalpine, Andritz, Wienerberger)
- voestalpine: Das Geschäft ist zyklisch. In wirtschaftlich schwächeren Phasen gehen die Gewinne zurück, dennoch zahlt das Unternehmen seit vielen Jahren Dividenden – deren Höhe kann allerdings je nach Konjunktur variieren.
- Andritz zeigte sich im Vergleich zu vielen Industrieunternehmen relativ robust und profitierte von einem soliden Auftragsbestand.
- Wienerberger: Das Unternehmen war in den vergangenen Jahren vom schwachen Bausektor belastet, verfügt aber über eine solide Bilanz und hat seine Dividendenpolitik bislang relativ verlässlich umgesetzt. Sinkende Gewinne bedeuten daher nicht automatisch eine Dividendenkürzung.
Versicherungen (VIG, Uniqa)
- Stabil steigende Gewinne, robuste Combined Ratios; vor allem was die Sparten Schaden und Unfall betrifft.
Gerade bei zyklischen Unternehmen wie voestalpine oder Wienerberger können diese solide aufgestellten Unternehmen, trotz schwächerer Geschäftsjahre, weiterhin solide Dividendenzahler bleiben.
Worauf Profis bei Dividendenaktien noch achten
Eine hohe Dividendenrendite allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass die Ausschüttung langfristig finanziert werden kann. Deshalb achten professionelle Investoren neben der Profitabilität vor allem auf die Ausschüttungsquote (Payout Ratio), den freien Cashflow, eine solide Bilanz- und Liquiditätssituation sowie eine nachhaltige Dividendenpolitik.
Für Norbert Janisch, Manager des Raiffeisen-GlobalDividend-ESG-Aktien, sind insbesondere Unternehmen interessant, die nicht nur eine attraktive Dividendenrendite bieten, sondern ihre Ausschüttungen über Jahre hinweg kontinuierlich steigern.
Als Qualitätsmerkmal gilt dabei eine Historie von mindestens fünf, idealerweise zehn Jahren steigender Dividenden. Sie kann auf eine stabile Geschäftsentwicklung und eine solide Bilanz hindeuten.
Gleichzeitig mahnt Janisch zur Vorsicht: Das Bekenntnis zu Dividenden dürfe nicht zulasten notwendiger Investitionen gehen. Ein Unternehmen sollte genügend Mittel behalten, um in Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu investieren, anstatt seine Attraktivität ausschließlich über hohe Ausschüttungen zu definieren.
Wann hohe Dividenden ein Warnsignal sein können
Sich ausschließlich auf die Höhe der Dividendenrenditen zu konzentrieren, kann jedoch gefährlich sein. So kann diese oft nur aufgrund des stark gefallenen Aktienkurses hoch sein, was wiederum ein Hinweis dafür sein kann, dass das betreffende Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und die Ausschüttungen künftig kürzen könnte. Eine hohe Dividendenrendite könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Verschuldung erhöht wird, um die Dividende zu finanzieren oder von Investitionen abgesehen wird.
„Die Dividenden steigen am Wiener Markt, weil die Unternehmen Gewinne machen, und nicht, weil sie ihre Verschuldung erhöhen oder von wichtigen Investitionen absehen“, so Wosol. Zudem sehe man an der Wiener Börse auch nicht extrem hohe Dividendenrenditen von 8 bis 10 %. Dividenden wären seiner Meinung nach nur dann gerechtfertigt, wenn sie vom Cashflow unterstützt würden. Nachsatz des Fondsmanagers: „Auch Unternehmen, die stark investieren – wie etwa die AMAG – können ihre Verschuldung im Griff haben und gute Cashflows aufweisen.“
Welche Ausschüttungsquote als sinnvoll gilt
Als „gesund“ bezeichnen Experten eine Ausschüttungsquote von 30 bis 50 % des Gewinns.
Dividendenjäger: Was bringt es vor der Hauptversammlung Aktien zu kaufen?
Vor der Hauptversammlung eine Aktie zu kaufen, um die Dividende zu lukrieren, könne wiederum eine gefährliche Strategie sein.
- Anleger sind nicht immer dividendenberechtigt sei bzw. gewisse Fristen einzuhalten seien.
- Der Kurs in der Phase bis zur Ausschüttung kann stark schwanken.
- Ausschüttungen reduzieren den Portfoliowert in Höhe der Dividende
Roland Zauner, Manager des KEPLER DA-CH Plus Aktienfonds: „Geld wandert von der ,linken Tasche’ (vom Depot) in die ,rechte Tasche’ (aufs Konto)“.
Ein weiterer Fonds, der auch viele ATX-Aktien mit attraktiven Dividenden im Depot hat: Der Amundi Austria Stock.
Autor: Patrick Baldia
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