Worauf es bei der Dividenden-Jagd ankommt

Die aktuellen Dividendenerhöhungen heimischer Firmen sind ein gutes Indiz für ihre verbesserte Profitabilität. Wichtig: Die Ausschüttungen sollten vom Cashflow unterstützt werden.

Warum Dividendenaktien für Anleger attraktiv bleiben

Aktien mit verlässlichen Dividenden üben seit jeher eine besondere Anziehungskraft auf Anleger aus. Sie verbinden zwei Elemente, die in unsicheren Marktphasen besonders geschätzt werden: regelmäßige Ausschüttungen und die Chance auf langfristiges Kurswachstum. Während Dividenden einen stetigen Ertrag liefern, spiegeln sie zugleich die finanzielle Stärke eines Unternehmens wider – denn nur wer nachhaltig Gewinne erwirtschaftet, kann kontinuierlich ausschütten. Für viele Investoren sind dividendenstarke Aktien daher ein stabilisierender Baustein im Portfolio, der Schwankungen abfedern und gleichzeitig zum Vermögensaufbau beitragen kann. Auch in Österreich zeigt sich dieser Trend: Zahlreiche heimische Unternehmen gelten als solide Dividendenzahler.

Die Aktionäre vieler heimischer Unternehmen können sich über höhere Dividenden freuen.

Die ATX‑Titel haben über viele Jahre relativ stabile Ausschüttungsmuster. Beispiele dafür:

  • Erste Group: seit Jahren zwischen ca. 5–7 %
  • RBI: oft 6–10 % (wegen niedrigerer Bewertung)
  • OMV: abhängig vom Ölpreis, meist 5–8 %
  • Telekom Austria: stabil 4–6 %
  • Wienerberger: eher 3–5

Warum starke Gewinne die Basis verlässlicher Dividenden sind

Profitabilität ist die zentrale Grundlage jeder nachhaltigen Dividendenpolitik, weil Ausschüttungen letztlich nur aus real erwirtschafteten Überschüssen finanziert werden können. Unternehmen mit stabilen Margen, soliden Cashflows und verlässlichen Gewinnen verfügen über den nötigen finanziellen Spielraum, um Dividenden nicht nur auszuschütten, sondern auch in schwierigen Marktphasen konstant zu halten oder zu steigern. Für Anleger ist das entscheidend: Eine hohe Dividendenrendite wirkt nur dann attraktiv, wenn sie durch eine robuste Ertragskraft gedeckt ist – andernfalls steigt das Risiko von Kürzungen. Profitabilität fungiert damit als Qualitätsmerkmal, das signalisiert, ob ein Unternehmen seine Ausschüttungen langfristig tragen kann und ob die Dividende tatsächlich ein verlässlicher Baustein im Vermögensaufbau ist.

Wie sich die Profitabilität der ATX-Unternehmen in den letzten fünf Jahren entwickelt hat

Banken (Erste, RBI, BAWAG)

  • Profitabilität seit 2022 deutlich gestiegen durch höhere Zinsen.
  • 2020–2021 pandemiebedingt schwächer.

Energie (OMV, Verbund)

  • OMV: stark schwankend durch Öl‑ und Gaspreise.
  • Verbund: hohe Margen durch Strompreise 2022–2023, danach Normalisierung.

Industrie (voestalpine, Andritz, Wienerberger)

  • 2021–2022 sehr stark (Nachholeffekte).
  • 2023–2024 rückläufig durch Energiepreise und Konjunkturabschwächung.

Versicherungen (VIG, Uniqa)

  • Stabil steigende Gewinne, robuste Combined Ratios.

Immobilien (CA Immo)

  • Seit 2023 rückläufig durch Zinsen und Bewertungsabschläge.

„Wir sehen eine solide Profitabilität der Unternehmen am Wiener Markt“, sagt dazu Andreas Wosol, Manager des Amundi Austria Stock.

Worauf Profis bei Dividendenaktien achten

Profi-Tipp: 1. Unternehmen, die ihre Ausschüttung kontinuierlich erhöhen

Für Norbert Janisch, Manager des Raiffeisen-TopDividende-Aktien, macht es Sinn, sich auf die Aktien von Unternehmen zu konzentrieren, die ansehnliche Dividendenrenditen bieten und gleichzeitig auch ihre Ausschüttungen kontinuierlich erhöhen.

2. Mindestens fünf Jahre solide Bilanzen

Ein Zeichen für eine gute Geschäftsentwicklung sowie eine solide Bilanz sei in diesem Zusammenhang eine Historie von mindestens fünf, idealerweise aber zehn Jahren mit kontinuierlichen Dividendenerhöhungen.

3. Darf nicht auf Kosten von Investitionen gehen

„Allerdings darf das Dividenden-Commitment keineswegs auf Kosten notwendiger Investitionen gehen und die Hauptattraktivität eines Unternehmens ausmachen“, warnt der Experte.

Wenn hohe Dividenden zum Warnsignal werden können

Sich ausschließlich auf die Höhe der Dividendenrenditen zu konzentrieren, kann jedoch gefährlich sein. So kann diese oft nur aufgrund des stark gefallenen Aktienkurses hoch sein, was wiederum ein Hinweis dafür sein kann, dass das betreffende Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und die Ausschüttungen künftig kürzen könnte. Eine hohe Dividendenrendite könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Verschuldung erhöht wird, um die Dividende zu finanzieren oder von Investitionen abgesehen wird.

„Die Dividenden steigen am Wiener Markt, weil die Unternehmen Gewinne machen, und nicht, weil sie ihre Verschuldung erhöhen oder von wichtigen Investitionen absehen“, so Wosol. Zudem sehe man an der Wiener Börse auch nicht extrem hohe Dividendenrenditen von 8 bis 10 %. Dividenden wären seiner Meinung nach nur dann gerechtfertigt, wenn sie vom Cashflow unterstützt würden. Nachsatz des Fondsmanagers: „Auch Unternehmen, die stark investieren – wie etwa die AMAG – können ihre Verschuldung im Griff haben und gute Cashflows aufweisen.“

Welche Ausschüttungsquote als sinnvoll gilt

Als „gesund“ bezeichnen Experten eine Ausschüttungsquote von 30 bis 50 % des Gewinns.

Dividendenjäger: Was bringt es vor der Hauptversammlung Aktien zu kaufen?

Vor der Hauptversammlung eine Aktie zu kaufen, um die Dividende zu lukrieren, könne wiederum eine gefährliche Strategie sein. Einerseits dürfe man nicht vergessen, dass man nicht immer dividendenberechtigt sei bzw. gewisse Fristen einzuhalten seien. Andererseits könne der Kurs in der Phase bis zur Ausschüttung schwanken. Roland Zauner, Manager des KEPLER DA-CH Plus Aktienfonds weist zudem darauf hin, dass Ausschüttungen den Portfoliowert in der Höhe der Dividende verringern. „Geld wandert von der ,linken Tasche’ (vom Depot) in die ,rechte Tasche’ (aufs Konto)“, warnt er.

Autor: Patrick Baldia

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